Graz99ers wollen an Erfolgssaison anschließen
Mit geringerem Budget und ohne einige Garanten des historischen Erfolgs, aber unverändert hohen Ambitionen starten die Graz99ers ihre Titelverteidigung in der ICE-Eishockeyliga.
Nach dem ersten Meistertitel der Clubgeschichte geht es für die Steirer am Freitag in Bruneck mit der Neuauflage des Finales gegen HC Pustertal los. Die Vorfreude auf den Saisonstart wurde allerdings durch die Entlassung von Kilian Zündel nach einem Verstoß gegen die Anti-Doping-Regularien getrübt.
Dem ÖEHV-Teamverteidiger droht eine zweijährige Sperre, der Club reagierte mit sofortiger Trennung. Es ist eine weitere Herausforderung für die 99ers, die neben dem Abgang von Teamstürmer und Playoff-MVP Lukas Haudum vor allem in der Abwehr hochkarätige Abgänge zu verkraften haben. Kapitän Korbinian Holzer beendete seine Karriere, Topverteidiger Nick Bailen wechselte zu den Vienna Caps, der starke Finne Kasper Kotkansalo kehrte in seine Heimat zurück. Bekanntester Neuer in der Defensive ist Teamspieler David Maier, der mit seinen 26 Jahren auch Teil der Verjüngung ist.
Hochkarätige Abgänge in der Defensive
„Die Verteidigung, das ist eine Herausforderung“, meinte daher Trainer Dan Lacroix im APA-Gespräch. „Aber ich betrachte es als Möglichkeit für junge, hungrige Spieler. Mir gefallen einige unserer jungen Spieler, die an die Tür klopfen“, ergänzte er. Der 57-jährige Kanadier hat die Grazer Mannschaft Mitte November übernommen und zum historischen Erfolg geführt. Nun gilt es, mit dem umgebauten Team wieder eine „soziale Chemie“ zu finden.
Seine Mannschaft hat schon schwere Spiele in den Beinen. In der Champions Hockey League gab es in den vier Spielen gegen hochkarätige Gegner keinen Punktgewinn, auch aufgrund der Ausfälle von Spielern wie Kevin Roy, Kevin Conley oder Tim Harnisch. Die Spiele brachten aber auch positive Erkenntnisse. „Wir haben gesehen, dass wir mit den Besten mitspielen können. Das 60 Minuten zu schaffen, ist eine andere Geschichte. Konstanz ist der Schlüssel“, meinte Lacroix.
Budget kleiner
Und auch Geduld wird gefragt sein. „Wir wissen, dass wir budgetär ein wenig kleinere Brötchen backen. Es ist eine gesunde Herabsenkung des Gehaltsschemas, die notwendig war. Aber wir sind budgetär im oberen Drittel unterwegs, das ist sehr okay“, sagte Sportdirektor Philipp Pinter. „Uns sind einige tolle Spieler abhanden gekommen und wir haben sie durch jüngere ersetzt. Aber ich bin zuversichtlich, dass sie große Schritte machen können. Ich bin happy mit der Entwicklung. Natürlich ist man immer ein bisschen ungeduldig, kann es nie schnell genug gehen.“
Schnell ist die Entwicklung des Clubs in den zwei Jahren seit der Übernahme der Präsidentschaft durch Herbert Jerich gegangen – „mit der Krönung mit dem Titel, was wir uns nicht so schnell erträumen konnten. Ich bin sehr stolz, wie sich die Organisation und die Mannschaft über die letzten zwei Jahre entwickelt hat. Dementsprechend wollen wir weiter in diese Richtung pushen“, sagte Pinter. Und man will wieder „um den Titel mitfighten. Sind wir Favorit? Ich glaube nicht. Sind wir vorne dabei? Das traue ich mir zu sagen, das ist unser Anspruch. Dass wir gutes, cooles, attraktives Hockey spielen.“
Das ist auch das Ziel von Manuel Ganahl. „Wir haben gesehen, wieviel Spaß es macht vor einer vollen Halle, so ein Eishockey zu spielen und zu gewinnen“, meinte der Routinier. Das zu bestätigen, wäre aber „noch mehr Arbeit. Wenn man so gut gespielt hat, ist die Erinnerung in den Köpfen, trotzdem steht man nach dem Sommer wieder am Anfang. Man muss erst wieder dahin kommen, wo wir waren. Die jungen Spieler brauchen mehr Zeit und Geduld, aber man sieht eine klare Entwicklung bei ihnen. Da sind wir gut unterwegs“, betonte Ganahl.
