Gute Saison für ÖSV-Männer, aber Kugelgewinn blieb aus

Eine Kristallkugel ist Andreas Puelacher zum Abschied nicht mehr vergönnt gewesen, die Erfolgsbilanz des scheidenden Rennsportleiters von Österreichs Alpinski-Männern kann sich dennoch sehen lassen. In den 37 Einzelrennen des Weltcupwinters 2020/21 wurden sechs Siege bzw. 28 Stockerlplätze eingefahren, elf verschiedene Läufer schafften es auf das Podest. In den acht Saisonen Wirkungstätigkeit stechen die Gesamtweltcupsiege Nummer vier bis acht von Marcel Hirscher hervor.

Unter den 230 Weltcup-Stockerlplätzen in der Ära Puelacher waren 84 Siege, zu fünf großen Kristallkugeln kamen elf kleine. Bei zwei Olympischen Spielen gab es in Einzelbewerben fünfmal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze, bei vier Weltmeisterschaften lautete die Bilanz acht, acht, fünf. Dazu gab es jeweils Gold und Silber mit dem Mixed-Team. „Ich habe keine Statistik gemacht, wie viele Medaillen oder Siege es waren. Aber ich kann sagen, dass wir über die acht Jahre meistens sehr erfolgreich waren. Schlimm waren für mich die Verletzungen, die gaben mir mehr zu grübeln als eine Niederlage“, sagte Puelacher im Bilanzgespräch mit der APA – Austria Presse Agentur.

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„Ich durfte dem acht Jahre vorstehen. Ich hatte nicht nur gute Athleten, sondern auch ein gutes Trainerteam. Mir war das Miteinander immer wichtig, den Teamspirit, den man braucht, damit man gut sein kann, hat man sehr geschätzt.“ Er habe in den Sitzungen zuletzt stets betont, wie viel Spaß ihm das alles gemacht habe. „Und wenn man an eine Arbeit mit Spaß herangeht und Leute das ganze Schiff mitziehen, dann kann nur was Gutes rauskommen. Ich hoffe, dass es jetzt so weitergeht. Ich wünsche den Läufern und Trainern viel Glück und hoffe, dass sie am Ende noch besser dastehen.“

Rückblickend auf die abgelaufenen Saison meinte Puelacher, dass er sich nicht gedacht habe, dass man mit dem sehr starken Schweizer Team so lange um den Nationencup kämpfen werde, am Ende musste man sich knapp geschlagen geben. „Hut ab, das ist eine großartige Leistung. Es haben uns leider Roland Leitinger und Adrian Pertl gefehlt“, sprach Puelacher das früh mit Verletzungen ausgefallene Duo an. Hervorzuheben sei in der Disziplinenwertung die Abfahrt, in der es sechs Läufer in die Top 15 geschafft haben. Im Riesentorlauf passierte eine „sehr gute Entwicklung“ mit sechs in den Top 30.

Leider habe es nicht zu Kugeln gereicht, sagte Puelacher. Auf das Wertungspodest schafften es Vincent Kriechmayr als Dritter im Super-G sowie Manuel Feller als Zweiter im Slalom und Dritter im Riesentorlauf. In der Gesamtwertung reichte es für Platz vier durch Matthias Mayer, fünf durch Kriechmayr und sieben durch Feller. 28 Stockerlplätze in der Weltcupsaison seien sehr gut, fand Puelacher, aber es hätten mehr als sechs Siege sein können. „Da braucht man natürlich auch ein bisserl Glück, das hat uns ab und zu gefehlt.“

Hoffnungsträger im Nachwuchsbereich sieht Puelacher einige, die aber noch eine gewisse Zeit brauchen würden. Namentlich nannte Puelacher Lukas Feurstein (20), Joshua Sturm (20) und Kilian Pramstaller (19). „Wir haben einige, die in näherer Zukunft auch im Weltcup bestehen können.“

Marko Pfeifer bezeichnete er nicht nur als „fähigen“, sondern auch als „richtigen“ Nachfolger. Er selbst werde sich das aus der Ferne ansehen. Bei seiner Zukunftsfindung sei er noch nicht weitergekommen. „Ich werde sehen, welche Angebote interessant sind und welche nicht. Skitrainer-Müdigkeit habe ich keine, das Skifahren ist meines, mit Leuten arbeiten kann ich auch ganz gut. Wenn man ein gutes Angebot bekommt, wo man was entwickeln kann, wo man seine Handschrift hinterlassen kann, dann ist jedes Team interessant. Aber diese Möglichkeit muss man bekommen“, sagte Puelacher.

ÖSV-Frauen mit nur zwei Siegen, aber Erfolg im Nationencup

Nach drei Saisonen als Rennsportleiter der österreichischen Ski-Frauen zieht Christian Mitter weiter. Er bilanziert in seiner Amtszeit im Weltcup mit sechs Siegen sowie 40 Podestplätzen und einer Kristallkugel. In der in Courchevel/Meribel zu Ende gegangenen Saison fuhren Cornelia Hütter (Super-G) und Katharina Liensberger (Slalom) die einzigen Erfolge ein, es reichte zu 15 Podesträngen (2/4/9) und damit drei mehr als im Vorwinter. Der Frauen-Nationencup wurde gewonnen.

