Nächster Härtetest bestanden: Spanien makellos ins Finale

Nächster Härtetest bestanden: Spanien makellos ins Finale

Spanien führt mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel der Fußball-EM die bisher makellose Turnierbilanz weiter. „La Roja“ spazierte durch die „Hammergruppe“ mit Kroatien und dem bald entthronten Europameister Italien, schaltete im Viertelfinale Gastgeber Deutschland aus und hebelte nun auch Frankreichs Defensive aus. Am Sonntag in Berlin wollen sich die Spanier in ihrem fünften EM-Endspiel zum vierten Mal zu Europas Champion krönen.

„Wir sind nicht hier, nur um ein Finale zu spielen. Wir wollen es auch gewinnen“, sagte Taktgeber Rodri nach dem 2:1 gegen Frankreich zu später Stunde. An Selbstvertrauen mangelt es beim Team von Luis de la Fuente nicht. Der nächste Härtetest wurde bestanden. „Wir spielen unseren Fußball“, meinte Rodri. „Nicht, um jemandem zu gefallen, oder um jemanden von unseren Qualitäten zu überzeugen. Sondern um zu gewinnen.“

Es war nicht das von allen Seiten erwartete Abtasten zwischen den offensiv so starken Spaniern und dem Defensivbollwerk Frankreich. Vielmehr entwickelte sich von Beginn weg ein offenes Spiel, Spanien zeigte dabei eine Reaktion und drehte einen frühen Rückstand innerhalb weniger Minuten. Erst traf Supertalent Lamine Yamal herrlich mittels Schlenzer aus mehr als 20 Metern zum Ausgleich. Dann war es der wieder starke Dani Olmo, der mit einer Einzelaktion für das 2:1 sorgte.

Iberer agierten souverän

In der zweiten Halbzeit verteidigte Spanien das Resultat über die Zeit. Eine französische Schlussoffensive war im Finish nicht auszumachen, zu souverän und ballsicher agierten die Iberer. Brenzlig wurde es für Stürmer Alvaro Morata beim Feiern nach dem Schlusspfiff. Ein Ordner rutschte auf der Jagd nach einem Flitzer aus und dem Kapitän ins Bein. Morata hatte sichtbar Schmerzen, spanische Medien befürchteten eine schlimme Verletzung. Morata gab aber später Entwarnung und bewies Humor. „Gelbe Karte und Punkt“, sagte er auf den ungestümen Ordner angesprochen. Dieser gehört dem spanischen Team an.

Auch De la Fuente ging nicht davon aus, dass der Zwischenfall schwerere Folgen für seinen Angreifer hat. Der 63-Jährige könnte mit einem Sieg am Sonntag seine Serie weiterführen. 2015 wurde er mit Spaniens U19 und 2019 mit der U21-Auswahl Europameister. Die Kritiker sind vorerst verstummt. Nicht das ballverliebte, aber oft brotlose Tiki-Taka, sondern geradliniges Spiel über die junge Flügelzange mit Yamal und Nico Williams zeigt Spanien bei der EM.

Spanien könnte Rekord-Europameister werden

„Ich kenne die Spieler und ich treffe die Entscheidungen danach“, hielt De la Fuente fest. Nichts geschehe aus einer Laune heraus. „Man fragt nach diesem oder jenem Spieler, obwohl man die Geschichte hinter jedem einzelnen nicht kennt. Wir wissen es – ich und der technische Stab – und ich weiß, dass meine Spieler noch viel mehr geben können und dass sie sich verbessern und noch besser werden können“, richtete er seinen Kritikern aus. Die Spieler seien „individuell fantastisch“, aber würden auch als Team funktionieren. „Sie arbeiten immer für das Gemeinwohl, für das Kollektiv.“

Die Spanier stehen zum fünften Mal in einem EM-Finale. Dreimal konnten sie bisher den Titel holen (1964, 2008, 2012), 1984 setzte es die einzige Finalniederlage gegen den damaligen Gastgeber Frankreich. In Berlin kann Spanien Deutschland distanzieren und zum alleinigen Rekord-Europameister aufsteigen.

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(APA)/Bild: Imago