Gauff widmet French-Open-Sieg „Menschen, die aussehen wie ich“
Während die Favoritin die windigen Bedingungen ständig monierte, blieb Coco Gauff cool. Die 21-jährige US-Amerikanerin zeigte am Samstag in Paris gegen die Tennis-Weltranglisten-Erste Aryna Sabalenka eine reife Leistung. Gauff holte mit 6:7,6:2,6:4 ihren ersten Titel in Roland Garros und den zweiten auf Grand-Slam-Niveau. Danach widmete die schwarze Nummer 2 der Welt aus dem US-Südstaat Georgia ihren Sieg dem schwarzen Amerika.
Ohne direkte Kritik an US-Präsident Donald Trump auszusprechen, war die Botschaft doch deutlich genug. Es bedeute ihr viel, eine Repräsentantin „für Menschen zu sein, die so aussehen wie ich und die sich in der aktuellen Phase nicht besonders unterstützt fühlen“, sagte Gauff.
Diesen Menschen „ein bisschen Hoffnung und Licht“ zu geben, sei ein gutes Gefühl. „Ich erinnere mich, dass ich mich nach der Wahl im November recht niedergeschlagen fühlte“, erzählt Gauff. Ihre Mutter habe ihr dann während der WTA Finals in Saudi-Arabien gesagt: „Gewinne einfach das Turnier, einfach um den Menschen etwas zu geben, worüber sie lächeln können.“ Was sie prompt auch tat. „Daran habe ich auch heute gedacht, als ich den Pokal hielt und die amerikanische Nationalhymne hörte.“
Sieg gegen Sabalenka: Gauff gewinnt erstmals die French Open
Sabalenka im Frust leicht untergriffig
Gauff hat sich trotz ihres jungen Alters nicht zum ersten Mal auch gesellschaftspolitisch geäußert. Dass sie auch auf dem Platz älter wirkt als sie ist, hatte sie im Finale zuvor bewiesen. Denn die sehr windigen Bedingungen steckte sie nach außen hin stoisch ruhig weg, während die ohnehin recht lautstarke Sabalenka sich immer wieder hadernd zeigte, 70 unerzwungene Fehler beging, und auch noch nach dem Finale weiter jammerte. „Die Bedingungen waren schrecklich und sie ist einfach besser damit umgegangen. Es war das schlechteste Finale, das ich je gespielt habe.“
Während der erste Schmerz verständlich war, kam eine später in der Pressekonferenz getätigte Aussage nicht nur bei Gauff nicht so gut an. Sabalenka glaubt, dass die von ihr im Semifinale bezwungene, vierfache French-Open-Siegerin Iga Swiatek gegen Gauff gewonnen hätte. Weil diese mit den Bedingungen besser umgegangen wäre. Gauff wehrte sich dagegen, zumal sie die Polin vor Kurzem im Madrid-Semifinale 6:1,6:1 geschlagen hatte. „Ich glaube nicht, dass es fair ist, so etwas zu sagen, weil alles passieren kann. Aryna war, so wie sie in den vergangenen Wochen gespielt hat, die stärkste Spielerin und Favoritin.“
Beinarbeit, Backhand und Coolness als Schlüssel
Gauff hat in der Außenwirkung ihrer sechs Jahre älteren Gegnerin etwas voraus. Sie wirkt reflektierter. Allerdings ist die US-Amerikanerin schon seit sechs Jahren ein Star, als sie mit 15 das Wimbledon-Achtelfinale erreicht hat. Gegen Sabalenka hält sie nun eine 6:5-Bilanz bzw. ein 2:0 in Grand-Slam-Finali: Auch 2023 bei den US Open hatte Gauff triumphiert. Mit ihren Adaptionsfähigkeiten, ihrer Beinarbeit und einer großartigen Backhand gewann sie am Samstag. Detail am Rande: In Anlehnung an die dreifache Sprint-Olympiasiegerin Gabrielle Thomas, die Ähnliches getan hatte, schrieb Gauff sechs Mal auf ein kleines Papierstück: „Ich werde die French Open 2025 gewinnen“ und dann „Ich werde French Open Champion 2025 sein“. Diese Mission hat sie erfüllt.
Sabalenka tröstet sich mit Zucker und Alkohol auf Mykonos
Und Sabalenka? Sie löst ihren Frust auf ihre Art: „Ich habe schon einen Flug nach Mykonos gebucht, mit Zucker und Alkohol. Ich brauche einige Tage, um diese verrückte Welt zu vergessen.“ „Tequila, Gummibärchen und ein bisschen Touristin sein“, steht für Sabalenka in den nächsten Tagen auf dem Programm, bevor bald die Rasensaison beginnt.
Man darf gespannt sein, ob die dieses Jahr begonnene Renaissance der US-Amerikanerinnen weitergeht. Denn bei den Australian Open in Melbourne hatte Madison Keys gewonnen. Sie war im Bois de Boulogne im Viertelfinale gescheitert – an Coco Gauff.
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(APA)/Bild: Imago