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International gesehen sei derzeit eine große Generation am Werk, mit u.a. der besten Skifahrerin, die es jemals gegeben habe, sagte Mitter im Bilanzgespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. Er verwies auf die US-Amerikanerin Mikaela Shiffrin, aber auch auf die Italienerinnen Federica Brignone und Sofia Goggia sowie die Schweizerin Lara Gut-Behrami. „Aber trotzdem, Siege sind zu wenig gewesen“, fügte er freilich an.

Erfreulich an der abgelaufenen Saison sei u.a. gewesen, dass es in den Speedbewerben gleich sechs Athletinnen auf das Podest schafften, dazu Liensberger im Slalom. „Wir haben voriges Jahr versucht zu analysieren, warum wir so viele Leute in die Top 20 haben, aber am Stockerl nur drei. Jetzt haben wir sieben am Podest und viele weitere in den Top sechs. Das ist eine große Leistung vom ganzen Team, so viele verschiedene vorne zu platzieren. So richtig in einen Lauf ist heuer aber keine gekommen, daher schaut es auch bei den Kugeln nicht gut aus.“

Die Substanz sei aber groß, man habe den Nationencup zurückgeholt, sei gut und breit aufgestellt. „Und das gewinnt man auch nicht nur mit zehnten Plätzen, wir haben sehr gute Derbys abgeliefert und in der Breite schon eine sehr gute Saison gemacht. In der Spitze fehlt das teilweise noch. Es ist eine brutal spannende Mannschaft, mit der man weiterarbeiten kann. Der nächste Schritt ist Gewinnen, das wird sicher kommen, weil wir auch noch relativ Junge dabei haben.“ Sein Beitrag sei auch gewesen, dass man auf die Grundtechnik, Renntechnik anders hinschaue, das habe sich entwickelt.

Bei den zwei Großereignissen in der Ära Mitter wurden jeweils mehrere Medaillen errungen. So gab es bei der WM 2021 in Cortina d’Ampezzo zweimal Gold (Parallel, Slalom) und Bronze (Riesentorlauf) durch Liensberger, bei den Olympischen Spielen heuer in Yanqing stehen jeweils Silber durch Mirjam Puchner (Super-G) und Liensberger (Slalom) und der Anteil am Mixed-Team-Gold zu Buche.

Man habe darauf hingearbeitet, gute Routinen zu haben, gute Strukturen und innere Abläufe, die bei einem Großereignis durchgezogen werden. „Das war eines meiner Hauptziele, dass wir da nicht kollabieren, sondern unsere Rituale ausspielen und abliefern.“ Man habe es auf den Punkt gebracht, sei in jedem Rennen konkurrenzfähig gewesen. „Das hat mich brutal gefreut, das kommt, glaube ich, auch von dieser Stabilität, die ich hoffe, die ich ihnen gegeben habe. Von dieser Führung, dem Vertrauen. Dass sie Bestleistungen auf den Punkt bringen.“

Die Athletinnen bedauern den Abgang Mitters, auf den – wie beim Weltcupfinale bekannt wurde – Thomas Trinker folgen wird. Die direkte Art des Chefs sei geschätzt worden, erzählten die Läuferinnen. Es sei ein Umbau gewesen, ein „Performance-Milieu“ zu schaffen, sagte darauf angesprochen Mitter zur APA. Klare Worte seien gesprochen und verstanden worden, weil das Vertrauen gegenseitig da gewesen sei.

Nach seiner Tätigkeit bei den Männern in Norwegen war im ÖSV freilich alles größer, die Läuferanzahl höher. Er habe sich trotzdem immer als Trainer gefühlt, der etwas beitragen könne. „Ich muss halt immer schauen, dass ich Netze austeile und keine Fische. Ich habe immer geschaut, dass ich die Gruppentrainer, die Gruppen, die Athleten mit Werkzeugen ausstatte, damit sie selber fischen können. Denn ich kann nicht überall sein. Das ist ein Führungsstil, der nur mit Vertrauen geht bzw. klaren Werten. Ich hoffe, dass das rumgekommen ist.“ Er möchte weiter als Trainer tätig sein. „Ich möchte dorthin, wo ich meine Stärken ausspielen kann.“

Nationencup und Frauen-Wertung an Österreich

Österreichs Alpinskiläufer haben sich Platz eins im Nationencup zurückgeholt. Nach 30 Siegen in Folge (insgesamt 40) hatte sich das Austria Ski Team in den beiden Vorsaisonen jeweils der Schweiz geschlagen geben müssen. Heuer gewannen die Weltcupmannschaften mit insgesamt 10.667 Punkten vor der Schweiz (10.410) und Italien (6.511). Auch bei den Frauen setzte sich Österreich durch, die Männer mussten sich der Schweiz beugen.

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Die ÖSV-Frauen sicherten sich nach 37 Einzelrennen und dem Teambewerb den Cup mit 4.985 Punkten vor der Schweiz mit 4.705 und Italien mit 3.911. Bei den Männern war es spannend bis zum Finaltag, am Ende setzte sich die Schweiz nach ebenso 37 Einzelrennen plus Teambewerb knapp mit 5.705 Zählern vor Österreich mit 5.682 und Norwegen mit 4.228 durch. Die Weltcupsaison ging am Sonntag in Meribel zu Ende.

(APA).

Beitragsbild: GEPA.