Gurgl fiebert Weltcup-Premiere entgegen
Für die alpinen Skimänner sollen aller guten Dinge drei sein. Nach einem Abbruch in Sölden und einer Absage in Zermatt wartet auf die ÖSV-Stars um Marco Schwarz wieder ein Heimspiel, für den Ausrichter Gurgl ist der Slalom am Samstag (10.45 und 13.45 Uhr) die mit Spannung erwartete Weltcup-Premiere. Der Hochgebirgsort im hinteren Tiroler Ötztal wirbt mit Schneesicherheit und will sich mit einer perfekten Inszenierung für weitere Weltcupehren bewerben.
Das Gurglertal, das tausende Jahre als Sackgasse des Ötztals galt, ist am kommenden Wochenende das Epizentrum des Skisports. Alban Scheiber, der Chef des 50-köpfigen Organisationskomitees, spricht stolz über ein „Event am Puls der Zeit“, ein nach bestem Wissen und Gewissen geplantes „Green Event“. Das beginne schon mit dem Renntermin. Am Donnerstag nahm das „höchstgelegene Nicht-Gletscherskigebiet der Alpen“ unweit der bereits im Winterschlaf weilenden Timmelsjoch Hochalpenstraße den regulären Skibetrieb auf.
„Wir müssen für den Weltcup nicht extra den Lift anschalten“, sagte Scheiber zur APA – Austria Presse Agentur. Er ist froh, dass Gurgl – das Starthaus wurde auf 2.475 Meter Seehöhe aufgestellt – keine „Diskussionen über weiße Bänder in grüner Landschaft“ führen muss. „Wir senden vielmehr eine tolle Botschaft: Es gibt auch noch Skigebiete, die ganz normal öffnen.“
400-Seelen-Ort will sich als Weltcup-Station etablieren
Ressourcenschonender Einsatz, Strom aus erneuerbaren Energien oder der Fokus auf bestehende Event-Anlagen werden betont. Neu errichtet werden müsse für das Rennen am Kirchenkar lediglich eine Tribüne im Zielgelände. Die Gastro verzichtet auf Plastikflaschen, zur öffentlichen An- und Abreise wird geraten, eine Liftkarte ist gleichzeitig Eintrittskarte für den Weltcup. Die Organisatoren hoffen bei entsprechendem Wetter auf 7.000 bis 8.000 Zuschauerinnen und Zuschauer.
Die heimische Bevölkerung musste vom Weltcup-Projekt laut Scheiber nicht lange überzeugt werden. Wintertourismus ist der große Wirtschaftstreiber der Region. „Wir sind in einer Höhenlage, wo der Sommer noch nicht so gut funktioniert, wie man sich das wünscht“, sagte Scheiber. „Jeder ist hoch motiviert, diese Chance, am internationalen Skimarkt gesehen zu werden, zu verwerten.“ Dafür wurde kräftig in Schneeanlagen, Pistenumbauten und andere Bündelmaßnahmen investiert.
Der ganze Ort wird auf den Beinen sein. „Wir sind natürlich ein kleinerer Haufen, der da anpackt. Bei 400 Einwohnern mit Kindern und älteren Personen bleiben nicht viele übrig. Da ist jeder beim Skiclub, bei der Feuerwehr, der Bergrettung, beim Männergesangsverein“, sagte Scheiber, selbst Hotelier, Skigebietsbetreiber und Direktor des Motorrad-Museums bei der Kirchenkar-Talstation. Dass der Weltcupzirkus in Gurgl Station macht, ist für die Touristiker ein Ritterschlag. „Wir haben durch unsere Höhenlage zwar die längste Saison, aber super bekannt wie Arlberg, Sölden oder Ischgl sind wir nicht“, sagte Scheiber.
Athleten erwarten ein Slalom-„Spektakel“ beim verspäteten Saisonauftakt
Marco Schwarz erwartet für die Premiere ein „Spektakel“. Am Kirchenkar fanden bereits FIS- und Europacuprennen statt, die ÖSV-Stars nutzten zuletzt mit Trainings den Heimvorteil. Viele Übergänge, ein langer Steilhang und die Steilheit an sich – die Durchschnittsneigung beträgt 38,3 Prozent – machen den Hang auch in den Augen von Johannes Strolz „absolut weltcupwürdig“. „Bis auf stark hängende Tore hat er alles dabei, wirklich selektiv und anspruchsvoll“, meinte der Olympiasieger. Eine eher längere Laufzeit wird erwartet. „Die Zuschauer sehen den ganzen Hang, die können sich auch auf ein Spektakel freuen“, erklärte Schwarz.
Vor vier Jahren war der Ort schon einmal als Weltcup-Ausrichter im Gespräch, den Zuschlag durch den Weltverband FIS erhielt Lech/Zürs für ein Parallelrennen. Seit März dieses Jahres wissen die Gurgler um ihren Einsatz. Vertraglich fixiert ist laut Scheiber nur dieses eine Mal – vorerst. Signale für eine längerfristige Zusammenarbeit gebe es. Scheiber: „Wir wollen das toll über die Bühne bringen, um uns als Weltcuport zu etablieren.“
(APA)/Bild: GEPA
