Jesse Marsch: „Es war nicht unsere beste Leistung“

via Sky Sport Austria
  • Stephan Reiter über die neuerliche Zuschauerbeschränkung auf 1.500: „Ich weiß nicht, ob die Zahlen gewürfelt werden oder wer sich die ausdenkt“
  • Marko Nikolic: „Der Punkt geht in Ordnung“
  • Zlatko Junuzovic: „Wir hätten aus unseren Chancen mehr Kapital schlagen müssen“
  • Alfred Tatar: „Es war nicht dieses Salzburg, von dem wir verwöhnt sind, Lok ist auswärts stärker als zuhause“
  • Marc Janko: „Im Großen und Ganzen war es ein positiver Start“

 

Der FC Salzburg trennt sich zum Auftakt der Gruppenphase der UEFA Champions League von Lok Moskau mit 2:2. Die Stimmen zum Spiel bei Sky Sport Austria.

 

FC Salzburg – Lok Moskau, 2:2 (1:1)

Schiedsrichter: Serdar Gözübüyük (NED)

 

Jesse Marsch (Trainer FC Salzburg):

…vor dem Spiel: „Die Jungs sind total bereit, wir haben mehr Erfahrung in diesem Turnier. Wir müssen die Erfahrung vom letzten Jahr benützen. Lok Moskau ist eine schlaue Truppe mit einem sehr guten Trainer, sie haben viel gewonnen. Von Anfang an müssen wir unseren Fußball spielen. Die Standardsituationen werden auch wichtig sein. Zlatko Junuzovic ist ein super Spieler, er hat so ein Gefühl für unseren Spielstil, in Ballbesitz kann er unser Tempo kontrollieren und er ist ein Anführer. Wir haben taktisch viel Klarheit und Mentalität, wir können eine reife Leistung bringen.“

…nach dem Spiel. „Es war nicht unsere beste Leistung, aber wir waren besser, haben viele Chancen gehabt. Dass es nicht unsere beste Leistung war und wir trotzdem gewinnen hätten können, ist auch nicht schlecht. Im nächsten Spiel müssen wir besser spielen und einen Sieg versuchen. Es war schwierig, wir haben viel über die Taktik gesprochen, es aber nicht gut genug umgesetzt. Am Ende ist es schade, dass der Sieg nicht gelungen ist, aber wir haben einen Punkt geholt. Der Gegner ist sehr schlau, sie verteidigen sehr gut. Mit dieser 2:1-Führung müssen wir aber besser verteidigen. Lok hatte nicht so viele Chancen, wir hatten dann das Spiel im Griff. Der Spielplan ist sehr intensiv, aber das ist auch schön, wir müssen kurz Erholung finden und bereit für den nächsten Kampf am Wochenende sein.“

 

Zlatko Junuzovic (FC Salzburg):

…vor dem Spiel in einem Videobeitrag: „Diese Emotionen solcher Spiele geben dir einen unglaublichen Extra-Schub, du spürst während dem Spiel die Extra-Meter nicht, kannst laufen ohne Ende, entwickelst neue Kräfte. Zuhause spürst du dann die Extra-Meter. Wir wollen international überwintern, das ist unser oberstes Ziel. Die Erfahrung vom letzten Jahr wird uns helfen.“

…nach dem Spiel. „Es ist leider zu wenig, wir hätten aus unseren Chancen mehr Kapital schlagen müssen, nach dem 2:1 hatten wir eine Drangphase, das Momentum verpasst und dann kriegen wir ein billiges Tor. Nur ein Punkt leider, aber wenn man das gesamte Spiel hernimmt, ist es okay. Beim 0:1 musste ich ihn nur blocken, aber dann fällt ihm der Ball genau auf den Kopf und er macht es auch gut.“

 

Dominik Szoboszlai (FC Salzburg):

…nach dem Spiel. „Schade, dass es nicht gereicht hat. Auf diesem Niveau brauchen wir mehr, wir müssen mehr laufen und füreinander kämpfen. Es nicht einfach, aber letztes Jahr haben wir das gleiche gemacht und in Bundesliga und Champions League erfolgreich gespielt. Jeder ist für alles bereit.“

…über seinen gesteigerten Marktwert durch sein Traumtor: „Auf das konzentriere ich mich nicht so, das wichtigste für mich ist die Mannschaft.“

 

Stephan Reiter (Geschäftsführer Wirtschaft FC Salzburg):

…vor dem Spiel: „Die Stimmung in der Kabine ist ausgezeichnet. Das erste Spiel ist enorm wichtig, ich habe ein sehr gutes Gefühl. Auf die Gruppenspiele kann man sich richtig freuen.“

