VIENNA,AUSTRIA,21.OCT.18 - TENNIS - ATP World Tour, Erste Bank Open. Image shows tournament director Herwig Straka. Photo: GEPA pictures/ Walter Luger

Herwig Straka zieht nun auf höchstem ATP-Level die Fäden

via Sky Sport Austria

Neun Jahre saß er im Council der ATP-Turnierdirektoren, nun hat Herwig Straka einen Karrieresprung innerhalb der Association of Tennis Professionals (ATP) gemacht. Der 52-jährige Steirer, seit Jahren auch Turnierdirektor des Erste Bank Open in Wien und auch Davis-Cup-Veranstalter, ist in das nur dreiköpfige ATP-Board of Directors aufgestiegen. Dort werden in der ATP alle Entscheidungen getroffen.

“Das Council hat rein beratende Funktion und das Board of Directors trifft alle Entscheidungen. Dass heißt, auch das Management trifft bei der ATP keine Entscheidungen. Die bereiten alles vor und es kommt dann immer ins Board und wird dort entschieden”, erzählte Herwig Straka in London im Interview mit der APA – Austria Presse Agentur. Daher habe er nun schon eine große Verantwortung übernommen.

Der US-Amerikaner Gavin Forbes für die USA, Charles Smith als Turnierboss von Shanghai für Asien und nun Straka für Europa bilden das Board. “Nachdem wir mit Abstand die größte Region sind, ist der Europäer der Wichtigste”, weiß Straka. Aufgabe des Boards sei es u.a., mit den Spielern Lösungen zu finden, etwa in Preisgeld- oder Kalender-Fragen.

Und die Diskussionen um den neuen ATP Cup (ab 2020), das neue, von ITF und Kosmos organisierte Davis-Cup-Finale und den engen ATP-Kalender sind noch länger nicht ausgestanden. “Es stehen jetzt turbulente Zeiten an, es ist keine leichte Zeit, aber ich habe mich deswegen beworben, weil ich die Verantwortung annehmen möchte”, sagte Straka. Zudem hätten sich die 250er- und 500er-Turniere bisher im Board unterrepräsentiert gefühlt, das war wohl ein Mitgrund für seine Wahl.

Für Strakas andere geschäftliche Tätigkeiten bringe das nicht automatisch Vorteile. “Man muss da ja teilweise gegen die Spieler antreten.” Sein Vorteil sei, dass er kein Politiker auf diesem eigentlich politischen Posten sei. “Ich bin völlig unabhängig und vertrete das, was ich für richtig halte. Insofern habe ich kein Problem, die Meinung der Turniere zu vertreten.” Der Informationsvorsprung, den er haben wird, ist freilich durchaus als Vorteil zu werten.

Dass Straka den bisher in dieser Funktion tätigen Mark Webster habe ablösen können, habe viele überrascht. “Gegen einen bestehenden Funktionär anzutreten, ist immer schwer. Das ist schon als großer Erfolg zu werten”, glaubt der Grazer. Am Donnerstag gab es ein Übergabegespräch mit Webster. Strakas Lebensplanung wird das Engagement schon beeinflussen. “Es wird ca. 25 Prozent meiner Arbeitszeit beanspruchen, die muss ich woanders abzweigen.” Wie in jedem Aufsichtsrat sei man auch für Entscheidungen haftbar und es gäbe hohe Schranken an Geheimhaltung.

In Österreich hat Straka nach wie vor Ambitionen ein Challengerturnier zu veranstalten. “Ich habe mit der ATP schon gesprochen, es gibt im Sommer einige Termine, die interessant wären. In der Nähe eines Grand Slams, entweder bei Wimbledon oder bei den US Open”, schwebt Straka vor.

Fix ist für ihn, dass er in der höchsten Challenger-Kategorie, einsteigen möchte. Und seine engere Heimat soll Schauplatz werden. Sprich: Graz. Warum in seiner Geburtsstadt? “Es wäre eine Rückkehr zu den Wurzeln”, erinnert er an seinen Challenger auf dem Dach eines Einkaufszentrums der steirischen Hauptstadt. Aktuell habe ihm der Davis Cup im September gegen Australien gezeigt, wie sehr die Leute in Graz immer noch am Tennis hängen. “Lieblingstermin wäre im August, der Schauplatz wäre wahrscheinlich wieder die Messe. Das hat sich perfekt bewährt.” Straka rechnet damit, dass er für die Veranstaltung ein Budget von rund einer Million Euro aufstellen muss. Im neuen Challenger-System muss ja auch die Hospitality vom Veranstalter dabei sein.

“Wir merken, dass der Druck da ist, ein Challenger in Österreich zu machen, auch für die nächste Generation der Spieler. Das ist aus einem Geschäftsinteresse, aber auch weil man dem Tennis helfen will”, erläutert Straka sein Animo, ein neues Turnier anzubieten.

Bei den ganz großen Themen wie zum Beispiel, die Davis-Cup-Finalturnier-Woche in den eigentlichen Davis-Cup-Termin im September zu schieben, stehen noch spannende Diskussionen an. In dieser Woche hat der Mit-Erfinder des Laver Cups, Roger Federer, seinen Event angesetzt. “Man könnte gegen den Laver Cup gehen, aber das wäre eine ‘Kriegserklärung’ an Federer”, glaubt Straka.

Für sein Wiener Turnier gibt es gute Signale von Kei Nishikori, auch das generelle Feedback der Spieler sei “super” gewesen. “In Sachen Rafa (Nadal) wollten wir schon nach Weihnachten eine Entscheidung treffen. Rafa wollte sich hier (in London, Anm.) festlegen, aber da er nun wieder länger verletzt ist, ist das auf Eis gelegt. Wir werden versuchen, frühzeitig Novak Djokovic oder Rafa zu bekommen.”

Noch in diesem Jahr wird es für die ATP Finals aus den rund 40 Bewerbern für die Zeit nach 2020 eine Shortlist geben. “Mit fünf Städten, London steht wieder drauf”, verriet Straka. Ob er davon träumt, in fernerer Zukunft mit einer eventuell neuen Halle einmal Wien als Austragungsort zu sehen? “Ja, es ist ein Traum, aber ich glaube, es bleibt einer”, meinte er schmunzelnd.

Fakt sei, dass man in Asien bereit ist, große Summen hinzulegen, um den Schauplatz des Masters dorthin zu holen. Doch die ATP lässt sich nicht so einfach kaufen, schließlich hat man auch den nunmehr bei der ITF tätigen Sponsor “Kosmos” damals abblitzen lassen. In Sachen London habe man vor der vergangenen Verlängerung “schon ein fast unmoralisches Angebot bekommen”. “Wir haben trotzdem gesagt, dass wir hier bleiben.”

(APA)

Beitragsbild: GEPA