Haller als Roglic-Bodyguard bei seiner neunten Tour
Auch in der Konstellation mit Sieganwärter Primoz Roglic als unumschränkte Nummer 1 und dem neuen Team-Geldgeber Red Bull sind die Qualitäten von Marco Haller bei der Tour de France gefragt. Der Routinier aus Kärnten soll Roglic im flachen und mittelschweren Terrain bestmöglich abschirmen und aus brenzligen Situationen heraushalten. Gleich die sehr anspruchsvolle Auftakt-Etappe am Samstag in Italien verspricht viel Arbeit für Haller und seine Helferkollegen.
„Es wird sicher keinen Moment geben, um sich einzurollen oder zu schonen“, sagte Haller, auf den harte drei Wochen warten. „Es wird eine extrem fordernde Tour für Fahrer wie mich, weil wir von Tag eins bis zum Schluss fokussiert sein müssen. Ich werde mich darum kümmern, dass meine Mannschaftskollegen so gut kräfteschonend wie möglich in die Schlüsselstellen reinkommen. Wenn es dann ins Hochgebirge geht, haben wir andere Leute, die vorne am Rad drehen werden“, erläuterte Haller. Das Zusammenspiel habe beim vom Roglic gewonnenen Dauphine-Kriterium sehr gut funktioniert.
Haller geht in seine bereits neunte Tour, die dritte in Serie für sein aktuelles Team, das ab sofort als „Red Bull Bora Hansgrohe“ auftritt. Die neuerliche Nominierung sei eine große Auszeichnung. „Es freut mich irrsinnig, dass mir das Team wieder das Vertrauen schenkt“, sagte Haller und zeigte sich begeistert vom Einstieg des neuen Mehrheitseigentümers beim deutschen Rennstall von Ralph Denk. „Überall wo Red Bull mit an Bord kommt, wird es extrem aufregend. Es macht mich als Österreicher sehr, sehr stolz, die Stiere auf der Brust zu tragen. Es wird eine extrem spannende Reise, die da auf uns zukommt.“ Ob Haller 2025 noch mit an Bord sein wird, ist offen. Über Vertragsverhandlungen wollten er und Denk sich nicht äußern.
Roglic hat Haller im ersten halben Jahr als Perfektionisten erlebt, der aber sehr umgänglich ist. „Er ist ein voller Wettkampftyp, auch wenn er das nicht immer so zeigt, aber er will natürlich gewinnen, das wollen wir alle, das treibt uns an. Ich mag ihn total als Teamkollegen, weil er eine große Leidenschaft für den Sport mitbringt. Er arbeitet extrem akribisch, das motiviert natürlich dann auch die Leute um ihn herum, ihr Bestes zu geben.“
Dass man mit dem Slowenen über einen Sieganwärter verfügt, sorge für zusätzliche Motivation. „Es ist etwas, was mich zu Höchstleistungen antreibt. Wir haben mit Primoz einen Mann, der das Ding gewinnen kann, wir glauben alle daran. Es ist eine Riesenchance, und auch für mich eine Riesenchance, in einer Mannschaft zu sein, die das möglich machen kann.“
Zusätzlichen Druck verspürt er nicht. „Es ist auf jeden Fall mehr Verantwortung, aber der Druck ist immer da. Am Ende des Tages will man sich selbst nicht enttäuschen. Man steht jeden Tag auf, um sein Bestes zu geben. Wenn man aufhört das zu tun, dann hat man eigentlich im Radsport nichts mehr zu tun – in so einer erfolgsgetriebenen Welt.“
Einiges Kopfzerbrechen bereitet Haller und allen anderen die unberechenbare Etappe mit einigen grobschottrigen Passagen am neunten Tour-Tag. „Das wird definitiv eine Schlüsseletappe“, sagte Haller. „Aber wir sind bestmöglich darauf vorbereitet und werden uns der Challenge stellen.“
Nach der Tour wartet auf Haller als nächste Challenge das 270 km lange Straßenrennen der Olympische Spiele in Paris. Er und Felix Großschartner wurde vom ÖRV erstmals nominiert. „Es freut mich extrem, dass ich das Vertrauen bekommen habe. Das zeigt, dass ich nach wie vor zu den besten Radfahrern in Österreich gehöre.“ Ein frühzeitiger Tour-Ausstieg zur besseren Vorbereitung auf Olympia ist für ihn kein Thema. „Für mich absolut nicht, die erste Challenge ist Tour de France, es sind dann ja noch fast zwei Wochen, um mich sich erholen.“
(APA) / Artikelbild: Imago
