Make your Move #27: “Ein echter Schwan”

von Gerfried Pröll

Wie hält sich Daniel Friedrich während der Zwangspause fit? Mit regelmäßigen Workouts am Ufer des Traunsees. Wie es sich für einen echten Schwan eben gehört.

Der Point Guard der Gmunden Swans ist eigentlich ein Wiener, hat im Salzkammergut aber längst ein zweites Zuhause gefunden. Der 28-Jährige lebt gemeinsam mit seiner Freundin, einer Oberösterreicherin, in Altmünster. Die Beiden machen Wanderungen am Gmundnerberg oder am Grünberg und genießen den wunderschönen Frühling. Kumpel Enis Murati wohnt nur ein paar Gassen weiter. Da geht sich immer wieder ein Tratscherl am Gartenzaun aus. Die perfekte Idylle. Kein Wunder, dass nach dem Abbruch der Meisterschaft kaum ein Swan abgereist ist. Nur Güttl, Loverigde, Ogunyemi und Assistant Coach Koskinen sind weg.

Foto: GEPA pictures/ Jasmin Walter

Auch der Schwede Charles Barton und der finnische Headcoach Anton Mirolybov haben es vorgezogen, die Corona-Krise in Gmunden zu überdauern. „In einem Monat dürfen wir hoffentlich wieder in die Halle. Dann werde ich unter Anleitung von Anton individuell trainieren und endlich wieder den Ball in Händen halten. Darauf freue ich mich am meisten“, sagt Friedrich. Der Spielmacher hat definitiv die beste Saison seiner Karriere hinter sich – und durfte sie nicht zu Ende spielen. Daniel Friedrich hätte gute Chancen gehabt, zum Most Valuable Austrian Player gewählt zu werden. Mindestens. „Für uns ist der Abbruch doppelt bitter. Es war die beste Gelegenheit seit langem, Meister zu werden.“

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Die Gründe für seine konstanten Topleistungen sind für Friedrich so klar wie der Traunsee. In der Vorbereitung sei ihm aufgefallen, dass er nach Enis Murati der zweitälteste im Kader ist. „Da hab ich mir gedacht: Jetzt wird’s Zeit, mehr Verantwortung zu übernehmen.“ Das Konzept von Anton Mirolybov sei ihm dabei zugute gekommen. „Wir hatten keine dominanten Innenspieler. Da gab es für mich viel Platz, um in die Zone hineinzuziehen. Und den habe ich genutzt.“ Wegen der Verletzungen von Linortner und Ogunyemi haben die verbliebenen Schwäne mehr Spielzeit bekommen als sonst. Und sind dadurch immer homogener geworden. „Auch Toni Blazan war in der Form seines Lebens. Und Jordan Loveridge wird nach seiner Performance wohl schwer zu halten sein“, befürchtet Daniel Friedrich.

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Als Sieger des Grunddurchgangs ist Gmunden berechtigt, die Qualifikation für die Champions League zu bestreiten. „Das klingt wunderbar, ich bin aber vorsichtig. Wer weiß, ob die internationalen Bewerbe wegen der Reisebeschränkungen überhaupt zustande kommen.“ Auch hinter der neuen BSL-Saison stehen noch viele Fragezeichen. Bei den Swans haben bisher nur Benedikt Güttl und Headcoach Mirolybov einen Vertrag für 20/21. Wegen der Unsicherheit in Sachen Legionäre haben die Verhandlungen mit den österreichischen Spielern Priorität. Wie bei allen anderen Klubs bleibt aber zunächst abzuwarten, wie gut mögliche Sponsoren die Krise überstehen. Gar nicht zu reden von einem möglichen Verbot für Hallensportarten über den Sommer hinaus. Daran möchte Friedrich nicht denken. Auch Geisterspiele sind für ihn keine Option. Schon gar nicht in Gmunden. „Wir haben das beste Publikum der ganzen Liga. Heimspiele ohne unsere Fans sind für mich nicht vorstellbar!“

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Beitragsbild: GEPA