Nach acht Jahren: Ofner wagt zweiten Anlauf auf Wimbledon-Achtelfinale
Acht Jahre hat es für Sebastian Ofner gedauert, bis er nach seinem Wimbledon-Sensationslauf in die dritte Runde am heiligen Tennis-Rasen wieder im Hauptfeld angeschrieben hat.
War es 2017 der als Nummer 18 gesetzte Jack Sock, musste diesmal mit Tommy Paul die Nummer 13 und wieder ein US-Ass in der zweiten Runde die Klasse des Steirers anerkennen. Damals war dann gegen Alexander Zverev (Nr. 12) Endstation, diesmal stellt sich am Samstag der Bulgare Grigor Dimitrov in den Weg.
„Kann es nicht glauben“: Als Ofner 2017 in Wimbledon als „Tennis-Falco“ aufzeigte
Die Vorzeichen sind freilich anders als bei Ofners starkem Einstieg in die Grand-Slam-Welt, als er erstmals so richtig in die Schlagzeilen kam. Nun ist er nach dem Rücktritt von Dominic Thiem die erste österreichische Hoffnung auf Major-Erfolge, auch wenn der aufstrebende Filip Misolic derzeit die Nummer eins des Landes ist. Diesen Status wird ihm Ofner auch bei einem Sieg gegen Dimitrov nicht abluchsen, aber bei dann einem weiteren Erfolg – allerdings ginge es da wohl gegen den topgesetzten Jannik Sinner.
Dimitrov war in Ofners Wimbledon-Debütjahr die Nummer drei der Tennis-Welt, als aktuelle Nummer 21 ist er noch immer in der erweiterten Weltklasse. „Er ist natürlich ein unglaublich guter Spieler. Deswegen glaube ich, ich muss wieder eine super Leistung zeigen, damit ich da eine Chance habe“, sagte Ofner vor dem ersten Duell mit dem 34-Jährigen, wegen seines Spielstils einst „Baby Federer“ genannt. Er hat übrigens mit mehr als 30 Mio. Dollar fast das Zehnfache von Ofner an Karriere-Preisgeld geholt.
Dimitrovs Wimbledon-Halbfinale ist elf Jahre her
Elf Jahre ist es her, dass Dimitrov in Wimbledon erst im Halbfinale ausgeschieden ist – gegen Federer. Sonst kam er an der Church Road aber nie über das Achtelfinale hinaus, in dem Ofner auf Grand-Slam-Ebene bisher nur vor zwei Jahren bei den French Open war. Dimitrow hingegen hat auch bei den Australian Open (2017) und den US Open (2019) Halbfinal-Luft geatmet, ein Major-Finale fehlt ihm aber noch. Mit neun ATP-Titeln hat der Junioren-Wimbledonsieger 2008 auch noch nicht so viele Pokale eingeheimst.
An seinen Lauf vor acht Jahren aus der Qualifikation heraus denkt Ofner aktuell nicht. „Es ist schon sehr lange her. Es war natürlich eine super Zeit, weil das ist so aus dem Nichts gekommen“, erinnerte er sich. „Jetzt geht es noch einmal schauen, noch einmal eine Runde weiter.“ Dimitrow ist als Nummer 19 gesetzt und der Dauerbrenner auf Major-Ebene. Dieser Tage bestreitet der Ex-Partner der Russin Maria Scharapowa sein 59. Major in Folge, er hat also seit 2010 keines der vier großen Turniere verpasst.
Ofner fühlt sich für Kampf um Achtelfinale gerüstet
Ofner fühlt sich für das Duell gerüstet. Auch aufgrund des Aufgabe-Sieges zum Auftakt gegen den Serben Hamad Medjedovic stand er bisher nur 4:22 Stunden auf dem Platz, Dimitrov setzte sich gegen den Japaner Yoshihito Nishioka in drei und gegen den Franzosen Corentin Moutet in vier Sätzen durch. Gegen den um fünf Jahre älteren Routinier möchte Ofner an die Leistung ab Satz zwei des Paul-Matches anschließen. „Die Sätze dann waren auf einem wirklich guten Niveau.“
Eine medizinische Auszeit nach dem gegen Paul mit 1:6 verlorenen Auftakt wollte Ofner nicht zu hoch hängen: „Ich habe selber mit mir zu kämpfen gehabt, generell mit meinem ganzen Körper. Ich habe alles ein bisschen gespürt und das hat mich dann ein bisschen gestört am Anfang. Weil es mir eigentlich beim Einschlagen noch recht gut gegangen ist.“ Nach der Pause habe er versucht, auf ein gutes Level zu kommen. „Das hat gut funktioniert.“ Mit 7:5,6:4,7:5 holte er sich die weiteren Sätze und den Sieg.
Ofner hat sich seine heurigen bisherigen Erfolge selbst nicht erwartet, ist er doch nach im Vorjahr an seinen Fersen vorgenommenen Operationen erst im Februar ins Schlagtraining und im März auf die Tour zurückgekommen. „Es war davor eine toughe Zeit. Aber so wie ich reingefunden habe, dann glaube ich auf dem Niveau relativ schnell mitgehalten und Matches gewonnen habe. Das hat mich selber ein bisschen überrascht. Aber natürlich freut mich das mega.“
(APA) / Bild: GEPA
