FIFA-Präsident Blatter tritt zurück

via Sky Sport Austria

(SID) Paukenschlag im Fußball-Weltverband FIFA: Mit sofortiger Wirkung ist der umstrittene Präsident Joseph S. Blatter von seinem Posten zurückgetreten. Dies teilte der 79-jährige Schweizer am Dienstag auf der Pressekonferenz in der FIFA-Zentrale in Zürich mit. “Wir brauchen jetzt Zeit, den bestmöglichen Kandidaten für dieses Amt zu finden”, sagte Blatter. Interimspräsident wird der Italo-Schweizer Domenico Scala, der 1965 in Basel zur Welt kam.

Blatter tritt ab! Vier Tage nach seiner Wiederwahl und mitten in der tiefsten Krise hat FIFA-Präsident Joseph S. Blatter doch noch persönliche Konsequenzen gezogen und ist zurückgetreten. Der 79-jährige Schweizer stellt sein Amt für Neuwahlen bei einem außerordentlichen Kongress des Fußball-Weltverbands zur Verfügung. “Ich will nur das beste für die FIFA und den Fußball”, sagte der sichtlich mitgenommenen Schweizer bei einer Pressekonferenz in Zürich am Dienstag.

Was steckt hinter dem Rücktritt von Sepp Blatter?

 

Watzke kritisiert Blatter und UEFA

“Ich bin so sehr mit der FIFA und ihren Interessen verbunden. Ich möchte mich bei allen Unterstützern und Wegbegleitern bedanken”, sagte Blatter, der 17 Jahre FIFA-Boss war, und verließ den Saal ohne Nachfragen zuzulassen.

 

“Blatter tritt zurück, weil er muss!”

 

Zunächst übernimmt Domenico Scala, Vorsitzender der Audit- und Compliancekommission, Blatters Posten. Die Neuwahlen werden voraussichtlich zwischen Dezember 2015 und März 2016 abgehalten.

Blatters Rücktritt trifft die FIFA bis ins Mark. Seit dem vergangenen Mittwoch erschüttert ein ungeheuerlicher Skandal den Weltverband, die FIFA steht weltweit massiv in der Kritik – allen voran Blatter, der trotz allem am vergangenen Freitag in seine fünfte Amtszeit bestätigt worden war, und das mit der absoluten Mehrheit der 209 FIFA-Mitgliedsverbände.

Reif: “Selbstbedienungsladen muss aufgeräumt werden”

“Ich habe gedacht, meine Kandidatur wäre das Beste für diese Organisation”, sagte Blatter: “Die Wahl ist nun vorbei, aber die Herausforderungen bleiben. Zwar habe ich das Mandat der Mitglieder, aber es fühlt sich nicht so an, als hätte ich das Mandat der gesamten Fußball-Welt.”

Am Mittwoch waren kurz vor dem FIFA-Kongress sieben hochrangige FIFA-Funktionäre verhaftet worden, darunter zwei Vizepräsidenten des Weltverbands. Die US- sowie die Schweizer Behörden setzten die FIFA mit zwei voneinander unabhängigen Untersuchungen enorm unter Druck. In den USA werden insgesamt 14 Personen in einer 161-seitige Anklageschrift schwer belastet.

“Es ist meine große Sorge um die FIFA und ihre Interessen, die mich sehr bewegen und mich zu diesem Schritt bewegt haben”, sagte Blatter: “Was mir mehr als alles andere bedeutet ist, dass wenn alles vorbei ist, der Fußball der Gewinner ist.” Der Schweizer Scala führte aus, die FIFA habe sich “diesem Reformprozess zu 100 Prozent verschrieben. Heute hat der Präsident allen Mitgliedsverbänden die Entscheidung mitgeteilt”. Er habe dies getan, “um das Vertrauen in die FIFA wiederherzustellen.” Gleichzeitig nahm Scala die Verbände und die Konföderationen in die Pflicht “mehr Verantwortung zu übernehmen”. Dies führe zu mehr Transparenz.

Lebenslauf von Scala 

Interimspräsident Domenico Scala kennt sich im Bereich Wirtschaft bestens aus. Er schloss ein Studium in diesem Bereich mit dem Spezialisierungsgebiet Corporate Finance ab, an der INSEAD und der Lodnon Business School bildetet er sich im Management weiter fort. Seit 2011 ist Scsala nicht geschäftsführendes Mitglied des an der Schweizer Börse notierten Biotech-Unternehmens Basilea Pharmaceutica Ltd, außerdem Berater von Kapitalbeteiligungs- und M&A-Gesellschaften.

Niersbach: “Entscheidung von Blatter war überfällig”

 

Wer ist der richtige Blatter-Nachfolger?

