Frankreichs Offensivpower trifft auf ungeschlagenes Marokko

Mit fünf Siegen und 14:2 Toren ist Topfavorit Frankreich bisher durch die Fußball-WM marschiert. Am Donnerstag soll Frankreichs hochkarätige Offensive um Kylian Mbappe auch im brisanten Viertelfinale in Boston gegen Marokko abliefern.

Der Afrika-Meister ist unter dem seit März amtierenden Teamchef Mohamed Ouahbi aber noch ungeschlagen und gegen die „Equipe tricolore“ auf Revanche für die Halbfinal-Niederlage (0:2) vor vier Jahren aus.

Neben dominanten Auftritten bestanden die Franzosen im Achtelfinale gegen ein überhartes Paraguay-Team auch den physischen Test. „Ich denke, dass es für uns wertvoll war, ein solches Spiel zu bestreiten, denn es liefert Antworten darauf, wozu die Spieler angesichts einer solchen Herausforderung fähig sind“, zog Guy Stephan, Teamchef-Assistent von Didier Deschamps, viel Positives aus dem 1:0-Erfolg.

Mit Marokko, regierender Afrika-Meister und WM-Halbfinalist von 2022, wartet nun ein anderes, spielstarkes Kaliber. „Wir sind vor vier Jahren im Halbfinale auf sie getroffen. Sie haben Topspieler. Sie sind nicht hier, um mitzuspielen. Sie sind her, um zu gewinnen. Wir müssen bereit sein“, sagte Deschamps über den Gegner. Der Vize-Weltmeister setzt dem die wohl am besten besetzte Offensive des Turniers entgegen.

Beeindruckende Offensiv-Power

Kylian Mbappe hält bereits bei sieben Treffern und matcht sich mit Lionel Messi (8), Erling Haaland (7) und Harry Kane (6) um die Torjäger-Krone. Daneben stürmen Weltfußballer und Champions-League-Sieger Ousmane Dembélé, dessen Paris-Saint-Germain-Clubkollege Bradley Barcola und Bayern-Dribbler Michael Olise. Deschamps forderte trotz 14 geschossener Tore mehr Effizienz ein. „Wir sind effizient, aber wir könnten in dieser Hinsicht noch besser sein“, betonte er.

Offen ist, ob der gegen Paraguay verletzte Mittelfeldspieler Aurelien Tchouaméni einsatzbereit ist. Marokko bangt um seinen Top-Stürmer Ismael Saibari, der im Achtelfinale mit einer Muskelverletzung ausschied.

Die „Löwen vom Atlas“ waren vor vier Jahren in Katar mit dem erstmaligen Halbfinal-Einzug einer afrikanischen Mannschaft die Sensation des Turniers und wollen vier Jahre vor der Heim-WM weiter Geschichte schreiben. Bewerkstelligen soll das Mohamed Ouahbi. Der 49-Jährige hatte Marokko im Vorjahr zum Titel bei der U20-WM geführt und war erst im März kurzfristig befördert worden. In den zehn Spielen unter Ouahbi und seinem Assistenten, dem beim LASK glücklosen Portugiesen Joao Sacramento, ist Marokko mit sechs Siegen und vier Unentschieden noch ungeschlagen. Ein weiterer Erfolg würde den zweiten Halbfinal-Einzug hintereinander und nächsten Dienstag ein Duell gegen Spanien oder Belgien bringen.

Zwei Herzen in einer Brust

Für Hunderttausende Fußballfans in Frankreich schlagen am Donnerstag zwei Herzen in einer Brust. In Frankreich leben schätzungsweise 2 bis 2,2 Millionen Marokkaner und Menschen mit marokkanischen Wurzeln, knapp hinter den Algeriern sind sie die zweitgrößte Einwanderergruppe.

Einer davon ist der 18-jährige Ayyoub Bouaddi. Der Mathematik-Student überzeugte bisher als Mittelfeldstratege, allerdings im Trikot von Marokko. Bouaddi wollte unbedingt zur WM, doch Deschamps empfand ihn als noch nicht reif genug. Also entschied sich Bouaddi, der die französischen Nachwuchsmannschaften durchlief und zuletzt Kapitän der U21 war, Mitte Mai, also einen Monat vor Turnierbeginn, für das Heimatland seiner Eltern. Ein Verlust für Frankreich, gilt der Teenager von OSC Lille mit einem Marktwert von 50 Millionen Euro doch als eines der ganz großen Talente.

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