…auf die Frage, ob das Unverständnis über die neuerlichen Zuschauerbeschränkungen bei den Verantwortlichen ankommt: „Es kommt glaube ich nicht an. Mit jeder neuen Verordnung wird es negiert. Man muss zwei Themenblöcke trennen, das eine ist die Notwendigkeit Maßnahmen zu setzen, das andere ist diese Willkür wie diese Maßnahmen im Veranstaltungs- und Sport-Bereich getroffen werden, das ist für uns nicht nachvollziehbar, wie man auf die 1.500 kommt. Das sind alles Zahlen, ich weiß nicht, ob die Zahlen gewürfelt werden oder wer sich die ausdenkt. In Opernhäusern und in der Kultur wurde im Indoor-Bereich die Veranstaltungsgröße von 1.500 auf 1.000 reduziert. Bei uns von 3.000 um die Hälfte, obwohl Outdoor bei einer Veranstaltung noch keine Infektion nachgewiesenen wurde. Das stößt auf Unverständnis. Für uns ist es fast unmöglich einen Spieltag zu planen, wir haben Vorlaufzeiten. Das schaut für uns nach Willkür aus. Die Bundesliga macht einen sehr guten Job, das Lobbying (…) Grundsätzlich den Stellenwert des Sports gilt es zu hinterfragen. Man sieht, die Kultur hat enormen Druck gemacht, da wurde politisch darauf reagiert. Im Sport macht man Druck und rührt sich natürlich, man (die Politik) stellt sich dann hin und sagt, man ermöglicht etwas. Das stimmt schon, aber man kann uns nicht mit anderen Ländern vergleichen, die ganze Covid-Situation ist kein Wettbewerb zwischen Ländern. Es geht darum regional Maßnahmen zu setzen, die notwendig sind. Wir haben eine Stadionkapazität von 30.000 und 64 Zugänge, wir können die Sektoren abtrennen, und mit fünf Prozent Auslastung jetzt ist jeder 20. Sitz belegt, mit Mund- und Nasenschutz und dazu dürfen die Leute in der Pause oder zur Veranstaltung nichts trinken. Jetzt muss ich mich wirklich fragen, wer sich das noch antut. Welcher Veranstalter und welcher Fan ist noch motiviert ins Stadion zu kommen. Man kann den Sinn dahinter einfach nicht mehr nachvollziehen.“

…über die finanziellen Folgen und dass Salzburg die fehlenden Zuschauereinnahmen nicht so weh tun, wie anderen Vereinen: „Das ist eine legitime Betrachtungsweise, aber es gibt noch andere Klubs in Österreich, die international spielen, denen tut das mehr weh. Bei einem ausverkauften Spieltag mit 30.000 Zuschauern und über 1.000 Mitarbeitern, die im Stadion beschäftigt sind, heute sind es nicht einmal 45 Mitarbeiter, da kann sich jeder ausmalen, dass das wirtschaftliche Folgen hat. Auch für die Region, für die Stadt und alle anderen die am Spieltag mitpartizipieren. (…) Die Folgewirkungen, die solche Entscheidungen haben, sind schon beachtlich. Wir haben durch die Qualifikation für die Champions League eine Ausnahmesituation, wir haben das nicht budgetiert, das ist für uns wirtschaftlich ausgezeichnet, dass das zusätzlich kommt. Nichtsdestotrotz verlieren wir an einem ausverkauften Spieltag wie heute ca. eineinhalb Millionen Euro an Umsatz.“

 

Marko Nikolic (Trainer Lok Moskau):

…nach dem Spiel: „Man kann nicht unzufrieden sein, in der ersten Halbzeit waren wir besser. Ich bin nicht vollends zufrieden. Objektiv gesehen waren wir in der ersten Hälfe besser und Salzburg in der zweiten, da geht der Punkt in Ordnung.“

 

Dietmar Hamann (Sky Experte):

…in einem Videobeitrag vor dem Spiel: „Vielleicht kann sich Salzburg bis zum letzten Spiel die Chance offen halten Atletico von Rang zwei zu stoßen, ich traue es ihnen auf alle Fälle zu. Salzburg hat nichts zu verlieren (…) darin liegt eine große Chance. Bayern und Atletico haben sehr viel zu verlieren, Lok Moskau und Salzburg nicht.“

 

Alfred Tatar (Sky Experte und heutiger Co-Kommentator):

