Leverkusen braucht nach Bayern-Machtdemo „fast ein Wunder“

Bayern München hat die Kräfteverhältnisse im deutschen Fußball zurechtgerückt. Der 3:0-Sieg am Mittwoch im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League war eine klare Ansage an Meister Bayer Leverkusen. Mitte Februar im Ligaschlager in Leverkusen hatten die Münchner noch ein schmeichelhaftes 0:0 und ihren Acht-Punkte-Polster an der Tabellenspitze gerettet. Nun ist man in der Königsklasse klar auf Kurs. „Wir brauchen fast ein Wunder“, gestand Leverkusen-Trainer Xavi Alonso.

Der Baske sprach nach der Abfuhr in München von einem „bitteren Moment“. Im siebenten Duell verlor Alonso erstmals als Bayer-Coach gegen seinen Ex-Club. „Es lief alles gegen uns, woran wir auch selbst Schuld waren“, meinte der 43-Jährige. Aufgeben wollte er vor dem Rückspiel kommenden Dienstag aber noch nicht: „Wir müssen zurückkommen. Es ist nicht vorbei, bis es nicht vorbei ist.“ Ähnlich sah das sein Leithammel Granit Xhaka: „Wenn wir in Führung gehen, kann alles passieren. Wir werden nicht aufgeben.“

Auf den Sieger wartet im Viertelfinale aller Voraussicht nach Italiens Meister Inter Mailand, der sich im Hinspiel bei Feyenoord Rotterdam mit 2:0 durchsetzte. Auf derselben Rasterhälfte könnten sich den Bayern danach noch der FC Barcelona oder Borussia Dortmund in den Weg stellen. Der Traum vom „Finale dahoam“ wird in München längst geträumt – nicht zuletzt von Matchwinner Harry Kane, der nach eineinhalb Bayern-Jahren immer noch auf den ersten Clubtitel seiner Karriere wartet.

Kane mit Glanzleistung und Elferserie

„Das war ein echt großer Schritt in die richtige Richtung“, sagte Kane nach seiner Gala samt Doppelpack gegen Leverkusen. „Die Hälfte des Jobs ist erledigt.“ Es seien „wahrscheinlich“ seine beiden bisher wichtigsten Tore für die Bayern gewesen, meinte der 31-jährige Engländer. Kane war auf dem Platz fast überall zu finden, traf per Kopf und per Elfmeter. Vom Punkt war er in allen Bewerben zum 30. Mal in Folge erfolgreich. Seinen bisher letzten Elfer hat Kane im WM-Viertelfinale 2022 gegen Frankreich verschossen.

Trotz der eindrucksvollen Vorstellung war bei den Bayern nicht alles eitel Wonne. Torhüter Manuel Neuer zog sich beim Jubel nach dem 2:0 durch Jamal Musiala einen Muskelfaserriss in der Wade zu und fällt damit mehrere Wochen aus. Dazu kommt die anhaltende Unsicherheit um Schlüsselspieler Joshua Kimmich, dessen Vertrag mit Saisonende ausläuft. Ihr jüngstes Angebot auf Verlängerung haben die Bayern zurückgezogen.

Bayern muss vorerst auf Manuel Neuer verzichten

„Der Ball liegt nicht bei mir“, sagte Kimmich. Offenbar wollte der Club schon vor den CL-Duellen mit Leverkusen Klarheit haben. Kimmich zierte sich, kündigt nun aber „zeitnah“ eine Entscheidung an, wie es bei ihm weitergehe. „Spätestens vor der Länderspielpause“, meinte der 30-Jährige. Das wäre in den kommenden zehn Tagen. Mehr Planungssicherheit hat ÖFB-Teamspieler Konrad Laimer: Sein Vertrag in München läuft noch bis Sommer 2027.

Torhüter-Helden bei Liverpool und Barcelona

Englands Tabellenführer und Fast-Meister Liverpool wusste nach einem äußerst glücklichen 1:0-Sieg bei Paris Saint-Germain, bei wem man sich zu bedanken hatte. „Ich hatte schon viele gute Spieler als Trainer, aber nie den besten Torhüter der Welt – bis heute“, sagte Trainer Arne Slot über den an diesem Abend herausragenden Alisson Becker. „Er hat gezeigt, dass er der Beste der Welt ist. Hier mit einem Sieg nach Hause zu fahren, ist vielleicht ein bisschen mehr, als wir verdient haben.“

Tatsächlich dominierten die Pariser das Spielgeschehen, bissen sich am Brasilianer aber die Zähne aus – und kassierten im Finish durch Joker Harvey Elliott noch ein schmerzhaftes Gegentor (87.). „Das war einer der größten Raubüberfälle in der Geschichte des Fußballs“, kommentierte der frühere Liverpool-Verteidiger Jamie Carragher im US-Sender CBS. „Ich kann meinen Augen nicht trauen. PSG war unglaublich, sie haben Liverpool in Grund und Boden gespielt.“ 27:2 Torschüsse und 70 Prozent Ballbesitz nützten den Franzosen am Ende aber nichts.

„Es ist oft unfair“: Liverpool gewinnt trotz PSG-Dominanz

Auch nach dem 1:0 des FC Barcelona bei Benfica Lissabon war der Torhüter der gefeierte Held. Nach einer frühen Roten Karte für die 18-jährige Verteidigerhoffnung Pau Cubarsi (22.) hielt Routinier Wojciech Szczesny alles, was es zu halten gab. Dabei hatte der Pole seine Karriere im Sommer eigentlich beendet gehabt. Barca-Trainer Hansi Flick überredete den 34-Jährigen Ende September nach einer schweren Knieverletzung von Marc-Andre ter Stegen zu einer Rückkehr ins Profigeschäft. „Szczesny war fantastisch“, lobte Flick nach dem Auftritt in Lissabon. „Mit jedem Spiel bekommt er mehr Selbstvertrauen, daher verteidigen wir auch besser. Es war eine Kollektivleistung von allen.“

Werbung

(APA) Foto: Imago