Dreifache Österreich-Power: Legionäre in Schottland

Wenn Motherwell und Hibernian heute aufeinandertreffen, begegnen sich mit Lukas Fadinger und Raphael Sallinger zwei Österreicher auf schottischem Boden. Gemeinsam mit Michael Steinwender, der mit den Hearts aktuell die Tabelle anführt, stehen sie für eine kleine österreichische Welle in der Scottish Premiership.

Sie spielten einst gemeinsam für den TSV Hartberg – heute stehen sie sich in Schottland als Rivalen gegenüber. In den vergangenen Monaten wagten Lukas Fadinger, Raphael Sallinger und Michael Steinwender allesamt den Schritt in eine Liga, die sich in Tempo, Intensität und Atmosphäre deutlich von der österreichischen Bundesliga unterscheidet und fanden sich in ihrer neuen Heimat überraschend schnell zurecht.

Neustart im Norden

Für Raphael Sallinger kam der Wechsel nicht völlig unerwartet. Nach sieben Jahren in Hartberg, in denen er mit starken Leistungen immer wieder auf sich aufmerksam machte, entschied sich der Torhüter im Sommer 2025 für einen Transfer zum Hibernian FC. „Es war nicht so, dass ich unbedingt von Hartberg wegwollte. Es hat sich einfach ergeben“, erklärt er den Wechsel gegenüber Sky Sport.

Der Reiz, sich international zu beweisen, gab schließlich den Ausschlag. „Ich wollte sehen, was für mich auf noch höherem Niveau möglich ist“, sagt er.

Den nächsten Schritt „unbedingt“ ins Ausland machen, wollte Lukas Fadinger. Der 25-Jährige war zuvor ausschließlich in Österreich aktiv – zuletzt beim SCR Altach. Ihn zog es schließlich zum FC Motherwell. Besonders attraktiv an Schottland ist für ihn auch die Nähe zu England, denn von dort sei der Sprung ins Mutterland des Fußballs wohl leichter als aus Österreich. Positiv von Schottland berichtet hatte ihm zudem Steinwender, der den Wechsel einige Monate früher gewagt hatte.

Steinwender war bereits Anfang des Jahres 2025 vom schwedischen Klub IFK Värnamo zu den Hearts of Midlothian nach Edinburgh gewechselt. „Nach meinem Wechsel habe ich nicht allzu viel Eingewöhnungszeit gebraucht“, beschreibt er seine ersten Wochen in Schottland.

Auch Fadinger hat sich die Umstellung nicht so einfach vorgestellt, wie sie dann tatsächlich war. Organisatorisch seien die ersten Wochen zwar fordernd gewesen, doch innerhalb der Mannschaft und im Verein sei ihm der Wechsel erstaunlich leichtgefallen.

Von der Infrastruktur zum Spielstil: Unterschiede zu Österreich

„Extrem auffällig ist die Infrastruktur“, sagt Fadinger über die Unterschiede zwischen Österreich und Schottland. Was Räumlichkeiten wie Kraftkammer und Kabinen angeht, sei Altach wesentlich moderner gewesen. In Schottland, zumindest in Motherwell, sei vieles veraltet, was wiederum auch einen eigenen Charme habe. Toll seien hingegen die Trainings- und Stadionplätze.

Für Steinwender und Sallinger zeigen sich auch Unterschiede im Fußball selbst. Sie empfinden ihn als schneller, direkter und physischer. „Hier hast du als Torhüter viel mehr Abschlüsse und Flanken zu verteidigen“, sagt Sallinger. Dies bedeute für ihn vor allem eines: Mehr Arbeit. Man gewöhne sich aber rasch an die Umstellung. „Vor allem durch die vielen Trainings verinnerlicht man die neue Intensität schnell“, sagt Steinwender.

Volle Stadien, volle Leidenschaft

In Schottland wird eine andere Fankultur gepflegt. Dass die Menschen in Schottland “fußballverrückt” sind, sehen wohl alle drei Spieler gleich. „Du gehst nie einkaufen, ohne erkannt zu werden“, sagt etwa Sallinger.

Dies zeigt sich auch an der Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer, gemessen an der Einwohnerzahl hat Schottland am meisten Zuschauende pro Spiel. Letzte Saison lag der Durchschnitt der Liga bei 17.300 pro Spiel. Zum Vergleich: Österreich hat mit 8.200 weniger als halb so viel Publikum.

Besonders die Duelle mit Celtic und Rangers beeindrucken jedes Mal aufs Neue. Vor über 50.000 Fans zu spielen ist für die österreichischen Legionäre ein Erlebnis, das hängen bleibt. „Das sind Momente, von denen man als Kind träumt, Erfahrungen, die man nie vergisst“, sagt Michael Steinwender.

Freundschaft statt Rivalität

Wenn Motherwell und Hibernian heute aufeinandertreffen, begegnen sich auch die ehemaligen Teamkollegen Fadinger und Sallinger. Beide freuen sich auf das Spiel. Dass neben ihm noch zwei weitere Österreicher in der Liga spielen, sei für Fadinger etwas Besonderes – man fühle sich verbunden. In Kontakt stehen die drei ohnehin ständig.

Dass Hibernian und die Hearts eine hitzige Rivalität ausfechten, ändere nichts an dieser Freundschaft. „Die Rivalität ist brutal, hätte ich so nicht erwartet. Aber sie hat keinen Einfluss auf unsere Freundschaft“, sagt Sallinger. Trotzdem wurde ihm im Vorfeld vom Verein geraten bei den Spielen von Steinwender besser nicht ins Stadion der Hearts zu gehen, schon gar nicht in den Fanblock.

Die ehemaligen Hartberg-Teamkollegen treffen sich regelmäßig, sei es auf einen Kaffee oder für gemeinsame Stadionbesuche, etwa beim Europa-League-Spiel zwischen Celtic und Sturm. „Ich finde es richtig cool, dass wir jetzt alle hier oben sind“, so Steinwender.

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Eva Cilensek/Alexander Lüthi

Bilder: IMAGO