„Kritischer Punkt überschritten“: Säumel fordert Neuzugänge für Sturm

Trotz eines letztlich ungefährdeten 3:0-Derbysieges gegen den GAK steht Meister Sturm Graz keine ruhige Woche bevor. Wegen einer immer dünner werdenden Personaldecke fordert Trainer Jürgen Säumel, auf dem Transfermarkt aktiv zu werden.

Offensivmann William Böving steht unmittelbar vor dem Abgang. Dazu mussten die Schlüsselspieler Jon Gorenc Stankovic und Otar Kiteishvili im Derby angeschlagen ausgetauscht werden.

„Was den Kader betrifft, haben wir den kritischen Punkt bereits überschritten. Wir müssen nachlegen, wenn wir die Ziele der letzten Jahre erreichen wollen“, betonte Säumel. „Die Länderspielpause muss in dieser Hinsicht gut genützt werden.“ Verpflichtungen sind in der heimischen Bundesliga bis Freitag möglich. Bis Dienstag müssen aber die Kader für die Europa-League-Ligaphase gemeldet werden.

Böving wird jenem von Sturm aller Voraussicht nach nicht mehr angehören. Der Däne hatte den Club am Freitag von seinem Wechselwunsch informiert, stand gegen den GAK nicht im Aufgebot. Als mögliche Destinationen werden Mainz 05, der Hamburger SV, Olympique Lyon und Girona gehandelt. Sturm dürfte mehr als drei Millionen Euro Ablöse kassieren – eine mögliche Basis für dringend benötigte Verpflichtungen.

Säumel wird deutlich: „Brauchen noch Verstärkung“

Parensen: „Möchten noch etwas machen“

Im Derby besetzte Säumel nicht einmal seine Ersatzbank voll. „Man muss schon sagen, dass die Quantität zu wünschen übrig lässt“, gestand Sport-Geschäftsführer Michael Parensen auf Sky. Verstärkungen seien in allen Mannschaftsteilen möglich.

„Fakt ist, dass wir noch etwas machen möchten“, sagte Parensen. Ob das bis Transferschluss gelinge, sei aber offen. „Wir haben eine Basis, bei der wir davon ausgehen müssen, dass wir Transfererlöse lukrieren, von denen wir dann wieder etwas ausgeben können.“

Parensen zu Böving: „In den nächsten Stunden kann noch einiges passieren“

Sturms Lazarett vergrößerte sich zu einem ungünstigen Zeitpunkt: Gorenc Stankovic schied mit einer Schulterverletzung aus, Kiteishvili mit einer Oberschenkelblessur. „Ich hoffe, dass es bei beiden nicht allzu schlimm ist“, sagte Säumel. „Es sind ja beide auch Schlüsselspieler für uns.“ Untersuchungen folgen. Auch bei Arjan Malic müsse man abwarten. Der Bosnier fällt wegen eines Knochenmarködems in der Wade einige Zeit aus.

Im Finish des Derbys half daher Sturm-II-Kapitän Gabriel Haider als Rechtsverteidiger aus. Für den 23-Jährigen waren es die ersten Einsatzminuten bei den Profis. Dazu überzeugte der für den verletzten Gorenc Stankovic eingewechselte Eigenbauspieler Jacob Hödl. „Ich glaube einfach, dass die Energie gestimmt hat, die wir auf dem Platz hatten“, sagte der 18-Jährige. „So können wir weitermachen.“ Sonderlob von Säumel gab es für Doppeltorschütze Seedy Jatta: „Ich freue mich sehr für ihn. Er wurde ja vom Publikum kritisch gesehen, hat sich aber nie hängen lassen und schon eine gute Vorbereitung gemacht.“

Hierländer über Sturms Kadersituation: „Macht etwas mit der Mannschaft“

GAK jagt weiter ersten Saisonsieg

Beim GAK trauerte man den Geschenken nach, die man dem Stadtrivalen gemacht hatte. „Wir waren zu nett, müssen mehr Gier entwickeln“, erklärte Trainer Ferdinand Feldhofer. „Wir haben in den entscheidenden Momenten die Fehler gemacht. Da müssen wir uns selber bei der Nase nehmen.“ Nach sechs Pflichtspielen ist sein Team in dieser Saison noch sieglos. In der Liga gelang saisonübergreifend in zehn Partien nur ein voller Erfolg.

Das soll sich nach der Länderspielpause im Gastspiel bei Liga-Schlusslicht Blau-Weiß Linz ändern. „Wir müssen – und das trainieren wir auch immer – mehr Spieler in den gegnerischen Strafraum bringen“, forderte Feldhofer. Von der Stimmung in seinem ersten Grazer Derby als GAK-Trainer war der frühere Sturm-Verteidiger angetan. „Ich habe das sehr genossen. Das war eine super Werbung für den steirischen, aber auch für den österreichischen Fußball“, meinte Feldhofer.

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