Güssing-Spieler Klepeisz: „Die Mannschaft steht zu 100% hinter den Knights“
- Stjepan Stazic: „Ich schätze den österreichischen Basketball immer mehr“
- Bernd Volcic: „Es gibt keinen Grund, warum Österreich nicht bei der EM dabei sein sollte“
- Stefan Weissenböck: „Nationalcoach Kemzura weiß ganz genau wovon er spricht“
Im zweiten ABL-Talk der Saison diskutierten die GästeThomas Klepeisz, Stjepan Stazic, Bernd Volcic und Stefan Weissenböck über die finanzielle Situation der Güssing Knights, die österreichischen Legionäre sowie das Nationalteam. Alle Stimmen zum ABL-Talk bei Sky Sport Austria.
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…über die finanzielle Situation bei Güssing: „Wir haben uns als Mannschaft zusammengesetzt und über etwaige Schritte nachgedacht, die zu setzen sind, falls die Verträge nicht eingehalten werden. Reinhard Koch hat uns allen gesagt, dass die nächsten Zahlungen möglicherweise schwierig werden, falls die Sponsorenverträge nicht eingehalten werden und er hat es den Legionären auch freigestellt, dass sie sich umsehen können. Zurzeit ist der Stand der Dinge, dass die Spieler zur Mannschaft halten, sie sehen sich nach Alternativen um, aber so lange sie keine alternativen Angebote haben werden sie für Güssing 100% geben. Es ist nicht leicht, wenn Verträge nicht eingehalten werden muss jeder seine eigene Entscheidung treffen, aber die sind bisher durchweg positiv ausgefallen und wir stehen zu 100% hinter den Knights. Ich habe bisher noch nicht daran gedacht den Verein zu verlassen. Seit dem Lizenzierungsverfahren und dem nachträglichen Punkteabzug haben wir uns als Spieler zusammengesetzt, 100% gegeben und wenn die Verträge eingehalten werden, dann kann es trotz allem eine erfolgreiche Saison werden.“
…über die Zukunft von Trainer Zollner: „Wir haben gemeinsam viel erreicht und wollen auch gemeinsam in dieser Saison weitere Schritte setzen für Güssing. Die Mannschaft hält zum Trainer und der Trainer hält auch zur Mannschaft.“
…über die Stimmung in der Mannschaft: „Wir haben uns zusammengesetzt und beschlossen, dass wir uns auf das konzentrieren, was in unserem Machtbereich liegt: das ist Basketball spielen und trainieren. Wir haben sehr viel Arbeit und Zeit investiert und deswegen läuft die Saison bisher so gut.“
…über seine persönliche Zukunft: „Ein Wechsel ins Ausland wäre sicher ein interessanter und wichtiger Schritt in meiner Karriere, früher oder später will ich mich dieser Aufgabe stellen. Es ist sinnvoll den Schritt bald zu machen, weil es vielleicht der nächste Schritt in meiner Entwicklung sein wird.“
…über die Zukunft der Güssinger Legionäre: „Ihre Zukunft hängt natürlich auch von den Angeboten ab, die ihre Agenten jetzt an Land ziehen werden. Wenn die Angebote gut ausschauen, dann wird es ganz schwer sie davon zu überzeugen in Güssing zu bleiben, wo sie ja auch ein gewisses Risiko eingehen. Und das Ende der Transferzeit macht es auch nicht leichter. Aber wie Reinhard Koch es schon gesagt hat: er wird niemandem böse sein, der aufgrund des Risikos eine andere Alternative wählt. Aber so lange sie da sind, sind sie zu 100% für die Mannschaft da und sobald man auf aufs Feld geht vergisst man alles drumherum und konzentriert sich auf den wunderschönen Sport und den Wettkampf.“
…über Thomas Schreiner: „Seine Auslandskarriere ist sehr beachtlich, ich bin sehr beeindruckt, wie es ihm in Spanien geht und eigentlich muss er mein Vorbild sein, weil er auch etwas später in seiner Karriere den Schritt gewagt hat. Dann hat er genau die richtige Situation vorgefunden in Andorra, hat den Aufstieg mit dem Klub geschafft und spielt jetzt in der ersten spanischen Liga, die als zweitbeste Liga der Welt angesehen wird. Er verwirklicht seinen Traum und so etwas ähnliches möchte ich auch einmal erreichen.“
