„Kitz-Bilanz“: ÖSV-Männerteam emotional geprüft
Das schlechteste Abfahrtsergebnis bei den Hahnenkammrennen in der Geschichte, die erste Goldene Gams im Slalom für Lokalmatador Manuel Feller – Österreichs Alpinskiteam der Männer ist in Kitzbühel emotional hart auf die Probe gestellt worden. Vor den Winterspielen kommen noch die Rennen in Schladming und Crans-Montana, damit bietet sich für die Nominierten die letzte Chance, die Form zu festigen oder sich noch etwas Selbstvertrauen zu holen.
Mit Kitzbühel-Slalom-Triumphator Feller, Marco Schwarz (Super-G, Riesentorlauf), Vincent Kriechmayr (Super-G) und Stefan Brennsteiner (Riesentorlauf) stellt der ÖSV vier Saisonsieger, weiters auf das Stockerl schafften es im Winter 2025/26 Stefan Babinsky (Super-G) und Raphael Haaser (Super-G). Diese sechs Athleten haben auch realistische Medaillenchancen, den weiteren fünf Olympia-Nominierten dürfen in den vier Einzel-Rennen in Bormio Außenseiterchancen zugebilligt werden. In der Team-Kombi wird es wohl auf die Paarung ankommen.
„Zwei Tage hui, ein Tag pfui“
Bevor es vom Spektakel am Ganslern zu jenem auf der Schladminger Planai weiterging, hieß es nach den übergeschwappten Gefühlen erst einmal für alle durchschnaufen. Nicht zuletzt Slalomsieger Feller nach der Erfüllung seines Lebenstraumes. „Vor der Kulisse, vor so vielen Leuten von mir daheim. Ein großes Dankeschön an meinen Fanclub, der Jahr für Jahr hierhergekommen ist. Es hat Jahr für Jahr nicht funktioniert. Sie haben mich trotzdem hochleben lassen, egal wie es ausgegangen ist.“ Auch er sei dafür belohnt worden, dass er nie aufgegeben habe.
Die Erwartungen seien jetzt wieder höher, auch von sich selbst natürlich, meinte Feller. „Das ist wunderschön, wenn man sieht, wo der Felli das ganze Jahr lang war – schon relativ weit weg. Jetzt hat er sich sukzessive gesteigert“, sagte ÖSV-Sportdirektor Mario Stecher, der von einer „unglaublichen, phänomenalen Fahrt“ im unteren Teil des zweiten Durchgangs sprach. Feller hatte sich von Halbzeitrang vier aus den Sieg vor dem Schweizer Loic Meillard und dem Deutschen Linus Straßer gesichert. Damit würde jetzt ein Ruck durch das Slalomteam gehen, sagte Stecher.
Für die drei Renntage in Kitzbühel vergab er die Prädikate „zwei Tage hui, ein Tag pfui“. Man könne nicht wegleugnen, dass man in der Abfahrt nicht gut gewesen sei. Als Bester war Kriechmayr 13. geworden. „Man hat analysiert und weiß, und das ist das Schöne, wo die Fehler gelegen sind. Daran muss man arbeiten. Die anderen zwei Tage waren sehr, sehr gut.“ Im Super-G landete Stefan Babinsky als Dritter auf dem Podest, Raphael Haaser schrieb als Vierter an, Kriechmayr als Siebenter. „Das zeigt, dass wir eine intakte Mannschaft sind.“
Pfeifer steht hinter seinen Männern
Cheftrainer Marko Pfeifer, der als früherer, langjähriger Slalom-Coach ein enges Verhältnis zu Feller hat, ist bekannt dafür, seinen Athleten Deckung zu geben. Und das nicht nur im Erfolgsfall. „Hinter diesen Männern stehe ich auch. Die arbeiten auch hart“, sagte er auf die Abfahrts-Performance angesprochen. „Es war ein harter Tag. Es nimmt sich ein jeder sehr zu Herzen. Wir sind am Abend mit den Läufern zusammengesessen, es sind alle hiergeblieben. Wir werden da auch wieder Stärke zeigen. Ich stehe zu hundert Prozent hinter den Athleten.“ Es sei insgesamt ein gutes Wochenende gewesen, es werde auch in der Abfahrt wieder anders kommen, meinte er.
(APA)
Beitragsbild: GEPA