…vor dem Spiel: „Das Spiel heute hat eine enorme Bedeutung, heute muss man punkten, eine Niederlage würde das Ende der Träume bedeuten, um in Europa zu überwintern, Salzburg sollte nicht verlieren. In der Defensive ist Salzburg nicht schwächer geworden, in der Offensive ist man schlechter geworden im Vergleich. Ich denke sie werden ihr übliches Spiel durchzeihen, vorne attackieren in der generischen Hälfte, sehr viele Bälle im Angriff tief spielen, mit sehr schnellen Pässen. Szoboszlai muss in solchen Partien zeigen, dass er reif für große Vereine ist, er muss international beweisen, dass er sich durchsetzen kann. Alle Augen werden heute auf ihn gerichtet sein.“

…über Lok Moskau: „Lok hat als Eisenbahnverein ein enorm hohes Renommee, Fans in ganz Russland. Die russische Liga ist sehr schwierig, man weiß nie was passieren wird, man kann zuhause und auswärts immer verlieren. Lok setzt auf gute Kontrolle, ist sehr gut organisiert, ein reaktiver Fußball, während Salzburg einen aktiven Fußball spielt. Nikolic ist ein unbeschriebenes Blatt, es ist kein Honiglecken als Trainer, verschiedene Strömungen, jeder will Einflüsterer sein, da musst du eine harte Haut haben.“

…nach dem Spiel. „Ich habe sehr gemischte Gefühle, Salzburg hat mich in Summe nicht überzeugt, mittendrin haben wir das alte Salzburger Gesicht gesehen, da hat man das Spiel gedreht. Das muss man über 90 Minuten schaffen. Es war nicht dieses Salzburg, von dem wir verwöhnt sind. Lok hat sich den Punkt redlich verdient. Lok ist eine abgebrühte Mannschaft, sie sind in der Lage, wenn der Gegner nicht in Höchstform agiert, einen Punkt zu holen. Lok ist auswärts stärker als zuhause. Es werden im Rückspiel die Chancen für Salzburg größer sein, als sie es heute waren.“

 

Marc Janko (Sky Experte):

…vor dem Spiel. „Es ist wieder ein Schritt Richtung Normalität, besser 3.000 Leute als gar keine. Heuer hat es Salzburg aus eigener Kraft geschafft, sie haben sich das verdient, ich freue mich auf spannende Europacup-Nächte. Offensiv hat man letzte Saison mit den ganz großen Klubs phasenweise mithalten können, auf diesem Level wirst du aber beinhart für jeden Fehler bestraft, die ganze Mannschaft muss kompakt sein. Lok hat eine technisch versierte Mannschaft, die gut organisiert ist. Den Gegner unter Druck zu setzen, könnte den Salzburgern in die Karten spielen und der Spielanlange der Salzburger entgegenkommen.“

…in der Halbzeit: „Solche Klassespieler sind für solche Momente da, ein Traumtor von Dominik Szoboszlai. Salzburg ist zu weit von den Männern weggestanden, es wurde das eine oder andere Mal gefährlich vor dem Tor der Salzburger. Jesse Marsch hat auf die Raute umgestellt und Zlatko Junuzovic hinter die Spitzen geschoben, die beste Position für ihn, das Bindeglied zwischen Verteidigung und Angriff.“

…nach dem Spiel: „Auf dem Unentschieden kann man aufbauen. Es war ein durchwachsener Start, wir haben uns mehr erhofft. In der ersten Halbzeit war Lok besser, in der zweiten Salzburg. Man hat bei Salzburg nicht dieses Selbstverständnis von letzter Saison gespürt, es ist auch eine ganz andere Mannschaft am Werk, auch von individueller Klasse. Man hat aber Qualität verloren. Die Salzburger Mannschaft war nach der Halbzeit bissiger, ich kann mir vorstellen, dass Jesse Marsch ihnen gesagt hat, dass sie mehr beim Mann stehen sollen und die Ketten versuchen zu überspielen. Sie sind mehr über die Seiten gekommen und so sind gefährliche Situationen entstanden. In der ersten Halbzeit war es zu zögerlich, sie wollten nicht ins offene Messer laufen, man hat das Gefühl gehabt, dass sich die Salzburger Mannschaft erst finden musste in dieser Champions League Saison. Am Schluss hatten beide Riesenchancen den Lucky Punch zu setzen. Bei Lok sind sehr gute Einzelspieler am Werk, den 11-Freunde-Myhtos gibt es in Russland eher nicht so, es sind qualitativ sehr gute Spieler, sie kommen selten über das Kollektiv. Salzburg hat noch alles in der Hand. Im Großen und Ganzen war es ein positiver Start, Salzburg ist nach einem Rückstand zurückgekommen. Lok im Rückspiel besser unter Druck setzen und die Salzburger können das besser.“