Make your Move #31: Der Verein lebt wieder

von Gerfried Pröll

Der Fürstenfelder Christoph Nagler hat in seiner Karriere so ziemlich alles erreicht, was man als Basketballer in Österreich erreichen kann. Er war Meister und Cupsieger mit Klosterneuburg, er ist 2012 zum Finals MVP sowie insgesamt dreimal zum Austrian MVP gewählt worden – und er hat jahrelang im Nationalteam gespielt.

Ein großes Ziel hat Nagler aber noch: Er möchte seinen Heimatklub, die Fürstenfeld Panthers (Meister 2008), wieder zu einem gesunden, intakten Verein machen. Gemeinsam mit seiner Frau Hajnal, Präsident Pit Stahl und Kassier Erich Feiertag. „Als ich 2018 die Funktion des Sportlichen Leiters übernommen habe, war der Verein praktisch tot. Kein Geld, keine Eigenbauspieler, kein Nachwuchs. Mittlerweile haben wir dem Verein neues Leben eingehaucht“, freut sich Nagler über den ersten Teilerfolg.

Begonnen hat alles mit rund 20 Nachwuchsspielern aus der Region, die Hajnal Nagler (früher Assistant Coach von Dukes-Trainer Werner Sallomon in der Bundesliga) unter ihren Fittichen hat. Für die kommende Saison gibt es zahlreiche neue Anmeldungen. „Die Kinder allein sind es aber nicht. Plötzlich sind Eltern, Tanten und Großeltern auch wieder in der Halle. Es gibt wieder gemeinsame Ausflüge und Feiern. Eben ein echtes Vereinsleben!“, schwärmt Christoph Nagler.

Und das soll nur der Anfang sein. Ziel ist es, einen Grundstock an Eigenbauspielern für die Bundesliga zu schaffen. „Das wird sechs bis zehn Jahre dauern. Positive Beispiele wie Güssing, Timberwolves und Flames zeigen aber, dass dieser Weg der einzig richtige ist.“

Die Versäumnisse der früheren Klubführung liegen Nagler schwer im Magen. „Unsere Vorgänger haben Einiges verbrochen und nur auf die Profis geschaut. Im Nachwuchs wurde nichts gemacht, wirklich null!“ Kein Wunder, dass der Rückhalt in der Bevölkerung kaum noch da war. „Wir versuchen jetzt, das Vertrauen der Leute Schritt für Schritt zurück zu gewinnen. Mittlerweile steht auch die Stadtgemeinde wieder hinter uns“, berichtet Nagler.

Christoph Nagler // GEPA

Ein hartes Stück Arbeit. Vor allem wenn es darum geht, Sponsoren zu gewinnen und den Verein auf gesunde Beine zu stellen. „Dazu brauchen wir das Bundesliga-Team weiterhin als Zugpferd. Und es wird uns vorerst auch nichts anderes übrig bleiben, als Legionäre aus den Nachbarländern zu verpflichten.“

Mittelfristig kann sich Nagler eine Rückkehr in die höchste Spielklasse durchaus vorstellen. Und er plädiert dafür, die BSL auf zwölf Vereine aufzustocken. „Dann würde auch die Zwischenrunde mehr Sinn machen. Mit sechs Klubs in der Platzierungs- und sechs Klubs in der Qualifikationsrunde.“ In der abgelaufenen Saison waren die Panthers gerade ins Semifinale der 2. Bundesliga eingezogen, als die Meisterschaft abgebrochen werden musste. „Schade! Wir hätten gute Chancen auf die Relegation gehabt. Aber Corona hat alles über den Haufen geworfen.“

Über eine andere Folge der Pandemie ärgert sich Nagler aber noch viel mehr. In Österreich sei es wichtig, dass Kaffeehäuser offen haben und Fußball gespielt wird. Die Hallensportarten lasse man völlig im Stich. „Wie soll ich einem kleinen Buben erklären, dass er möglicherweise erst wieder 2021 in die Halle darf?“ Im Nachbarland Ungarn werde schon fleißig in den Hallen trainiert. Und wer weiß, vielleicht auch bald wieder im gar nicht so weit entfernten Fürstenfeld.

Make your Move #30: Der Rekordmann

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Beitragsbild: GEPA