 

“Ich glaube noch lange nicht an die Reformen”

 

Stellungnahme im Wortlaut

“Ich habe intensiv über meine Präsidentschaft und über die vierzig Jahre, in denen mein Leben untrennbar mit der FIFA und dem großartigen Sport Fußball verbunden gewesen ist, nachgedacht. Ich schätze und liebe die FIFA mehr als alles andere und will nur das tun, was am besten für die FIFA und den Fußball ist. Ich sah mich veranlasst, zur Wiederwahl anzutreten, da ich glaubte, dies sei das Beste für die Organisation. Diese Wahl ist vorüber, aber die Herausforderungen für die FIFA sind es nicht. FIFA braucht eine tiefgreifende Revision. Obwohl ich ein Mandat von den FIFA-Mitgliedern habe, glaube ich nicht, dass ich ein Mandat von der gesamten Fußballwelt habe – den Fans, den Spielern, den Vereinen, den Menschen, die den Fußball genauso leben, lieben und atmen, wie wir alle bei der FIFA es tun. Daher habe ich entschieden, mein Mandat bei einem außerordentlichen Wahl-Kongress niederzulegen. Ich werde meine Funktionen als FIFA-Präsident bis zu dieser Wahl weiter ausüben. Der nächste reguläre FIFA-Kongress wird am 13. Mai 2016 in Mexiko-Stadt stattfinden. Dies würde unnötige Verzögerungen bedeuten und daher werde ich das Exekutivkomitee dringend bitten, einen außerordentlichen Kongress zur Wahl meines Nachfolgers zum frühstmöglichen Zeitpunkt zu organisieren. Dies muss in Übereinstimmung mit den Statuten der FIFA geschehen und wir müssen den besten Kandidaten genug Zeit geben, sich zu präsentieren und für ihre Wahl zu werben. Da ich kein Kandidat sein werde und daher nun frei von den Einschränkungen bin, die Wahlen unweigerlich mit sich bringen, wird es mir möglich sein, mich darauf zu konzentrieren, weitreichende, grundlegende Reformen voranzutreiben, die unsere bisherigen Bemühungen übersteigen. Seit Jahren haben wir hart daran gearbeitet, administrative Reformen zu schaffen, und obwohl diese fortgesetzt werden müssen, ist mir klar, dass dies nicht genug ist. Im Exekutivkomitee sind Vertreter von Verbänden, über die wir keine Kontrolle ausüben, aber für deren Handlungen die FIFA verantwortlich gemacht wird. Wir brauchen tief verwurzelte strukturelle Veränderung. Die Größe des Exekutivkomitees muss verkleinert werden und seine Mitglieder sollten durch den FIFA-Kongress gewählt werden. Die Überprüfung der Integrität aller Mitglieder des Exekutivkomitees muss zentral durch die FIFA organisiert werden und nicht durch die Verbände. Wir brauchen eine Beschränkung der Amtszeit nicht nur beim Präsidenten, sondern für alle Mitglieder des Exekutivkomitees. Ich habe schon früher für diese Veränderungen gekämpft, und, wie jedermann weiß, wurden meine Bemühungen blockiert. Dieses Mal jedoch werde ich Erfolg haben. Ich kann dies nicht alleine tun. Ich habe Domenico Scala gebeten die Einführung und Umsetzung von diesen und anderen Maßnahmen zu überwachen. Herr Scala ist der unabhängige Vorsitzende unserer vom FIFA-Kongress gewählten Audit-und Compliance-Komission. Er ist auch der Vorsitzende der ad-hoc Wahlkommission und wird als solcher die Wahl meines Nachfolgers leiten. Herr Scala besitzt das Vertrauen eines breiten Spektrums von Parteien in- und außerhalb der FIFA und hat all das notwendige Wissen und die Erfahrung, um zu helfen, diese notwendigen Reformen anzupacken. Meine tiefe Fürsorge für die FIFA und ihre Interessen, die mir sehr am Herzen liegen, haben mich zu dieser Entscheidung bewegt. Ich möchte jenen danken, dich mich immer auf konstruktive und loyale Weise als FIFA-Präsident unterstützt haben und die so viel für das Spiel getan haben, das wir alle lieben. Wichtiger ist als alles andere ist mir, dass, wenn all dies vorüber ist, der Fußball als der Sieger hervorgeht.”

Stimmen zum Rücktritt

Michel Platini (UEFA-Präsident): “Es war eine schwierige Entscheidung, eine mutige Entscheidung und die richtige Entscheidung.”

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident, zur Bild-Zeitung): “Eine Tragik, warum er es sich selber und uns allen das nicht erspart hat, dass er das früher gemacht hätte.”

Thomas Bach (IOC-Präsident): “Wir respektieren diese Entscheidung von Präsident Blatter sehr, zurückzutreten und den Weg für eine neue FIFA-Führung freizumachen, die die nötigen Reformen einleitet.”

Franz Beckenbauer (DFB-Ehrenspielführer, zur Bild-Zeitung): “Es war eine vernünftige Entscheidung von Sepp Blatter. Der Druck wurde zu groß. Er wäre nie mehr zur Ruhe gekommen, ob er Schuld an den Skandalen trägt oder nicht. Das Problem der FIFA liegt in seinem System.”

Greg Dyke (Präsident des englischen Fußball-Verbandes FA): “Großartig für den Fußball.” Niederländischer Fußball-Verband KNVB (bei Twitter): “Blatter tritt zurück! Dafür haben wird hart gekämpft.”

Gary Lineker (ehemaliger englischer Nationalspieler, bei Twitter): “Blatter ist zurückgetreten. Ich kann es noch gar nicht glauben.”

Die Reaktionen im Internet:

 

 

Nach Blatter: Wer kommt jetzt?

Van Praag? Platini? Scheich Ahmad Al Fahad Al Sabah? Die Frage nach einem Nachfolger ist noch offen.

 

Champagne: “Müssen FIFA neu strukturieren”

Jerome Champagne, früher selbst FIFA-Funktionär, spricht über Blatters Rücktritt und eine mögliche Kandidatur.

 

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert.