TOPSHOT - Barcelona's Argentinian forward Lionel Messi reacts during the UEFA Champions League quarter-final football match between Barcelona and Bayern Munich at the Luz stadium in Lisbon on August 14, 2020. (Photo by Manu Fernandez / POOL / AFP) (Photo by MANU FERNANDEZ/POOL/AFP via Getty Images)

Großer Umbruch! Findet Barca in die Spur zurück?

via Sky Sport Austria

Der FC Barcelona steht nach der deutlichen Klatsche in der Königsklasse gegen den FC Bayern vor einem Scherbenhaufen. Hoffnung auf den schnellen Turnaround macht jedoch ausgerechnet der Gegner. Sky Sport stellt vor, wie es bei Barca weitergehen könnte.

Zwei zu acht! Es war eine historische Niederlage für den stolzen FC Barcelona im Viertelfinale der Champions League gegen den FC Bayern. Eine richtige Abreibung, die den Verein in seinen Grundfesten erschüttert hat und seitdem bereits den Trainer und den Sportdirektor den Job gekostet hat. Auch einige Stars werden den Klub verlassen müssen, obwohl die Zahlen des Vereins, der sich dem Credo verschrieben hat, “Mes que un club” – also “Mehr als ein Klub” zu sein, sich prinzipiell gar nicht so schlecht lesen.

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Drei Klatschen in drei Jahren

Barcelona ist in der Champions League schließlich seit unglaublichen 35 Partien im heimischen Camp Nou ungeschlagen. Einsamer Rekord. Auch sonst verlassen die Katalanen den Rasen in der Königsklasse nur selten als Verlierer. In den vergangenen drei Spielzeiten war dies in 31 Spielen nur dreimal der Fall. Alle drei Niederlagen waren allerdings absolute Klatschen, die so gar nicht zum Selbstverständnis des Vereins passen.

Die erste Packung im Viertelfinale der Saison 2017/18 beim 0:3 bei der AS Rom wurde noch als Betriebsunfall abgetan. Schließlich hatte Barca das Hinspiel zuvor noch mit 4:1 gewonnen. Doch ein Jahr später wiederholte sich die Geschichte, als die Spanier im Halbfinale der Spielzeit 2018/19 beim FC Liverpool mit 0:4 baden gingen und einen 3:0-Erfolg aus dem Camp Nou erneut noch aus der Hand gaben.

Die Kritik wurde lauter, aber personelle Konsequenzen blieben zunächst aus. Die Mannschaft um Superstar Lionel Messi wurde zusammengehalten und sollte mit einigen Verstärkungen diese Saison endlich wieder den begehrten Henkelpott in die spanische Metropole holen. Doch dieses Vorhaben endete auf brutalste Art und Weise, als sich Barca gegen den FC Bayern bis auf die Knochen blamierte.

Horrende Transferpolitik

Von “Mes que Club” blieb da nicht viel übrig. Die Missstände einer jahrelangen katastrophalen Transferpolitik wurden erbarmungslos aufgezeigt. Der völlig überaltete Kader und die ängstliche Taktik des mittlerweile geschassten Trainers Quique Setien wurden der Weltöffentlichkeit präsentiert. Schnell war klar, dass große Veränderungen folgen würden, denn ein “Weiter so” konnte es nicht geben. “Manch verdienter Spieler muss gehen, andere werden kommen”, erklärte der höchst umstrittene Präsident Josep Maria Bartomeu direkt nach der Blamage.

Das Problem? Durch jahrelange Misswirtschaft sind die Kassen in Barcelona fast komplett leer. Zur Erinnerung: 2014 holte Andoni Zubizarreta in seiner letzten Transferperiode als Barca-Sportdirektor unter anderem Marc-Andre ter Stegen, Ivan Rakitic und Luis Suarez. Ein Jahr später gewannen sie zum letzten Mal die Champions League.

Seitdem gaben Zubizarretas Nachfolger Roberto Fernandez und Eric Abidal weit über eine Milliarde Euro für folgende Spieler aus: Arda Turan, Aleix Vidal, Andre Gomes, Paco Alcacer, Samuel Umtiti, Lucas Digne, Jasper Cillessen, Denis Suarez, Marlon, Yerry Mina, Gerard Deulofeu, Nelson Semedo, Paulinho, Ousmane Dembele, Philippe Coutinho, Jean-Clair Todibo, Kevin-Prince Boateng, Jeison Murillo, Arturo Vidal, Arthur, Clement Lenglet, Malcom, Antoine Griezmann, Frenkie De Jong, Neto, Junior Firpo, Emerson und Martin Braithwaite.

Koeman soll Glanz zurückbringen

Natürlich, einige dieser Profis waren nur als Ergänzungsspieler eingeplant, andere hatten mit enormen Verletzungssorgen zu kämpfen und bei de Jong und Griezmann kann man nach einer Saison noch nicht endgültig urteilen. Dennoch kann man argumentieren, dass Barca für all das bezahlte Geld bisher nicht einen einzigen Volltreffer landen konnte.

Und dennoch sieht die Zukunft in Barcelona nicht so düster aus, wie man vielleicht meinen könnte. Als neuer Coach konnte Ronald Koeman vom niederländischen Verband weggelockt werden. Er soll den Glanz vergangener Tage möglichst schnell zurückbringen. Hoffnung, dass dies schnell gelingt, macht dabei ausgerechnet der Gegner.

Vor etwas mehr als zwölf Monaten mussten die Bayern im Champions-League-Achtelfinale gegen den FC Liverpool chancenlos die Segel streichen und deklassierten zuletzt die internationale Konkurrenz beinahe nach Belieben, auch wenn vermeintliche Top-Neuzugänge wie Lucas Hernandez oder der aus Barcelona ausgeliehene Coutinho daran nur einen geringen Anteil hatten.

FC Bayern als Vorbild

Vielmehr haben die Münchner unter ihrem neuen Trainer Hansi Flick zu ihren ureigenen Tugenden zurückgefunden und gewannen mit teils begeisterndem Offensivfußball verdient das Triple. Mia san mia eben. Für Koeman wird es nun darum gehen, schnell eine Mannschaft zu bauen, die seine Idee von Fußball ähnlich gut umsetzen kann, wie dies Flick in München gelang. Als Bondscoach setzte er fast ausschließlich auf ein 4-3-3-System. Also eine Formation, die auch in Barcelona dank Johan Cruyff eine große Tradition hat und die auch die Spieler des aktuellen Kaders aus dem Effeff beherrschen.

Doch auf welche Akteure baut Koeman? Seine ersten Tage lassen vermuten, dass einige der sogenannten “heiligen Kühe Barcelonas” wie Busquets oder Suarez keine oder zumindest nur eine untergeordnete Zukunft haben werden beim zweifachen Triple-Gewinner.

Lionel Messi zählt nicht dazu. Koeman wurde auf seiner Antritts-Pressekonferenz nicht müde zu betonen, welche herausragende Qualitäten der Argentinier besitzt und stellte klar, dass er eine Mannschaft um den sechsfachen Weltfußballer bauen will: “Ich muss sicherstellen, dass Messi gut in der Mannschaft funktioniert. Er ist der Kapitän. Er muss seine Karriere hier beenden. Messi ist Barcelona und Barcelona ist Messi”, so der 57-Jährige, der sich auch bereits mit dem Superstar getroffen hat.

Muskelfaserriss bei Bayern-Verteidiger Boateng

 

Was will Messi?

Dort soll Messi jedoch klar gemacht haben, dass er mehr zu einem Wechsel als zu einem Verbleib tendiere. Ein Wechsel in diesem Sommer ist dennoch unwahrscheinlich, denn neben einer astronomischen Ablöse müsste der neue Klub auch das irrwitzige Gehalt von über 100 Millionen Euro pro Saison stemmen.

Eine Summe, die in Zeiten von Corona und Financial Fairplay auch Schwergewichte wie Manchester City oder Paris St. Germain abschrecken dürfte. ESPN berichtet, dass die Citizens aktuell zwar ihre Finanzen prüfen, ob eine Verpflichtung des argentinischen Superstars realistisch wäre, aber dies nur dann der Fall sei, falls Barca den Engländern bei der Ablöse erheblich entgegenkommt. Dafür gibt es allerdings bisher wenig bis gar keine Indizien, so dass es wahrscheinlich ist, dass Messi kommende Saison noch bei Blaugrana spielt.

Anders sieht die Lage bei seinem guten Kumpel Suarez aus. Der “Uru” soll Barca verlassen, denn im Sturmzentrum plant Koeman mit Antoine Griezmann, wie er selbst betonte: “Bei allem Respekt, aber er ist kein traditioneller Flügelspieler, also muss man ihn auf seiner besten Position einsetzen, in einer Rolle, die zu ihm passt und in der er seine Fähigkeiten zur Geltung bringen kann”, sagte der Coach in einem Interview mit dem niederländischen Portal NOS über den Franzosen, der in seiner ersten Saison in Barcelona noch nicht überzeugen konnte: “Man muss als Trainer Spieler gut kennen und das Maximum aus ihnen herauskitzeln. Das beginnt damit, dass man sie auf der richtigen Position einsetzt.”

Gespräch mit Koeman: Messi lässt Zukunft weiter offen

Kein Platz mehr für Suarez

Für Suarez ist somit kein Platz mehr und laut Medienberichten soll der Vertrag aufgelöst werden, falls sich kein Abnehmer findet. Zuletzt soll Ajax an einer Rückkehr interessiert gewesen sein sein.

Um den dritten Platz in der vorderen Dreierreihe streiten sich einige Spieler, die das mitbringen, was gegen die Bayern völlig fehlte: Geschwindigkeit. Bei Ousmane Dembele hoffen die Barca-Bosse, dass der ehemalige Dortmunder doch noch durchstartet. Alternativ steht das große Versprechen in die Zukunft parat: Ansu Fati. Der Youngster ist DER Hoffnungsträger und soll eine neue Ära nach Messi prägen, aber dürfte zumindest in der kommenden Spielzeit noch kein uneingeschränkter Stammspieler sein.

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Und dann ist da noch Neuzugang Trincao, der eine starke Saison bei Braga spielte und mit seinem starken linken Fuß für mächtig Aufmerksamkeit sorgte. Keine Rolle spielt Not-Kauf Martin Braithwaite, der wahrscheinlich nach England wechseln dürfte. Der Angriff kann sich aber auch ohne den Dänen sicherlich sehen lassen, war gegen die Bayern aber auch das geringste Problem.

Weit mehr drückt der Schuh im Mittelfeld, wo Arturo Vidal, Busquets & Co. zu oft hinterherrennen mussten. Abhilfe soll hier ein Neuzugang und eine weitere Positionsveränderung schaffen. Neben Griezmann spielte nämlich laut Koeman auch der zweite namhafte Neuzugang der vergangenen Saison nicht auf seiner besten Position. Frenkie de Jong soll unter dem neuen Trainer nun die zentrale Rolle im Dreier-Mittelfeld einnehmen, und nicht mehr halbrechts oder halblinks agieren müssen.

De Jong soll auf Busquets-Position

“Es ist geplant, ihn auf der Position spielen zu lassen, auf der er auch in der Nationalmannschaft spielt. Ich erinnere mich an den Besuch eines Spiels in Barcelona, ich sah ihn auf einer Position spielen, auf der ich ihn nicht als Trainer einsetzen würde”, so Koeman. Und weiter: “Man hat viel Geld für einen jungen Spieler ausgegeben, dann sollte man ihn auch auf seiner Lieblingsposition spielen lassen.”

Schlechte Aussichten also für Busquets, der genau dort seit mehr als einem Jahrzehnt gesetzt war. Doch gegen die Bayern wirkte er schwerfällig, ja fast schon aus der Zeit gefallen. Mit dieser Leistung sorgte er auch endgültig dafür, dass die Bosse gesprächsbereit sind, wenn ein Interessent seinen Hut den Raum wirft. Das Problem ist allerdings das hohe Gehalt und die für einen 32-Jährigen noch lange Vertragslaufzeit bis Juni 2023. Auch Rakitic und Vidal sollen abgegeben werden, um Kosten zu sparen. Unklar ist noch, ob Coutinho eine Zukunft bei seinem Traumverein hat – auch hier schreckt das gewaltige Gehalt mögliche Interessenten ab.