…über Jakob Pöltl: „Es ist beeindruckend, wie er sich immer weiterentwickelt hat, wenn er einen Schritt auf das nächste Level gewagt hat und wie er die Herausforderungen angenommen hat. Er hat sofort eingeschlagen, als er aus der zweiten Liga in die ABL gekommen ist, der nächste Schritt aufs College war wieder eine Herausforderung, die er großartig gemeistert hat. Ich hoffe, dass er seine Schritte weiterhin so gut setzt und weiter die Herausforderungen so bewältigt.“
…über den neuen Nationalcoach Kemzura: „Ich bin sehr beeindruckt und denke, dass es eine großartige Aktion des ÖBV war diesen Mann zu verpflichten. Er hat ein unglaubliches Resümee mit EM- und WM- Teilnahmen, er war Nationaltrainer von Litauen, das ist ein Basketballriese und genau dort wollen wir hin und das ist genau der richtige Schritt.“
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…über seinen frühen Wechsel ins Ausland: „Damals gab es nicht die Möglichkeit einen Spieler wie mich in Österreich zu halten, mein Wechsel war auch der Wunsch des Vereins, um eine Ablöse zu bekommen, obwohl es vielleicht mein Wunsch gewesen wäre noch in Österreich zu bleiben. Das Ausland ist wunderschön, aber ich schätze den österreichischen Basketball immer mehr, weil man nirgendwo anders so geliebt und gehasst wird wie in dieser Liga. Für mich war es ein riesiger Nachteil, dass ich aus Österreich kam. Wir wurden damals überhaupt nicht in irgendeiner Form anerkannt und das basketballerische Wissen aus St. Pölten zu übertragen war unmöglich. Die jungen Leute von heute haben bessere Möglichkeiten, weil sie bessere Trainer haben, die sie auf eine internationale Spielweise vorbereiten können.“
…über seine Karriere im Ausland: „Das waren tolle Erfahrungen. Der größte sportliche Erfolg war in der ersten Saison mit Treviso im Final Four dabei gewesen zu sein, dann waren die drei Titel in einer Saison mit Limoges schon eine sehr große Sache, auch wenn wir große Probleme hatten, ähnlich wie Güssing in diesem Jahr. Aber der größte Erfolg meiner Karriere bleibt der Titel mit dem BC Vienna, weil ich die Erfahrung mit meinem Bruder und den Leuten, die sich für den Verein geopfert haben, erreicht habe, mit den Emotionen kann nichts mithalten. Überall sonst war ich nur ein bezahlter Profi, ich hatte keine Ahnung, wie viel Arbeit notwendig ist, damit alles funktioniert. Deswegen war der Titel mit BC Vienna etwas ganz Besonderes für mich.“
…über die Nationalmannschaft: „Es wird immer besser, der Kader wird immer breiter, es kommen immer neue Spieler. Unabhängig davon, ob er dieses Jahr für die Nationalmannschaft spielt macht Jakob Pöltl etwas viel wichtigeres für den österreichischen Basketball, wenn er dann endlich als erster Österreicher in der NBA spielt. Das wird ein neuer Schritt sein und den kommenden Generationen den Schritt ins Ausland erleichtern. Das wird langfristig auch die Nationalmannschaft stärken, weil es den jungen Leuten hilft einen neuen Traum aufzubauen, auch die NBA ist möglich.“
…über die Titelchancen des BC Vienna: „Ich traue uns absolut den Titel zu. Wir halten uns das ganze Jahr schon ganz gut, trotz der unmenschlichen Kadersituation, weil wir das ganze Jahr eigentlich schon zu fünft spielen wegen Ausfällen. Im Finale vom Cup war die Regenerationszeit einfach zu kurz, am zweiten Tag ist nicht mehr die Power da gewesen um Oberwart zu schlagen. In der Meisterschaft schaut es anders aus, da gibt es zumindest einen Tag dazwischen und das macht schon sehr viel aus.“
…über die Kaderplanung des BC Vienna: „Wir brauchen auf jeden Fall noch einen Center, der uns schon seit Anfang der Saison fehlt. Ansonsten brauchen wir nicht übertreiben, diese Saison sind wir derweil relativ erfolgreich. Wenn wir uns verstärken, dann haben wir sicher gute Chancen bis zum Ende zu gehen. Letztes Jahr waren wir im Finale, die Möglichkeiten waren nicht da uns so zu verstärken, wie wir das wollten. Vielleicht weil wir realistisch waren, was das Budget angeht, aber unter anderen Umständen hätten wir vielleicht letztes Jahr auch gewonnen.“
