Ercan Kara könnte in den bevorstehenden, entscheidenden Wochen ein wichtiger Trumpf für den SK Rapid werden.

Edeljoker wider Willen? Kara: „Wenn Rapid mich braucht, bin ich da“

Ercan Kara könnte in den bevorstehenden, entscheidenden Wochen ein wichtiger Trumpf für den SK Rapid werden.

Im Sky-Interview mit Sky-Reporter Eric Niederseer spricht der 30-jährige Angreifer über die anstehenden „Endspiele“, beginnend mit dem Duell gegen seinen ehemaligen Förderer, die Gänsehaut-Momente seit der Rückkehr zu den Grün-Weißen und den unbeliebten Stempel als Edeljoker.

Kara: „Abgerechnet wird zum Schluss“

Sky: „Die Saison 2025/26 ist bald Geschichte. Es war eine Spielzeit mit vielen Auf und Abs. Wie würden Sie die Saison bis dato zusammenfassen?“

Ercan Kara: „Es gab sehr viele positive Highlights – und viele Momente, die mir negativ in Erinnerung geblieben sind. Die Saison war auf alle Fälle sehr turbulent, aber sie ist noch nicht vorbei. Abgerechnet wird zum Schluss und wir werden sehen, was am Ende rauskommt“.

„Rapid ist mehrmals abgeschrieben worden, hat viel Kritik einstecken müssen. Wie viel Energie braucht es als Spieler, nach Rückschlägen immer und immer wieder aufzustehen?“

„Man muss mental stark sein, um immer wieder aus dem Loch rauszukommen. Es war sehr turbulent. Die Qualität im Kader ist auf alle Fälle da, aber Qualität allein gewinnt keine Spiele. Man muss mental bereit sein, weil bei diesem Verein einfach sehr viele Emotionen mitspielen“.

„Hat sich durch die vielen Rückschläge, die das Team einstecken musste, der Teamspirit in gewisser Art und Weise auch verändert?“

„Ich glaube, dass er jetzt stärker ist als zu Beginn der Saison. Der Teamspirit hat sich mit der Zeit, die wir zusammen verbracht haben, entwickelt. Viel mehr aber durch die Rückschläge und die schweren Zeiten“.

Gesunder Schlafrhythmus im Endspurt – „Ich bin hungrig auf Alles, was kommt“

„Drei Endspiele sind noch ausständig. Kurz gefragt: Wie schlafen Sie und vor allem wovon träumen Sie derzeit?“

„Ich schlafe und träume sehr gut, mache mir überhaupt keine Sorgen. Ich bin hungrig auf Alles, was kommt – jeden Tag, wenn ich aufstehe. Ich glaube schon, dass noch einiges möglich ist. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen gehen. Der erste Schritt beginnt am Montag beim LASK und da wollen wir gewinnen“.

„Sie haben erst vor Kurzem gesagt, dass Rapid am Schluss dort stehen wolle, wo der Verein hingehöre, nämlich oben. Haben Sie das Gefühl, dass sich der Verein wieder dorthin entwickelt, wo er früher war?“

„Er gehört nach oben, auf jeden Fall und dort entwickelt er sich im Moment auch wieder hin. Wichtig ist aber, dass man Konstanz reinbringt, wir als Team die Leistungen abrufen und sich der Verein dort oben etabliert“.

Der Ruf nach Ercan Kara – „… da kriege ich jetzt schon wieder Gänsehaut“

„Aus ihrer Sicht idealerweise mit Gänsehautmomenten, von denen seit Ihrer Rückkehr einige dabei waren. Welcher Moment davon war für Sie der speziellste?“

„Einen einzigen Moment rauszupicken fällt mir enorm schwer, weil es viele waren. Dundee, LASK, die Derbytore und auch Salzburg. Vor allem aber sind es diese Last Minute-Tore, die mir in letzter Zeit gelungen sind. Ich glaube, dass das LASK-Tor vergangene Saison eines der emotionalsten war, weil es gefühlt in der letzten Sekunde passiert ist. Dazu kam der Torjubel vor der West, als ich einen 90-Meter-Sprint auf dem GPS-Tracker hatte. Dieser eine Moment mit den Fans im Stadion war einfach elektrisierend, da war enorm viel Energie drinnen. Das Salzburg-Spiel vergangenen Sonntag war für mich persönlich auch sehr speziell, weil mich die Fans nach Schlusspfiff gerufen und meinen Namen gesungen haben. Für einen Jungen, der in Wien aufgewachsen ist und davon träumt, Fußballprofi zu werden – und dann schreien 24.000 Fans deinen Namen – da kriege ich jetzt schon wieder Gänsehaut“.

