Felix Gall mit verbesserten Körperwerten: „Bin resistenter“
Die Tour de Suisse ab Sonntag ist die Generalprobe, am 29. Juni kommt dann der Saison-Höhepunkt für Österreichs Radsport-Star Felix Gall. Bei der Tour de France will der Gesamt-Achte und Königsetappensieger des Vorjahres auf dem Zenit seiner Form sein. Erstmals in der Leader-Rolle und mit Neo-Teamsponsor Decathlon im Rücken überlässt der 26-jährige Osttiroler nichts dem Zufall. Verbesserte Körperwerte und auch verbesserte Aerodynamik beim Zeitfahren zeugen u.a. davon.
„Von den Wattwerten her und jetzt generell bin ich schon ein bisserl resistenter, was die Umfänge betrifft“, meinte Gall bei einem Medientermin. Vom Körpergewicht her sei er sogar leichter als im Vorjahr. „Ich bin jetzt unter 65 kg, letztes Jahr war ich zwischen 65 und 66 während der Tour. Ich muss fast schon aufpassen, dass ich nicht noch mehr Gewicht verliere“, verriet Österreichs Sportler des Jahres 2023. Aber das Höhentrainingslager in der Sierra Nevada hat ihm doch Selbstvertrauen gegeben. „Zwei Wochen davon waren mit fast 30 Stunden in der Woche im Schnitt.“ Wenn er nun danach in knackigen Trainings in Sachen Intensität an die Grenze geht, „fühlt sich das sehr gut an“.
Fortschritte ortet Gall auch beim Zeitfahren. „Ich will nicht sagen, dass ich Spezialist geworden bin, aber wir haben an der Position gearbeitet. Das war für mich der größte Punkt, wo ich Probleme gehabt habe: dass ich die Leistung vom Rennrad aufs Zeitfahrrad bringe“, sagte der Hobby-Golfer. Man habe vom Material her alles, was möglich war, optimiert. „Mit Helm und Anzug, da kann man überall ein paar Watt rausholen. Da erwarte ich mir schon eine Verbesserung.“
Zwar ist sein Frühjahr, u.a. mit drei glimpflich verlaufenen Stürzen und einer nicht so gelungenen Baskenland-Rundfahrt nicht ganz nach Plan verlaufen. „Aber was für mich wichtig war, ist, dass ich es bei Paris-Nizza vom letzten Jahr bestätigen konnte. Das war eine solide Rundfahrt und ein gutes Ergebnis in den Top Ten.“
Starkes Jahr von Gall-Team Decathlon
Bemerkenswert ist das bisher extrem starke Jahr seines Teams mit Neo-Sponsor Decathlon, das bereits 23 Siege einfahren hat und damit schon jetzt mehr als 2022 (11) und 2023 (9/2 von Gall) zusammen erreicht hat. Ein Umstand, der Gall wundert. „Dass das heurige Jahr so extrem erfolgreich ist, hat sich niemand so erwartet. Das Jahr hat den Titel eines Übergangsjahres gehabt und es sind große Veränderungen passiert im Team, aber dass es heuer schon so sichtbar ist. Es ist wirklich ein unglaubliches Jahr – wir sind Zweiter der Weltrangliste der Teams.“
Die Gründe dafür sind für ihn auch nicht ganz offensichtlich. „Das Material ist mit Sicherheit eines der besten, wenn nicht das Beste im Feld vom Rad angefangen und das Gesamtpaket.“ Zusätzlich habe man mit Swiss Side einen „sehr tollen Partner an unserer Seite, was die Materialtests betrifft“. Dort kann bei intensiven Windkanaltests an ganz feinen Schräubchen gedreht werden.
„Ich finde das extrem schön, und es macht mich auch stolz, Teil des Teams zu sein. Es ist einfach motivierend für mich, und nimmt für mich etwas Druck“, sagt Gall zu den Erfolgen des Teams. Gleichzeitig erhöht es aber auch den Erwartungsdruck, das ist Gall durchaus klar. „Natürlich – es ist die Tour de France. Vor allem als französisches Team wird die Saison trotzdem an den Erfolgen bei der Tour de France gemessen. Es wird sehr wohl Druck da sein und es ist nur die Frage, wie viel man sich selbst unter Druck setzt.“
Pogacar dominiert erneut
Aus internationaler Sicht hat Tadej Pogacar beim Giro auch Gall beeindruckt. „Pogacar war extrem dominant beim Giro. Wenn er am Start steht, ist er derjenige, den es zu schlagen gilt. Es ist halt die Frage, wie viel ihm diese drei Wochen gekostet haben. Aber offensichtlich hat er das mit dem kleinen Finger gewonnen.“ Normalerweise sei Jonas Vingegaard bei der Tour der Favorit, der Däne arbeitet nach seinem schweren Sturz Anfang April an seinem Comeback. „Heuer ist es schon etwas offener als die letzten Jahre“, meint Gall.
Zwar hat sich Gall noch nicht im Detail mit allen Tour-Etappen beschäftigt, doch weiß er, dass schon der Start in Florenz nicht wirklich einfach wird. „Dann ist die Gravel-Etappe die Etappe, wo jeder weiß, das wird ein superstressiger Tag. Man kann dort die Gesamtwertung verlieren“, meinte er zum 9. Teilstück. „Die dritte Woche ist einfach extrem schwer, und hat viele Anstiege über 2.000, 2.500 m.“ Höhepunkt wird der Cime de la Bonnette mit 2.800 m sein.
Bei seinem Training nach der Tour de Suisse im Skigebiet Isola 2000 nördlich von Nizza wird er noch vor Ort ein Streckenstudium betreiben. Und dort auch an der Abfahrt arbeiten. „Ich habe jemanden dort, der für zwei, drei Tage mit mir die Abfahrten trainiert, dass ich mich da wirklich wohlfühle.“ Felix Gall lässt durchblicken: bei seiner zweiten Tour de France wird nichts dem Zufall überlassen.
„Gesamtwertung ist ein Ziel“: Gall startet als Kapitän in Tour de Suisse
(APA)/Bild: Imago