(Sky Experte):
…über die finanzielle Situation bei Güssing: „Wenn sie mit dem jetzigen Kader und Trainer weiterspielen, dann werden sie ziemlich sicher Meister. Die Legionäre stehen jetzt vor einer schwierigen Aufgabe, einerseits müssen sie sich empfehlen für andere Teams, andererseits bekommen sie ihr Gehalt nicht oder zu spät. Das ist eine schwierige Situation, auch für die Spieler sehr unangenehm und ich möchte nicht in der Haut der Spieler stecken.“
…über die Zukunft von Klepeisz: „Er hat sich jetzt in der Liga etabliert, er hat im Verein und in der Nationalmannschaft bewiesen, dass er auch auf etwas höherem Niveau spielen kann. Um sich weiterzuentwickeln bräuchte er diese Wettkampf- und Trainingsbedingungen regelmäßig, was in Güssing nicht gegeben ist, weil sie jetzt so dominant waren. Dafür muss er Talent mitbringen, das er hat, Willenskraft und Motivation und er wird lernen müssen mit dem Druck umzugehen, den ein Legionär hat. Als lokaler Spieler hat man sehr viel Vertrauen und Unterstützung im Verein, als Legionär sieht das anders aus, gerade wenn es mal nicht so gut läuft und man Spiele verliert. Das ist der nächste Entwicklungsschritt, den er machen wird.“
…über Thomas Schreiner: „Er hat in Andorra noch einmal einen großen Schritt gemacht. Wenn man ihn jetzt mit seiner Zeit in Kapfenberg vergleicht, dann ist das ein Riesenschritt. Er hat sich wirklich weiterentwickelt, sein taktisches Verständnis ist noch einmal besser geworden. Er hat die perfekte Situation vorgefunden mit dem perfekten Trainer für ihn. Einerseits ist es natürlich Glück, wenn man das richtige Team findet, aber es liegt auch an jedem selbst das Glück zu erzwingen. Er hat sicher den richtigen Schritt gesetzt, aber er hat sich auch weiterentwickelt und durchgesetzt, er hat auch seinen Beitrag dazu geleistet und deshalb hat das funktioniert.“
…über seine Zeit als Legionär: „Die Rahmenbedingungen waren vor 15 oder 20 Jahren anders, man war also noch mehr gezwungen schnell ins Ausland zu gehen, wenn man seinen Traum leben wollte. Ich möchte keines dieser elf Jahre missen, das waren tolle Erfahrungen sportlich und auch als Mensch. Es war dann auch noch einmal wunderbar in der ABL zu agieren, aber die persönliche Entwicklung ist eher in den elf Jahren davor passiert und ich konnte die Früchte dann in der ABL noch einmal ernten.“
…über Jakob Pöltl: „Es sieht so aus, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat und sich noch ein Jahr im College weiterentwickelt hat. Er hat körperlich noch einmal einen Schritt nach vorne gemacht und er ist jetzt bereit, er wird heuer sicher in den Draft gehen, gedraftet werden und damit der erste Österreicher in der NBA sein. Das ist ein wahnsinniger Erfolg für ihn und wir können alle stolz sein, dass wir dann unseren Österreicher in der NBA haben.“
…über die Nationalmannschaft: „Die EM ist erweitert auf 24 Teams, es gibt keinen Grund warum Österreich hier nicht dabei sein sollte. Man hat das Potenzial, aber gerade auf den Positionen 3 und 4 fehlt vielleicht der eine oder andere Spielertyp. Aber wir sind viel breiter aufgestellt als in der Vergangenheit, man kann jetzt sogar zwei Ausfälle verkraften und trotzdem sich noch qualifizieren. Das war früher undenkbar, wenn da zwei Spieler gefehlt haben hat man sich gegen Luxemburg schwer getan. Das Team ist eigentlich auf allen Positionen gut besetzt, auf den Positionen 3 und 4 gibt es vielleicht noch die eine oder andere Zukunftshoffnung.“
…über Enis Murati: „Es war ein wichtiger Schritt für ihn Gmunden und Österreich zu verlassen, wir haben alle gesehen, wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat. Auch wenn es sportlich nicht so gut läuft bei seiner Mannschaft, wird er sich weiterentwickeln und diese Saison ebnet ihm die eine oder andere Möglichkeit weiter zu wechseln. Er spielt eine hervorragende Saison in einer Mannschaft, bei der es nicht gut läuft und damit klarzukommen ist auch ein sehr guter Lernprozess. Er wird aus diesem Jahr sicherlich gestärkt weitergehen.“