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„Ich will nicht für den Moment geliebt werden, sondern dass man mich nicht vergisst“

„Sie gelten als einer der Publikumslieblinge. Wie sehr treibt Sie die Liebe der Fans an?“

„Diese Liebe ist nicht selbstverständlich. Diese Liebe muss man sich erarbeiten, über viele Jahre und durch die vielen, emotionalen Momente hier. Natürlich macht das einen stolz, wenn man spürt, dass man geliebt wird. Aber noch wichtiger ist, dass man es immer wieder bestätigt. Wir alle wissen, wie kurzlebig der Fußball ist. Ich will nicht für den Moment geliebt werden, sondern will, dass man mich nicht vergisst“.

„Speziell ihr Tor gegen Salzburg hat gezeigt, dass Sie ein Instinktfußballer sind, der weiß, wo der Ball hinfällt. Wie erarbeitet man sich diese Tugend?“

„Ich bin jetzt 30, hab schon einige Tore gemacht und ich glaube, diesen Riecher hat man im Blut. Natürlich bin ich Stürmer, hab immer Tore gemacht. Aber das Wichtigste ist, im Kopf bereit zu sein. Es ist ein Touch, ein Bruchteil einer Sekunde. Man hat oft wenig Zeit, dann muss der Ball einfach über die Linie. Dafür muss man im Kopf bereit sein, das steht über allem“.

Edeljoker als Kompliment?  – „Nein, aber wenn Rapid will, dass ich Joker bin, bin ich da“

„Noch ein Schlagwort, mit dem Sie oft in Verbindung gebracht werden, ist das des ‚Edeljokers‘. Empfinden Sie dieses Wort als Kompliment?“

„Nein, eigentlich nicht. Es ist schön, wichtige Tore zu machen. Es ist schön zu wissen, dass ich abliefern kann, wenn ich reinkomme. Aber mein Ansporn ist es natürlich, zu spielen. Und ich glaube, dass ich auch gute Leistungen gebracht habe, wenn ich von Anfang an gespielt habe. Mein klares Ziel ist es, von Anfang an zu spielen. Aber wenn Rapid will, dass ich Joker bin und werde, bin ich da!“

„Sie haben gegen Salzburg ihr 100. Bundesliga-Match für Rapid absolviert. Welche Marke soll noch dazukommen?“

„Ich habe noch einiges vor, habe noch Vertrag. Was genau, behalte ich aber lieber für mich. Was ich aber sagen kann: ein Titel wäre schön!“

„Kommen wir wieder auf die bevorstehenden Endspiele zurück: Am Montag wartet das Duell gegen Ihren ehemaligen Förderer Didi Kühbauer. Wie viel Anteil hat er an dem Ercan Kara, der Sie heute sind?“

„Einen großen Anteil. Ich erinnere mich noch an damals, als ich gekommen bin. Er hat sehr oft das persönliche Gespräch mit mir gesucht und mir gesagt, dass ich an meinen Stärken arbeiten muss. Aber vor allem, dass ich mir diesen Hunger unbedingt beibehalten muss, weil mich das auszeichnet. Ich bin froh, ihn als Trainer gehabt zu haben – noch mehr aber, ihn als Mensch kennengelernt zu haben. Weil das für mich das Wichtigste ist“.

„Vor allem die Offensive sticht beim LASK diese Saison besonders hervor. Kalajdzic, Usor und Adeniran haben bereits 37 Scorerpunkte gesammelt, Rapid im Vergleich erst 35 Saisontore erzielt. Was muss am Montag zusammenpassen, dass man etwas aus Linz mitnimmt?“

„Der LASK hat sehr viel Qualität und mit Didi einen Trainer, der weiß, wie er die Jungs auf uns vorbereiten muss. Aber wir werden genauso gut vorbereitet sein. Ich glaube, dass eine gute Mannschaftsleistung am Ende ausschlaggebend sein wird. Wir werden mit Sicherheit gute Lösungen finden“.

„Abschließend: Sie haben ihr letztes Länderspiel im Dezember 2021 unter Franco Foda absolviert. Lebt der Traum vom ÖFB-Comeback noch?“

„Natürlich. Als Spieler hast du immer das Ziel für das Nationalteam zu spielen. Das ist als Spieler die größte Belohnung. Man kann mit guten Leistungen aufzeigen, der Rest liegt nicht in meiner Hand“.

Bild: GEPA