Glück und Wehmut prägen Real-Nacht in London
Zum sechsten Mal in den vergangenen elf Jahren heißt der Champions-League-Sieger Real Madrid. Die Madrilenen verkörpern somit im besten Sinne das, was man im Sport eine Dynastie nennt. Besonders am 2:0-Sieg im Finale am Samstag gegen Borussia Dortmund war, dass dieser als perfekte Co-Produktion zweier Generationen zustande kam. In den Freudentaumel um die „Decimoquinta“, den 15. Titel der „Königlichen“ in der europäischen Fußball-Königsklasse, mischte sich aber auch Wehmut.
Dass Trainer Carlo Ancelotti wieder einmal die perfekte Mischung gefunden hat, zeigt sich allein schon an den Einträgen in die Torschützenliste: Das 1:0 von Dani Carvajal (32 Jahre) servierte per Eckball Toni Kroos (35) – in seinem letzten Spiel für Real Madrid. Der deutsche „Querpass-Toni“ spielte seit 2014 für den spanischen Rekordmeister und gewann in dieser Zeit fünf Champions-League-Titel. Carvajal war wie Luka Modric (38) und Nacho (34) sogar schon 2013/14 im Team. Dieses Trio hat nun wie Real-Urgestein Paco Gento in den 1950er und 60er Jahren sechs Europacup-Titel mit dem Club gewonnen. „Es ist unfassbar und nicht in Wort zu fassen“, sagte Kapitän Nacho.
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„Mann, das schmeckt besonders gut. In einem Champions-League-Finale ein Tor zu schießen, ist unglaublich“, sagte Carvajal, der Gento „eine Legende dieses Clubs“ nannte. Er empfinde „Glück, absolutes Glück“, erklärte der Rechtsverteidiger. „Ich denke, es ist ein wunderbarer Tag auf einer persönlichen Ebene.“ Er habe dem Trainer in der Pause auch taktische Änderungen vorgeschlagen, „weil es (Julian) Brandt und (Marcel) Sabitzer im Mittelfeld leicht gefallen ist, Lücken bei uns zu finden“, wie er meinte. „In der zweiten Hälfte haben wir das korrigiert, und ich glaube, wir haben viel weniger gelitten.“
„Carlo der Fünfte, Kaiser von Europa“: Die Pressestimmen zum Champions-League-Finale
Das 2:0 erzielte in der 83. Minute Vinícius Júnior (23), der mit Jude Bellingham (20) und Rodrygo (23) unter anderen Talenten die neue Generation verkörpert. „Vini“ ist nun der erste Brasilianer, der in zwei Champions-League-Endspielen getroffen hat. Diese (noch) junge Garde muss in Zukunft alleine dafür sorgen, dass Real seiner Champions-League-Erfolgsstory neue Kapitel hinzufügt. Kroos hat bereits seinen Abschied vollzogen, Nacho und Modric werden früher oder später folgen.
„Es ist eine traurige Angelegenheit“, gab Carvajal offen zu. „Aber ich denke auch, dass sich mit dem 15. Titel ein perfekter Kreis schließt. Ein Kreis, in dem Toni eine Schlüsselrolle für uns gespielt hat.“ Ancelotti meinte: „Er hätte nicht besser aufhören können. Er geht auf dem höchsten Niveau.“ Kroos sei „eine Legende in diesem Club“. Daher stünden die Türen für den Mittelfeldspieler auch immer offen, falls er es sich anders überlegen würde. „Wir warten auf ihn. Wenn er seine Meinung ändert, ist er immer willkommen“, sagte der Italiener, der als erster Trainer fünf Champions-League-Titel gewonnen hat.
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Wahrscheinlicher aber ist, dass Ancelotti und sein Team Kroos ersetzen müssen. Das bereitet dem „Mister“ aber nicht so viel Kopfzerbrechen. „Wir müssen uns an die Spieler anpassen, die wir haben, und versuchen, ihre Qualitäten zu maximieren, wie wir es immer getan haben“, sagte er auf der Pressekonferenz am späten Abend in London und verwies auf Verletzungen wichtiger Akteure. Betroffen war davon auch David Alaba mit seinem Kreuzbandriss. Ancelotti: „In dieser Saison hatten wir eine Menge Probleme, wir haben gute Spieler verloren. Wir haben das mit kollektiven Opfern gelöst.“ Mit Kroos verliere man zwar einen sehr wichtigen Spieler. „Aber wir werden ihn ersetzen, auf eine andere Art und Weise.“
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HIGHLIGHTS | Borussia Dortmund – Real Madrid | Finale
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(APA/Red.)/Bild: GEPA
