Mateo Retegui: Vom argentinischen Hockeyspieler zu Italiens neuer Sturmhoffnung
Der Name Mateo Retegui dürfte vielen Fußball-Fans in Europa bislang unbekannt gewesen sein. Gleich bei seinem ersten Auftritt für Italiens Nationalteam im EM-Qualifikationsspiel gegen England hat sich der Angreifer aber einen Namen gemacht. Dabei hatte Retegui zuvor noch kein einziges Spiel in Europa absolviert und wäre fast in einer anderen Sportart gelandet.
Doch wie kommt der Argentinier überhaupt dazu, für Italien zu spielen?
Geboren wurde Retgui 1999 in San Fernando, Argentinien. Fußballerisch groß wurde der Angreifer in den Jugendteams der argentinischen Topklubs River Plate und Boca Juniors, im Alter von 17 Jahren schaffte er den Sprung in den Profikader von Boca.
Durchsetzen konnte sich Retegui in jungen Jahren jedoch nicht, es folgten drei Leihstationen in Argentinien. Während es bei den ersten beiden Leihen noch nicht rund lief, startete der 1,86 Meter große Mittelstürmer beim argentinischen Erstligisten CA Tigre richtig durch und krönte sich vergangene Saison mit 19 Treffern zum Torschützenkönig. Auch in der neuen Saison hat Retegui in acht Spielen schon sechs Treffer erzielt.
Italienischer Großvater
Die starke Trefferquote rief schließlich Italiens Nationaltrainer Roberto Mancini auf den Plan, der Retegui für die März-Länderspiele in den Kader der Suqadra Azzurra berief.
Möglich ist dies, weil Reteguis Großvater mütterlicherseits ursprünglich aus Sizilien stammt. Nur durch ihn hat Retegui seine doppelte Staatsbürgerschaft und somit auch den italienischen Pass.
Reteguis Torriecher traf sich bestens mit Italiens verzweifelter Suche nach einem neuen Mittelstürmer. „Wir haben Probleme im Angriff. Er war zwei Jahre lang Stammspieler in der argentinischen Liga. Er hat Qualitäten, die uns leider fehlen. Wir dachten, er würde nicht kommen wollen, aber er hat sofort zugesagt und wir haben ihn geholt“, sagte Teamchef Mancini.
Für Retegui selbst war die Einberufung eine große Ehre, wie er ESPN verriet: „Ich bin überglücklich, nicht nur für mich, sondern auch für meine ganze Familie. Es ist ein sehr wichtiger Schritt, ich bin begeistert, dass ich diese Chance in einer der wichtigsten Nationalmannschaften der Welt bekommen habe.“
Tor beim Länderspiel-Debüt
Bei der 1:2-Niederlage im EM-Qualifikationsspiel gegen England schickte Mancini seinen neuen Stürmer direkt von Beginn an aufs Feld und Retegui zahlte das Vertrauen mit einem Treffer zurück.
Nach feinem Zuspiel von Pellegrini traf der Angreifer eiskalt zum Anschlusstreffer und stellte seine Torjägerqualitäten direkt unter Beweis.
Retegui stammt aus Feldhockey-Familie
Dabei wäre Retegui fast in einer anderen Sportart gelandet: Feldhockey. Der in Argentinien sehr populäre Sport hat neben dem Fußball auch die Kindheit von Retegui geprägt.
„Nachdem er in seiner Jugend bei River Plate nur im defensiven Mittelfeld gespielt hat, hat er den Klub verlassen, weil er auch im Feldhockey sehr gut war – unserem Familien-Sport“, sagte sein Vater Carlos Retegui, ehemaliger Feldhockey-Nationalspieler Argentiniens, der „Gazzetta dello Sport“.
Retegui spielte sogar in der Jugendnationalmeisterschaft, ehe er den Hockey-Schläger schließlich doch wieder gegen den Fußball austauschte.
„Mit 15 hat ihn ein Boca-Scout überzeugt, wieder Fußball zu spielen“, erklärte Vater Carlos die Entscheidung seines Sohnes. Bei den Boca Juniors wurde Retegui schließlich vom Mittelfeldspieler zum Stürmer umgeschult. Eine Entscheidung, die sich schon bald auszahlen dürfte.
Serie-A-Klubs zeigen Interesse
Europäische Klubs, insbesondere aus der Serie A, haben den Angreifer längst auf der Liste.
„Viele europäische Mannschaften haben sich um ihn bemüht und sein Traum ist es natürlich, in Europa zu spielen. Für ihn ist es eine große Ehre und ein großer Stolz, von den Europameistern berufen zu werden“, sagte sein Vater.
Bereits im Winter soll Udinese Calcio an Retegui interessiert gewesen sein, inzwischen wird auch größeren Teams wie der AS Roma oder Napoli Interesse nachgesagt. Egal, welcher Klub am Ende das Rennen macht – früher oder später dürfte Mateo Retegui auch im europäischen Klubfußball auf Torejagd gehen.
(Red.)/Bild: Imago