…über die Titelchancen der Oberwart Gunners: „Zum jetzigen Zeitpunkt, mit den jetzigen Mannschaften, sehe ich Güssing ganz klar vorne, Oberwart als ersten Verfolger und auch Wien ist nicht zu unterschätzen, weil man nicht weiß was noch kommen wird. Aber es sind noch einige Wochen Transferzeit, vielleicht hat auch noch das eine oder andere Team einen Lauf. Da kann es durchaus noch die eine oder andere Überraschung, aber momentan sehe ich Güssing ganz klar vorne.“
(Sky Experte):
…über die finanzielle Situation bei Güssing: „Es ist sehr schade, dass das Aushängeschild und beste Team in den letzten zwei Jahren in Österreich große Probleme hat, das ist nie positiv. Wenn die Krise nicht so lange dauert und doch irgendwo Geld aufgetrieben werden kann, dann kann es auch motivieren. Da kann sich schon ein Geist entwickeln, der noch einmal pusht. Aber das hält nicht ewig. Damit sie Meister werden können müssen so viele Spieler wie möglich da bleiben, vor allem dürfen nicht mehrere Stützen den Verein verlassen. Die Agenten sind da ein sehr wichtiger Faktor, wie sehr beeinflussen sie die Spieler, die noch in Güssing sind? Sie brauchen den Kader, den sie haben, den Coach, den sie haben und ein bisschen Geld.“
…über die Bedeutung von eines frühen Wechsel ins Ausland: „Ich glaube, dass es sehr wichtig ist für einen Spieler ins Ausland zu gehen in einem Alter, in dem er noch umgeformt werden kann. Dann hat man es auch von der Drucksituation leichter, wenn man noch 18 oder 19 ist und von einem großen Klub verpflichtet wird, dann ist das Investment nicht so groß und dann ist der Druck auch geringer. Wenn es später passiert ist es sicher nicht leichter.“
…über seinen Wechsel nach Portugal mit 27: „Ich hatte meine beste Zeit schon hinter mir, auch wenn ich das damals nicht wusste. Ich wollte unbedingt noch ins Ausland, ich habe mich aber auch schlecht entschieden. Ich hatte die Wahl zwischen der zweiten spanischen und der ersten portugiesischen Liga und habe mich für Portugal entschieden, das war eine sehr schlechte Entscheidung. Ich war ein bisschen mit dem Rücken zur Wand und auch für meinen Agenten war ich ein relativ kleiner Fisch. Das war nicht das, was ich mir gewünscht hatte.“
…über die Nationalmannschaft: „Ich sehe ein großes Defizit, wir wollen uns ja nicht nur für die EM qualifizieren, sondern wenn es geht auch ein bisschen was gewinnen, auf den Positionen 3 und 4. Aber das Investment des Verbands in das Nationalteam ist sehr wichtig, wie viel Zeit bekommt die Nationalmannschaft zur Vorbereitung, welche Mittel stehen zur Verfügung für einen ordentlichen Stab? Das sind ganz wichtige Sachen im Hintergrund, die man oft nicht sieht.“
…über den neuen Nationalcoach Kemzura: „Er weiß natürlich ganz genau wovon er spricht. Er kennt die österreichische Basketballliga ein bisschen als Aktiver in Gmunden vor vielen Jahren, jetzt braucht er natürlich so viele Details und Informationen wie möglich. Mir gefällt vor allem, dass er nicht nur ein Coach ist, der die Qualifikation schaffen kann, sondern der auch schon bei einer Endrunde dabei war und dann auch weiß wie es ist, wenn man in sieben Tagen sechs Spiele hat. Wenn man schon einmal ein Team bei so einem großen Turnier geführt hat, dann ist das ein sehr großer Vorteil.“
…über Thomas Klepeisz: „Er kann noch sehr viel vor sich haben. Ich wünsche ihm natürlich das Glück irgendwo die Chance zu bekommen. Jeder Spieler will wissen, ob er es schaffen kann, aber die Frage ist immer, was es bedeutet „es zu schaffen“, bei welchem Klub, in welcher Rolle, wie viele Minuten? Er hat für mich eine beeindruckende Liebe zum Detail und einen Ehrgeiz gezeigt, da merkt man wie ernst es ihm ist und wie sehr er bereit ist Zeit zu investieren. Wenn jemand nicht mehr aus der Halle herauszubekommen ist, dann merkt man, dass noch mehr drin ist.“