Europas Elfmeter-Spezialist: Früchtl hält Strafstoß-Bestmarke

Austria-Goalie Früchtl glänzt als Europas Elfmeter-Spezialist

Highnoon im Strafraum. Der Schütze bereitet sich vor. Das ganze Stadion hält den Atem an, während es auf den Pfiff des Schiedsrichters wartet. Pfiff, Anlauf, Schuss – Gehalten. Der Schütze ist enttäuscht, während das Stadion und die Mannschaft den Helden im Tor feiern. Ein Gefühl, das Christian Früchtl genießt: „Es ist schon eine besondere Situation, aber bei mir gibt es keine Nervosität. Als Torhüter kannst du eigentlich nur gewinnen.“

Der alte Buch- und Filmtitel „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“ hat in Wien-Favoriten längst keine Gültigkeit mehr. Christian Früchtl musste in dieser Saison in seinen 19 Einsätzen vier Elfmeter gegen sein Team hinnehmen – drei davon konnte er entschärfen. Wie macht das der Torhüter der Veilchen?

VIDEO: Früchtls drei Elfer-Saves der Saison

„Wir bereiten uns mit Udo Siebenhandl (Austrias Torwart-Trainer, Anm.) natürlich auf die Schützen vor, gehen die Szenarien durch. Wo ist ihre Lieblingsseite? Wie ist der Spielstand? Wo schießt der Schütze lieber hin, wenn es ein enges Spiel ist? Läuft der Schütze schneller an oder verzögert er? Ist er eher einer der viel schaut, dann schaue ich: Wie steht die Hüfte? Ist diese mehr offen, dann schiebt der Schütze den Ball eher in die Ecke. Diese Möglichkeiten besprechen wir und wir haben in dieser Saison ziemlich oft recht gehabt,“ sagt Früchtl.

Mit seinen drei gehaltenen Strafstößen bei nur vier Versuchen führt er eine europaweite Statistik an. Denn in allen europäischen Ligen, die keine Ganzjahresmeisterschaft spielen (Molde-Torhüter Oliver Pedersen hat in der norwegischen Liga 2023 drei von drei Strafstößen pariert), gibt es niemanden, der besser ist. Den ersten Platz teilt sich Früchtl interessanterweise mit einem deutschen Landsmann. Dieser kickt aber nicht in der deutschen Bundesliga oder in England, sondern steht in Nordirland zwischen den Pfosten. Berraat Turker, geboren in Hannover, spielt für den Loughgall FC und hat ebenfalls drei von vier Strafstößen pariert.

Drei gehaltene Elfmeter sind prinzipiell schon ein herausragender Wert, denn auch hier gibt es nur eine Handvoll Torhüter, die diesen Wert überhaupt aufweisen können. Vier Elfmeter konnte in dieser Saison noch kein Torhüter halten – dafür verursachte der beglische Erstligist RWD Molenbeek gleich 15 Elfmeter (drei davon gehalten) und führt damit eine andere Statistik an.

Tabelle: Die besten Elfer-Spezialisten Europas

Name Elfmeter Gehalten Quote
Christian Früchtl (FK Austria Wien) 4 3 75%
Berraat Turker (Loughgall FC – NIR) 4 3 75%
Oliver Baumann (TSG Hoffenheim – GER) 5 3 60%
Marcin Bulka (OGC Nizza – FRA) 6 3 50%
Davy Roef (Gent – BEL) 6 3 50%
Maksym Kovaliov (Pirin Blagoevgrad – BUL) 7 3 43%
Theo Defourny (RWD Molenbeek – BEL) 15 3 20%

Dabei kommen dem ehemaligen Bayern-Kicker die Extraeinheiten mit Robert Lewandowski sicher zugute. „Wir haben nach dem Training noch sehr viele Elfmeter geschossen. Da habe ich vom Besten lernen dürfen,“ sagt der 24-jährige Deutsche.

Lewandowskis Karrierebilanz vom Punkt kann sich mit neun verschossenen Elfmetern bei 87 Versuchen durchaus sehen lassen. Wenngleich es für den Torhüter immer schwieriger wird einen Elfmeter zu halten, denn in den vergangenen Jahren wurde im Regelwerk der Spielraum für die Goalies immer mehr verkleinert.

Elfmeter-Reformen für Früchtl „ein bisschen zu viel“

„Ich finde es ein bisschen zu viel, das mit der Linie finde ich noch einigermaßen okay. Aber, dass wir jetzt die Latte nicht mehr berühren dürfen, finde ich schade. Das gehört doch alles zum nervös machen des Spielers dazu, als Tormann darf man eigentlich fast gar nichts mehr. Ich weiß nicht, was es ändert, wenn die Latte ein bisschen wackelt,“ sagt Früchtl der sich nicht in den verbalen Infight mit dem Schützen begibt: „Ich habe genug Selbstvertrauen, das brauch ich nicht“, führt er schmunzelnd aus.

Zum Start der Qualifikationsgruppe geht es für die Wiener Austria nach Altach (Samstag ab 16 Uhr LIVE & EXKLUSIV auf Sky Sport Austria 2!). Ausgerechnet gegen die Vorarlberger musste Früchtl das einzige Mal nach einem Elfmeter hinter sich greifen. Damals hieß der Schütze zum 2:1 Siegtreffer für Altach Mike-Steven Bähre, der für dieses Spiel gesperrt ist. Vielleicht kann Früchtl in Altach seine Quote weiter nach oben schrauben und der erste Torhüter in Europa werden, der in dieser Saison vier Elfmeter halten kann – wenn es wieder heißt: Highnoon im Strafraum.

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(Johannes Brandl – Red.)

Beitragsbild: GEPA.