„Ein bisschen die Frische gefehlt“: Energie-Frage bei Sturm nach erster Niederlage
Tabellenführer Sturm Graz hat in der 12. Runde eine unglückliche 0:1-Heimniederlage gegen die Wiener Austria kassiert. „Heute ist einmal alles gegen uns gelaufen“, sagte Trainer Christian Ilzer nach der ersten Pleite in dieser Saison. Sturm führte auch die kurze Regenerationsphase nach dem Europacup-Match gegen Atalanta ins Treffen, wenngleich das nicht als Ausrede verstanden sein sollte. Die Austria hat sich unterdessen zum defensiven Bollwerk gewandelt.
Einig waren sich die Sturm-Protagonisten darin, dass am Sonntag in der Merkur Arena eigentlich alles angerichtet gewesen wäre für den neunten Sieg. „Mir hat die Performance in der ersten Hälfte an und für sich gut gefallen. Wir haben den Spielverlauf aus unterschiedlichen Gründen aber nicht auf unsere Seite gebracht.“ Ein von Manprit Sarkaria vergebener Elfmeter, ein Stangenschuss des Stürmers, die starke Leistung von Austria-Torhüter Christian Früchtl – es gab in der Tat mehrere Situationen, in denen einige wenige Prozent gefehlt hätten, wie es Ilzer formulierte. „Wir haben uns heute selber geschlagen“, meinte Jon Gorenc Stankovic.
Innerlich gespalten waren die Schwarzen aber in der Beurteilung, wie schwerwiegend die Strapazen nach dem Europa-League-2:2 gegen Atalanta waren. „Drei Tage nach dem Spiel gegen Atalanta muss der Kopf griffig und scharfsinnig sein, um die richtigen Entscheidungen zu treffen“, betonte Ilzer. Das war seiner Meinung nach offenbar nicht der Fall. „Wir hatten nicht die nötige Energie“, konstatierte Gorenc Stankovic, fügte aber sogleich hinzu: „Viele Spiele dürfen keine Ausrede sein. Jeder spielt gerne alle drei Tage.“ Dimitri Lavalée betonte: „Wir haben viel Energie unter der Woche liegengelassen. Das ist keine Entschuldigung, aber uns hat ein bisschen an Klarheit gefehlt und an Frische.“
Ilzer: „Zu ideenlos in der zweiten Hälfte“
Ilzer beorderte mit Jusuf Gazibegovic, Dante und Stefan Hierländer nur drei Spieler, die drei Tage zuvor im Einsatz gewesen waren, auf die Bank. Otar Kiteishvili fehlte wegen Achillessehnenproblemen. In den ersten 45 Minuten gegen die Austria waren aber weder ein steirischer Spannungsabfall noch schwere Beine zu erkennen. Das Tor von Ex-Sturm-Profi Andreas Gruber war so unglücklich von einem Bein Gregory Wüthrichs abgefälscht, dass Kjell Scherpen im Tor machtlos war.
In der zweiten Hälfte jedoch fielen die Grazer zurück, präsentierten sich laut Ilzer „zu ideenlos und zu wenig durchschlagskräftig“. Das könnte durchaus etwas mit dem Energiehaushalt zu tun gehabt haben. Die „Veilchen“ verwalteten den Vorsprung konsequent und haben nun schon fünf Pflichtspiele in Serie kein Tor zugelassen. „Heute war das Spielglück auch auf unserer Seite“, sagte Austria-Coach Michael Wimmer. „Wir haben aber in der zweiten Hälfte alles sehr gut wegverteidigt.“ Torhüter Früchtl gab zu: „Es war eine super Defensivleistung von uns. Offensiv war es aber kein Leckerbissen.“
So oder so fuhren die Wiener erstmals nach viereinhalb Jahren wieder mit einem Sieg in Graz im Gepäck nach Hause. In der Tabelle stehen die Violetten nun punktegleich mit dem Erzrivalen Rapid, der Platz sechs behielt, auf dem siebenten Platz. Noch vor einem Monat waren die Leistungen schlecht, der Tabellenplatz ebenfalls und folglich die Stimmung am Verteilerkreis im Keller. Mit einem starken Oktober gelang Wimmer und seinem Team aber der Turnaround.
Der Schlüssel war dabei offensichtlich der Fokus auf die Abwehr. „Ich glaube, wir haben uns jetzt gefangen“, stellte Torschütze Gruber fest. „Es ist egal, wer spielt, es weiß jeder, was zu tun ist. Man hat heute gesehen, wie gefestigt wir hinten sind, und vorne sind wir auch stark.“ Gegen eine Topmannschaft wie Sturm könne man „auswärts nur punkten, wenn man in der Defensive gut steht und dahinter noch einen sehr guten Torhüter hat“, erklärte Wimmer, für den der Tabellenplatz nicht im Vordergrund steht. „Für uns war es immer wichtig, unseren Job, unsere Arbeit gut zu erledigen.“
Für die Wiener Austria geht es im ÖFB-Cup bereits am Mittwoch mit einem Heimspiel gegen den Liga-Vierten Austria Klagenfurt weiter. Sturm trifft am Donnerstag im Grazer Derby auf den GAK. „Es ist nicht nur ein Cup-Spiel, es ist ein ganz besonderes Spiel für unsere Fans“, sagte Verteidiger David Affengruber. „Wir werden alles daran setzen, dass wir am Donnerstag eine Spitzenleistung auf den Platz legen und sie hinausschießen.“
(APA)/Bild:
