Make your Move #28: Der nächste Schritt

von Gerfried Pröll

„Es waren vier wunderschöne Jahre in Oberwart. Aber jetzt ist es an der Zeit, den nächsten Schritt zu setzen.“ Renato Poljak spricht Klartext. So kennen wir ihn. Und er weiß natürlich auch, dass der Zeitpunkt nicht gerade der beste ist. „Meine Karriere würde es jetzt erlauben, ins Ausland zu gehen. Aber die Welt erlaubt es offenbar nicht.“

Der 23-jährige Wiener scheint trotzdem fest entschlossen, neue Erfahrungen sammeln zu wollen. „Ich schaue mir jetzt in Ruhe an, in welcher europäischen Liga im Herbst gespielt wird und in welcher nicht. Und dann entscheide ich.“ An Angeboten mangelt es dem Inside-Spieler klarerweise nicht. Renato Poljak ist ein sehr vielseitiger Big Man. Er besticht durch aggressive Defense, aber auch durch treffsichere Distanzwürfe. Und er ist die aktuelle Nr. 1 in der österreichischen 3×3 Rangliste.

Eine Folge seines Fleißes im vergangenen Sommer. Poljak hat nicht nur im 3×3 Nationalteam gespielt (mit Toni Blazan, Moritz Lanegger und Matthias Linortner), sondern auch im U23-Nationalteam (mit Linortner, Jakob Szkutta, Martin Trmal und Aleksandar Andjelkovic).

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Das Entscheidende: Es hat ihm viel Spaß gemacht. „3×3 ist unglaublich körperbetont. Die Schiedsrichter lassen das Spiel laufen und pfeifen eigentlich nur, wenn es disziplinäre Vergehen gibt.“ Sobald es wieder möglich ist, wird Poljak Österreich im 3×3 vertreten. Ein noch größeres Anliegen ist ihm aber, im 5×5 Nationalteam eine echte Perspektive zu haben.

Renato hat die Position des Power Forward im Visier, auf der derzeit meist der 36-jährige Davor Lamesic spielt. „Ich bin ein großer Fan von Davor. Er ist ein Vorbild und ein richtig guter Typ. Es wäre mir eine Ehre, ihm auf der Vierer-Position nachfolgen zu können“, weiß Poljak ganz genau, was er will.

Und er hat mit dem Nationalteam Großes vor. „Wenn jeder von uns seine persönliche Entwicklung noch ein Stück vorantreibt, kann das eine Riesensache werden. Das Potenzial dafür ist vorhanden.“ Auch aus diesem Grund trainiert Renato unbeirrt weiter. Auch in Krisenzeiten. Jeden Tag, stundenlang. „Ich hab das große Glück, diesen Spuk nicht in der Großstadt überdauern zu müssen. Ich verbringe die Zwangspause bei meiner Freundin in Leobersdorf.“ Dort hat sich der Nationalspieler eine kleine Kraftkammer eingerichtet. „Außerdem habe ich mir vor kurzem einen Korb gekauft. Jetzt wird geworfen, als ob es kein Morgen gäbe.“

Glücklicherweise wird es ein Morgen geben. Und zwar dann, wenn wir alle aus diesem Albtraum wieder erwachen. Renato Poljak vielleicht als Legionär in einer starken europäischen Liga. Es ist ihm zu gönnen.

Make your Move #27: “Ein echter Schwan”

Bild: GEPA