Junges ÖBV-Nationalteam sucht nach einem Spielgestalter
Österreichs junge Basketball-Garde hat bereits ihr Potenzial gezeigt. Auf den ersten Sieg in der WM-Qualifikation müssen Fynn Schott und Co. nach drei Partien aber weiter warten.
Nach einer 71:81-Heimniederlage gegen die Niederlande soll dieser am Sonntag (14.30 Uhr) im Rückspiel in Den Haag gelingen. „Wir müssen aber objektiv sein, es wird hart“, erklärte Teamchef Aramis Naglic der APA. Der seit Herbst amtierende Kroate vermisst vor allem die Spielmacher im Land.
Durch mehrere Ausfälle lag die Kreativ-Verantwortung gegen die dynamischen Niederländer in Wien fast ausschließlich auf dem 33-jährigen Bogic Vujosevic. Der Routinier hielt sein Team mit 23 Punkten bis in die Schlussminute im Spiel. „Ohne ihn wäre es unmöglich zu spielen“, meinte Naglic. „Das ist eines der Dinge, an die der Verband denken muss. Sie müssen jemanden finden, der das von ihm übernehmen kann, der einspringen kann. Ich sehe keinen richtigen Spielmacher auf diesem Level in Österreich.“
Große Zukunftshoffnungen
Die jungen Hoffnungsträger sind groß gewachsen – und im Fall von Schott unter dem Korb zu Hause. Der 19-Jährige überzeugte gegen die Niederländer mit 15 Punkten und 15 Rebounds. Im Sommer wechselt der bisherige Spanien-Legionär wie einst Österreichs NBA-Pionier Jakob Pöltl, der dem Nationalteam während der Saison nicht zur Verfügung steht, zu den Utah Utes. „Es wird eine andere Erfahrung. Es ist das Beste, damit ich mich offensiv weiterentwickeln kann“, sagte Schott über die US-Collegeliga. Tipps von Pöltl will er sich noch holen.
Naglic hob Schotts Einsatz hervor. „Er gibt immer das Maximum, wir können immer auf ihn zählen.“ Der Steirer, der bereits mit 16 Jahren debütiert hatte, schätzt die Entwicklungschancen, die ihm das Nationalteam bietet. „Es ist wichtig, dass man die Spieler so jung wie möglich in das System reinbringt“, meinte Schott. So könne man früh Erfahrung sammeln und „größere Rollen übernehmen, wenn man an der Reihe ist“.
Mit Benjamin Schuch und Debütant Aron Stazic zählen aktuell zwei weitere Teenager zur ÖBV-Rotation. „Wir haben neue Spieler dazubekommen, die gezeigt haben, dass sie auf hohem Level konkurrenzfähig sind“, lobte Vujosevic. Mit den weiteren auf US-Colleges befindlichen Akteuren sehe die Zukunft des österreichischen Basketballs „rosig“ aus. Die junge Garde sei sehr lernwillig, betonte der gebürtige Serbe. „Ich will für sie noch möglichst lange ein Mentor sein.“
Revanche in Den Haag
Das volle Potenzial der Mannschaft habe man aufgrund der Ausfälle noch nicht gesehen, meinte Vujosevic. Neben Pöltl und Topscorer Sylven Landesberg fehlen gegen die Niederländer mit Luka Brajkovic, Marvin Ogunsipe oder Sebastian Käferle weitere wichtige Akteure. Naglic hofft auf das nächste Fenster im Juli mit einem Heimspiel gegen den nach drei Partien ungeschlagenen Spitzenreiter Polen und einem Gastspiel in Lettland. „Mit einem vollen Kader können wir vielleicht an etwas denken.“
Ein Sieg in Den Haag würde die Ausgangsposition entscheidend verbessern. Nur dann hätten die Österreicher die Chance auf den Aufstieg als eines der drei Topteams der Gruppe F noch in der eigenen Hand. „Wir müssen etwas Neues bringen, aber wir müssen auch realistisch sein“, meinte Naglic. „Es wird sehr hart, am Sonntag zurückzukommen und auswärts besser zu sein.“ Keine 48 Stunden liegen zwischen den beiden Partien. „Unsere Spieler sind zerstört, aber wir werden alles geben.“
(APA) Foto: GEPA
