EL-Ärger bei Hoffenheim & Leverkusen – Freiburg jubelt gegen Salah
Christian Ilzer haderte mit dem so spät verschenkten Sieg der TSG Hoffenheim in der Europa League.
„Am Ende verhindert die Schlussphase einen nahezu perfekten Abend für uns“, monierte der Trainer der Kraichgauer nach dem 1:1 (1:0) bei Crystal Palace: „Wir waren kurz davor, ein Premier-League-Team zu schlagen. Es schmerzt, dass wir den Sieg nicht mit nach Hause nehmen. Wir müssen daran arbeiten, dass wir es über die Ziellinie bringen.“
HIGHLIGHTS | Crystal Palace – TSG Hoffenheim | 4. Spieltag
Doch nach dem Führungstreffer von ÖFB-Teamspieler Alexander Prass (7.) glich der Ex-Frankfurter Daichi Kamada in Unterzahl für die Briten aus (90.+1). „Ein Gewinner-Typ darf durchaus leiden“, führte Ilzer aus: „Mit ein wenig Abstand sollten wir dennoch stolz sein und die Leistung sollte uns bestärken für Sonntag.“ Dann geht es in der deutschen Bundesliga gegen Aufsteiger Schalke 04 (19:30 Uhr), die Leistung auf der Insel dient trotz der anhaltenden personellen Probleme als Mutmacher.
„Am Ende des Tages ist es ein Scheißgefühl gerade“, sagte Prass, der den frühen Führungstreffer (7.) der Hoffenheimer erzielt hatte. Die leidenschaftlich auftretende TSG schien beim aktuellen Conference-League-Sieger und Tabellen-18. der englischen Premier League alles im Griff zu haben. Obwohl Adam Wharton bei Palace in der 77. Minute Gelb-Rot sah, kassierten die Gäste durch Daichi Kamada (91.) aber noch den Ausgleich. „Wir hatten richtig gute Möglichkeiten, speziell in der zweiten Halbzeit haben wir gar nichts zugelassen“, meinte Prass. „Es darf uns einfach nicht passieren.“ Auch Trainer Ilzer fand es nach einem „nahezu perfekten Abend“ dann „sehr bitter, hier nicht als Sieger vom Platz zu gehen“.
Die Partie sei nach dem schwierigen Saisonstart „eine große Bestätigung“ für den eingeschlagenen Weg, betonte Sport-Geschäftsführer Andreas Schicker. Die TSG habe „eine junge Mannschaft, die einen Entwicklungsprozess geht“. Mit einem Auftreten wie gegen Crystal Palace sei Hoffenheim „eine unangenehme Mannschaft“, sagte Routinier Andrej Kramaric: „Die Premier League ist die beste Liga der Welt, aber wir waren besser. Es ist gut zu wissen, dass wir auch gegen solche Gegner bestehen können.“ In drei Wochen trifft die TSG mit Ilzer und Prass auf deren früheren Arbeitgeber Sturm Graz.
Prass nach Remis enttäuscht: „Ist ein Scheißgefühl gerade“
Andrich nach Niederlage: „Müssen uns Sorgen machen“
Robert Andrich hat nach dem nächsten Dämpfer von Bayer Leverkusen mit Nachdruck eine Leistungssteigerung gefordert. „Ich glaube schon, dass wir uns Sorgen machen müssen“, sagte der Führungsspieler am RTL-Mikrofon nach dem 0:1 (0:0) in der Europa League gegen Olympique Marseille: „Das ist überhaupt nicht unser Anspruch. Wenn wir darauf schauen, dass wir mal toll gespielt haben – damit gewinnst du gar nichts.“
HIGHLIGHTS | Bayer Leverkusen – Olympique Marseille | 4. Spieltag
Für Leverkusen war es die erste Niederlage in der Europa League, in der deutschen Bundesliga hatte das Team aber zuletzt zwei Spiele in Folge verloren. „Jetzt musst du ins Derby rein, und da brennt es“, sagte Andrich mit Blick aufs Duell beim Rivalen 1. FC Köln am Sonntag (15:30 Uhr). Unabhängig vom Derby sei „bei uns Druck drauf, wenn wir drei Spiele nicht punkten“, sagte Torhüter Mark Flekken: „Wir müssen jetzt sehr schnell den Schalter finden.“
Vor dem entscheidenden Gegentreffer gegen Marseille hatte Leverkusens Aleix Garcia vergeblich versucht, einen Pass abzufangen. Anschließend lief er dem Konter im mäßigen Tempo hinterher. „Fehler passieren. Einfach stehenbleiben – das ist eine Sache, die darf nie passieren“, schimpfte Andrich: „Das hat ein Stück weit mit Einstellung zu tun.“
„Unfassbar gehalten“: Freiburg-Goalie als Salahs Albtraum
Igor Matanovic schlurfte völlig ausgepumpt über den Rasen im mittlerweile leeren Papara Park Stadyumu von Trabzonspor auf den Mann des Abends zu. Der Stürmer des SC Freiburg wusste wie alle Teamkollegen, bei wem er sich zu bedanken hatte. „Mio hat heute unfassbar gehalten“, sagte Matanovic bei RTL und klopfte jenem Mio, Nachname Backhaus, auf die Schulter, „das konnte selbst der Salah kaum glauben.“
HIGHLIGHTS | Trabzonspor – SC Freiburg | 3. Spieltag
Dass die Freiburger im schweren Auswärtsspiel der Conference League im Hexenkessel von Trabzon die frühe Führung durch Lukas Kübler (17.) zum 1:0 (1:0)-Sieg gegen das Team um den langjährigen Liverpool-Topstar Mohamed Salah über die Zeit brachten, war in der Tat zu einem großen Teil Backhaus zuzuschreiben.
Mehrmals rettete der U21-Nationalkeeper großartig, gleich zweimal dabei aus kürzester Distanz gegen Salah. Der mittlerweile 34 Jahre alte Ägypter, der 193-mal in der Premier League getroffen hat, wollte schier verzweifeln.
Backhaus selbst mochte gar nicht groß über seine Heldentaten sprechen. Der 22-Jährige grinste zufrieden vor sich hin und sagte ganz mannschaftsdienlich: „Ich freue mich über die drei Punkte hier.“
Der im Sommer aus Bremen verpflichtete Keeper lässt seinen Vorgänger Noah Atubolu immer mehr vergessen. Atubolu hatte Freiburg in der Vorsaison ins Finale der Europa League geführt, dann fühlte er sich zu Höherem berufen und wechselte schließlich nach Frankfurt. Mit einem Backhaus in aktueller Form ist dem Sportclub aber eine weitere europäische Traumsaison durchaus zuzutrauen.
SC-Trainer Julian Schuster nahm den Sahnetag seines Torwarts erfreut zur Kenntnis, wollte ihn aber nicht über den Rest der Mannschaft stellen. „Mio, aber auch die Innenverteidiger und der ganze Verbund – das war eine herausragende Leistung“, sagte Schuster und stellte sehr befriedigt fest: „Wir haben es hier geschafft, dass es mehr Pfiffe gegen das eigene Team gab als gegen uns. Das muss man erstmal hinbekommen.“
