„Ist das dein Ernst?“: Liverpool im Wirtz-Fieber
Am Freitagabend eröffnet der amtierende englische Meister FC Liverpool die neue Premier-League-Saison mit einem Heimspiel gegen den AFC Bounemouth (21 Uhr live & exklusiv auf Sky – streame mit Sky X). Im Fokus der Aufmerksamkeit dabei: Liverpools neuer Superstar Florian Wirtz.
Stolze 125 Millionen Euro ließ sich Liverpool die Dienste des deutschen Teamspielers kosten und die ersten Eindrücke lassen die Reds-Fans hoffen, dass Wirtz jeden Cent der Rekordablöse wert ist. Bereits in den Vorbereitungsspielen ließ der Edeltechniker sein Können mehrfach aufblitzen und war gleich Dreh- und Angelpunkt im Offensivspiel.
In seinem ersten Pflichtspiel sammelte der Spielmacher am vergangenen Wochenende im Community Shield gegen Crystal Palace mit dem Assist für Hugo Ekitike auch gleich seinen ersten Scorerpunkt. Der erste Titel blieb ihm aber verwehrt – Trainer Oliver Glasner sorgte mit Palace für den Coup im Elfmeterschießen.
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Slot über Wirtz: „Ist das dein Ernst?“
Trotz des ersten Dämpfers scheint für Wirtz in Liverpool zu gelten: „The sky is the limit“. Trainer Arne Slot konnte bei den ersten Trainingseinheiten und Spielen beinahe seinen Augen nicht trauen. „Wenn man ihn spielen sieht, denkt man: Ist das dein Ernst? Er ist so kreativ“, sagte Slot – und befindet sich dabei in guter Gesellschaft.
Von der kritischen englischen Presse wird Wirtz schon als „Balletttänzer“ am Ball gefeiert, die Fans reißen dem Klub das Trikot mit der „7“ förmlich aus den Händen.
Wie die „Reds“ vor einer Woche vermeldeten, habe der Verein zu dem Zeitpunkt siebenmal mehr Trikots verkaufen können, als in den Jahren zuvor. Aus über 150 Ländern seien Bestellungen eingegangen, heißt es. Deutschlands Fußballer des Jahres hat seit seiner Ankunft auf der Insel in nur wenigen Wochen mächtig Eindruck hinterlassen.
Auch Slot ist mehr als angetan vom 22-Jährigen, für den die Reds mit möglichen Boni bis zu 150 Millionen Euro an Bayer Leverkusen überweisen. „Seine Mentalität ist vielleicht seine größte Stärke“, sagte der Niederländer.
Sicher, Wirtz müsse sich an England, die Liga, die Intensität und auch an seine neuen Teamkollegen gewöhnen. „Aber ich denke, wenn man sich die Spiele ansieht, ist seine Eingewöhnung besser als erwartet verlaufen“, sagte Slot: „Und wir hatten schon viel erwartet.“
Liverpool erneut Meisterfavorit
Ab Freitag (21 Uhr live bei Sky – streame mit Sky X), wenn an der Anfield Road im Heimspiel gegen den AFC Bournemouth die neue Saison in der Premier League eröffnet wird, soll auch dank Wirtz‘ Qualitäten die Jagd nach dem Rekordtitel Nummer 21 mit einem Sieg eröffnet werden. Der LFC ist der Top-Favorit auf die erneute Meisterschaft.
Liverpool und Slot setzen dabei auf einen neuen Ansatz. Wirtz spielt in den Plänen eine tragende Rolle. „In der letzten Saison hatten wir viel Ballbesitz, aber das führte nicht immer zu vielversprechenden Situationen“, sagte Slot, „jetzt sind wir besser im Spielaufbau als während der gesamten letzten Saison.“
Der Stilwechsel ist mutig, schließlich war Liverpool in der Vorsaison mit einem satten Zehn-Punkte-Vorsprung auf den FC Arsenal Meister geworden. Trotzdem entschied sich der Klub für einen XXL-Umbruch. Neben Wirtz kamen Jeremie Frimpong (beide Bayer Leverkusen), Hugo Ekitiké (Eintracht Frankfurt) und Milos Kerkez (AFC Bournemouth). Großes Interesse am schwedischen Top-Stürmer Alexander Isak von Newcastle United besteht offenbar weiterhin.
Im Gegenzug zur Transferoffensive gab Liverpool unter anderem Luis Díaz (Bayern München), Jarell Quansah (Bayer Leverkusen), Darwin Núñez (Al-Hilal) und Trent Alexander-Arnold (Real Madrid) ab.
Bedenkt man, dass weitere Superstars wie Mohamed Salah, Virgil van Dijk oder der argentinische Weltmeister Alexis Macallister im Team sind, darf man durchaus die Frage stellen: Wer soll dieses Liverpool-Team schlagen, wenn es einmal eingespielt ist?
Liverpool offenbarte defensive Schwächen
Die große Personalrochade birgt zum Saisonstart aber durchaus Risiken. „Es geht nicht nur darum geht, viel Geld auszugeben und die besten Spieler zu kaufen. Man muss das Team auch managen, damit es funktioniert und eine gute Balance hat“, sagte der langjährige Liverpool-Profi und heutige TV-Experte Jamie Carragher.
Die Baustellen des neuen LFC-Projekts wurden zuletzt im verlorenen Community Shield gegen Crystal Palace (2:3 i.E.) deutlich. Besonders defensiv offenbarte Liverpool noch Schwächen, ließ gegen den FA-Cup-Gewinner 14 Schüsse and vier Großchance zu. Carragher erwartet auch deshalb ein offenes Titelrennen statt eines Liverpool-Durchmarschs. Vizemeister Arsenal und das verjüngte Manchester City gelten als Hauptrivalen.
Trainer Slot will jedenfalls auch in seinem zweiten Jahr als „Reds“-Coach reüssieren, die Titelverteidigung ist dem Club zuletzt 1984 gelungen. Die Liverpool umgehängte Favoritenrolle stört den Niederländer wenig. „Das ist völlig normal, denn wir haben letzte Saison die Meisterschaft gewonnen. Und wir haben gute Spieler verpflichtet. Das haben übrigens alle anderen Teams auch getan. Das macht diese Liga so schön.“
(Red./SID)/Bild: Imago