Klar ist die Zukunft dagegen bei Neuzugang Miralem Pjanic, denn der 30-Jährige dürfte im Barca-Mittelfeld gesetzt sein. Der Wechsel des Bosniers von Juventus ist an sich eine weitere Bankrotterklärung in der horrenden Transferpolitik der Katalanen, weil für den Edeltechniker mit Arthur ein deutlich jüngerer und vielversprechender Akteur abgegeben wurde. Andererseits sind Pjanics Qualitäten unbestritten und zumindest kurzfristig wird er dem Mittelfeld eine neue Note verleihen.

Großer Bedarf in der Defensive

Das Dreier-Mittelfeld komplettieren könnte mit Riqui Puig ein Eigengewächs. Der Youngster gehörte in der abgelaufenen Spielzeit zu den wenigen positiven Überraschungen und trägt die Barca-DNA in sich. Diese allein wird jedoch nicht reichen, um auch in den kommenden Jahren international wettbewerbsfähig zu sein. Vor allem in der Defensive benötigen die Katalanen frische Qualität. Pique hat seit seinen Zenit genauso überschritten wie Linksverteidiger Jordi Alba. Beide wurden explizit nicht von Bartomeu erwähnt, als er Akteure aufzählte, mit denen Barca plant.

Überraschenderweise fiel dort jedoch der Name Lenglet, obwohl der Franzose nicht erst gegen die Bayern als Sicherheitsrisiko in Erscheinung trat und bisher nicht nachweisen konnte, dass er die Qualitäten besitzt, um in einem Luxuskader wie dem des FC Barcelona Ansprüche zu stellen. Rechtsverteidiger Semedo erwischte gegen die Münchner ebenfalls einen rabenschwarzen Tag, zeigte im restlichen Verlauf der Saison aber zumindest meist ordentliche bis gute Leistungen und soll Teil der Zukunft von Barca sein. Als Backup steht Sergi Roberto parat.

Links sollen die Katalanen angeblich die Fühler nach Angelino von Manchester City ausgestreckt haben, um Alba mehr Dampf zu machen, als dies bisher Junior Firpo gelingt. Der Spanier überzeugte während seiner Leihe bei RB Leipzig und könnte seinen Landsmann mittelfristig ablösen. In der Innenverteidigung ist offenbar der Ex-Freiburger Caglar Söyüncü der erklärte Wunschspieler, nachdem er sich bei Leiceister City zu einem Abwehrmann internationalen Formats entwickelt hat.

Drei neue Abwehrspieler?

Günstig wird der Türke jedoch nicht, so dass Barca auch auf Verkäufe angewiesen ist. Die Interessenten für Pique stehen nicht gerade Schlange, aber für Weltmeister Samuel Umtiti gibt es immer wieder Anragen aus der Premier League. Der Verteidiger verkörperte 2018 noch absolute Weltklasse, wurde zuletzt aber immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen. Ein Verkauf ist durchaus wahrscheinlich.

Neben Söyüncü soll nämlich noch ein weiterer Innenverteidiger aus der Premier League den Weg nach Spanien finden. Eric Garcia von Manchester City will seinen 2021 auslaufenden Vertrag nicht verlängern und zurück nach Barcelona. Der junge Spanier wurde in der legendären Jugendakademie La Masia ausgebildet, wechselte aber 2017 zum Nachwuchs der Citizens. Nun soll Garcia mit Pique einen Akteur ersetzen, der einst einen ähnlichen Weg ging – der gebürtige Katalane wechselte 2008 für kleines Geld von Manchester United zurück zu Barca.

Barca 2020/21 – so könnte der FC Barcelona spielen

© Sky

Keine Diskussionen gibt es dagegen in der Torwartfrage. Trotz eines unglücklichen Auftritts in Lissabon gegen den deutschen Rekordmeister ist ter Stegen zwischen den Pfosten gesetzt und soll so schnell wie möglich seinen Vertrag verlängern.

Auch der deutsche Nationaltorhüter wird aber genau verfolgen, wie das Team vor ihm aussehen soll, ehe er tatsächlich seine Unterschrift unter dem neuen Arbeitspapier leistet. Auf ein weiteres zwei zu acht hat schließlich auch ter Stegen keine Lust.

(Robert Gherda über SkySportDE)

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Beitragsbild: Getty