Make your Move #30: Der Rekordmann

von Gerfried Pröll

691 Bundesliga-Spiele! Kein Österreicher hat mehr bestritten. 15 Mal All-Star! Niemand ist öfter nominiert worden. Davor Lamesic von den Flyers Wels ist der Rekordmann unter den BSL-Spielern.

In 20 Jahren in der höchsten Spielklasse hat der Power Forward 9554 Punkte erzielt, das sind durchschnittlich knapp 14 pro Spiel. In der abgelaufenen Saison hat der mittlerweile 36-jährige Wiener sogar knapp 17 Punkte pro Partie erzielt. Im Nationalteam ist Davor Lamesic nach wie vor eine fixe Größe. Zuletzt hat er gegen Slowenien sein 100. Spiel für Österreich absolviert. Dabei haben sich die Wege von Lamesic und Raoul Korner wieder gekreuzt. Zum wiederholten Mal in der Karriere beider.

„Es war wunderschön, nach vielen Jahren wieder mit Raoul zusammenzuarbeiten. Er hat sich in der Zwischenzeit erneut auf allen Ebenen weiterentwickelt“, schwärmt Lamesic. „Als ich 15 war, hab ich ihn gehasst. Da hat er mich und meine Kollegen von WAT Wieden in Schönbrunn die Serpentinen zur Gloriette hinaufgejagt“, lacht Davor. „Mittlerweile ist er mein Mentor, mein Wegbegleiter und ein guter Freund.“ Dass Lamesic im Nationalteam auf der Vierer-Position mit 36 noch immer unumstritten ist, sieht er als Ansporn und Kompliment. „Offenbar hab ich ein hohes Spielverständnis und taktische Qualitäten entwickelt, die gefragt sind.“ Ein bis zwei „International Breaks“ möchte er noch anhängen. Wann immer die auch stattfinden werden.

Beim Thema Corona wird Lamesic laut und nachdrücklich: „Ich sage dir eins, Gerfried! Irgendwann wird auch dieser Spuk vorbei sein. Und dann sind wir alle wieder live bei Sky zu sehen. Du, ich und mein Kumpel Tilo Klette.“ Meine Antwort: „Ja, ganz sicher. Und vielleicht auch noch ein anderer Oldie, mit dem keiner mehr rechnet.“ Die Rede ist von Stjepan Stazic. „Ja, ich traue ihm das zu. Wenn das einer schafft, dann Stjepan mit seiner unglaublichen Mentalität. Wegen einer Verletzung hört er sicher nicht auf“, vermutet Lamesic. Die Corona-Krise verbringt Davor im Haus seiner Schwester im Wiener Stadtteil Jedlesee im 21. Bezirk. Und zwar auf eine sehr sinnvolle Art und Weise. „Während Schwester und Schwager arbeiten, passe ich auf meinen dreijährigen Neffen auf. Er liebt mich heiß – und ich ihn auch.“ Onkel Davor ist dabei ganz schön gefordert, aber er erfüllt auch diese Rolle mit großer Leidenschaft.

Genauso wie die Rolle des Kapitäns und Leaders bei den Flyers. „Ich fühle mich in Wels seit elf Jahren unheimlich wohl. Sollte ich von gröberen Verletzungen verschont bleiben, hänge ich sicher noch ein paar Jahre an. Es ist ähnlich wie bei Tilo. Wir sind eben Basketballer durch und durch!“ Und wie Klette kann sich auch dessen Trauzeuge Lamesic ein späteres Berufsleben ohne Basketball kaum vorstellen. „Es wäre ein Traum, den Weg nach der Laufbahn weiter zu gehen. Ob als Funktionär oder als Trainer, weiß ich noch nicht.“ Klette hat seinen Weg schon eingeschlagen und arbeitet zusätzlich als Athletik-Trainer der Profis. Dabei geht es ihm vor allem um die Beweglichkeit der Spieler. „Ich bin ja nicht gerade ein Sprungmonster. Aber dank Tilos Übungen springe ich jetzt so hoch wie lange nicht mehr!“, schmunzelt Lamesic. Der 36-Jährige hebt also weiterhin ab. Wie es sich für einen richtigen Flyer gehört.

Make your Move #29: Von der Halle auf die Bühne

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Beitragsbild: GEPA.