„Gegner rücken näher“: Spielberg-GP als „Do-or-Die“-Rennen für Red Bull-Konkurrenz
Red Bull fährt heuer ungeschlagen und mit 100 Formel-1-Siegen zum Österreich-Heimspiel nach Spielberg – doch die Verfolger kommen näher. Sind Mercedes, Aston Martin und Ferrari auf dem Red Bull Ring sogar siegfähig? Der angesagte Regen könnte zusätzlich am Status quo rütteln.
„Sollten die Autos gleich schnell sein, dann gibt es immer noch den Max-Faktor. Ihm kann derzeit niemand das Wasser reichen“, verwies Helmut Marko jedoch auf die Dominanz von WM-Leader Max Verstappen.
„Dieser 100. Sieg ist eine angenehme Grundlage, mit dem wir nach Österreich kommen. Natürlich wollen wir in Österreich wieder erfolgreich sein. Aber die Gegner rücken näher“, bekräftigte der Red-Bull-Konsulent im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. „Außerdem gibt es ein Sprintrennen. Das bedeutet eine gewisse Unsicherheit, weil es nur ein Training gibt für die Fahrzeugabstimmung. Dann geht es gleich in die Qualifikationen. Das ist nicht ganz so einfach, aber wir sind trotzdem optimistisch gestimmt.“
Die Unsicherheit verstärkt noch dazu der Regen, mit dem am Freitag, Samstag und – mit geringerer Wahrscheinlichkeit – am Sonntag über dem Aichfeld zu rechnen ist. Schon vor zwei Wochen beim Großen Preis von Kanada sorgten teils heftige Schauer zu Beginn des Wochenendes für Nervenflattern bei den Team-Verantwortlichen und turbulente Szenen im Training und Qualifying.
Bei einem Sprintrennen ist der Ablauf noch mehr zergliedert. Nach der Qualifikation am Freitag (17.00 Uhr) geht es am Samstagmittag mit dem Sprint-Shootout (12.00 Uhr) weiter, der Sprint selbst folgt am Nachmittag (16.30 Uhr). Der Österreich-Grand-Prix findet am Sonntag (15.00 Uhr) statt. Es bleibt nur eine Trainingssession am Freitag (13.30 Uhr/alle Sessions live auf Sky Sport Austria 1) Zeit, um die Autos einzustellen. „Das ist das zweite Sprintrennen der Saison, und die sind immer hektischer und komplexer als ein normales Rennen. Das Wetter sieht auch ein bisschen unberechenbar aus, also wird es auf jeden Fall für ein bisschen Abwechslung sorgen“, sagte Verstappen.
Perez nach drei schwächeren Rennen in Folge unter Druck
Diese Unwägbarkeiten bieten in der Tat das Potenzial für Überraschungen, was nicht zuletzt neutrale Zuschauer freuen dürfte. Die Achillesferse von Red Bull in den vergangenen drei Rennen war die Abhängigkeit von Doppel-Weltmeister Verstappen. Während der Niederländer vier Siege in Folge feierte, versemmelte Teamkollege Sergio Perez drei Qualifyings und musste in den Rennen das Feld von hinten aufrollen. Er verpasste dreimal in Folge das Podium und riss 69 Punkte Rückstand auf Verstappen auf. Aston-Martin-Routinier Fernando Alonso liegt in der WM-Wertung nur noch neun Punkte hinter dem Mexikaner. Auf die Frage, ob er Perez in der Weltmeisterschaft besiegen könne, meinte er lapidar: „Ja.“
Perez hat immerhin vor Monaten den ersten Sprint der Saison in Baku für sich entscheiden. „Ich möchte das Gleiche noch einmal erreichen, aber ich weiß, dass ich mich dafür steigern muss“, sagte der 33-Jährige. „‚Checo‘ muss sich fangen und sowohl Qualifyings und entsprechende Rennen abliefern, damit er mal seinen zweiten Platz absichert. Das ist der Fokus“, betonte Marko.
Perez steht noch für zwei Jahre unter Vertrag, aber dennoch unter Druck. Die Siegchance von Red Bull würde sich nach aktueller Ausgangslage stark verringern, sollte Verstappen einmal ein mechanisches oder sonstiges Problem haben. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Aston Martin, Mercedes und Ferrari mit ihren Upgrade-Paketen Fortschritte gelangen.
„Ich denke, dass wir langsam vorankommen“, lautete die Einschätzung von Mercedes-Star Lewis Hamilton. „Max war noch ein bisschen weit weg, aber wir gehen in die richtige Richtung.“ Mercedes-Boss Toto Wolff meinte vor seinem Heimrennen: „Wir wollen auf dem Schwung aufbauen, den wir in den vergangenen beiden Rennen aufgenommen haben, und unsere positive Entwicklung mit dem Auto fortsetzen. Auf dieser Strecke sollte der W14 besser funktionieren als in Kanada, aber wir werden nichts als selbstverständlich ansehen.“
Keine Mateschitz-Kurve
Verstappen ist in Spielberg mit vier Siegen Rekordgewinner, darunter fiel ein Erfolg beim Großen Preis der Steiermark während der Doppelveranstaltungen in der Corona-Zeit. Der 36. Österreich-Grand-Prix in der Formel-1-WM ist auch das erste Rennen auf dem Red Bull Ring nach dem Tod des langjährigen Firmenchefs Dietrich Mateschitz, der im Vorjahr gestorben ist.
„Er wäre unglaublich stolz, weil wir so eine Serie, so einen Erfolgslauf noch nie gehabt haben“, sagte Marko. „Aber das Leben geht weiter. Wir arbeiten mit Hochdruck und voller Energie, das ist in seinem Sinne. Da können wir sicher sein, dass er voll zufrieden wäre.“ Eine Kurve soll nach dem Red-Bull-Gründer laut Marko übrigens nicht benannt werden: „Das wäre nicht in seinem Sinn.“
(APA)/Bild: GEPA
