July 7, 2021, Tampa, Florida, USA: Tampa Bay Lightning right wing Nikita Kucherov 86 on the ice against the Montreal Canadiens during third period action of Game 5 of the Stanley Cup Finals at Amalie Arena on Wednesday, July 7, 2021 in Tampa. Tampa USA - ZUMAs70_ 20210707_zan_s70_334 Copyright: xDirkxShaddx

NHL-Saisonvorschau Teil 4: Atlantic Division

von Mathias Blaas

Am 12. Oktober ist es soweit: Die National Hockey League startet in die neue Saison. Rund 300 Spiele der besten Eishockey-Liga der Welt werden live auf Sky zu sehen sein.

Wenige Tage vor Beginn der Saison stellt Sky-Redakteur Mathias Blaas alle 32 NHL-Teams etwas genauer vor: Im vierten und letzten Teil werden die acht Franchises der Atlantic Divison unter die Lupe genommen.

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Boston Bruins: Die Perfection Line

Eines der konstantesten Teams der NHL sind die Boston Bruins. Das traditionsreiche Franchise aus Massachusetts verpasste in den letzten 14 Jahren nur zweimal die Playoffs, 2011 gewann Boston den Stanley Cup, 2013 und 2019 folgten zwei weitere Finalteilnahmen. Die Achse um Kapitän Patrice Bergeron, Brad Marchand, Zdeno Chara, David Krejci und Goalie Tuukka Rask war in den vergangenen Jahren immer zuverlässig. Die glorreichen Jahre sind aber nicht spurlos an den Stars der Bruins vorbeigegangen: Der Vertrag mit Chara (44) wurde letztes Jahr nicht mehr verlängert, Krejci (35) und Rask (34) verließen das Team in diesem Jahr. Das routinierte Team hat es dennoch geschafft, junge Spieler wie Charlie McAvoy, Brandon Carlo, Jeremy Swayman und David Pastrnak ins Team zu integrieren. Außerdem konnte der Kontrakt mit Taylor Hall verlängert werden. Die erste Angriffsreihe bestehend aus Marchand, Bergeron und Pastrnak wird in Nordamerika als „Perfection Line“ bezeichnet, das Trio entscheidet Spiele häufig im Alleingang. Die Achillesferse könnte in der bevorstehenden Saison die Torhüter-Position sein: Der junge Swayman und Neuverpflichtung Linus Ullmark müssen in große Fußstapfen treten, auch wenn Rask vielleicht im Laufe des Jahres zu den “Bees” zurückkehren könnte. De Bruins zählen dennoch zu den erweiterten Favoriten auf den Gewinn des Stanley Cups, alles andere als eine Playoff-Teilnahme wird von erfolgsverwöhnten Boston-Fans ohnehin nicht geduldet.

Brad Marchand, Patrice Bergeron und David Pastrnak. Bild: Imago

Buffalo Sabres: Die totale Implosion

Bei den Buffalo Sabres läuft seit einem Jahrzehnt alles drunter und drüber: Zuletzt erreichte das Franchise in der Saison 2010/11 die Playoffs, diese Durstrecke dürfte so schnell kein Ende nehmen. Superstar Jack Eichel fordert seit mehreren Monaten einen Trade, der Center kann sich eine Zukunft in Buffalo nicht vorstellen. Mit Verteidiger Rasmus Dahlin steht derzeit nur ein Unterschiedsspieler im Kader. Die meisten Eishockey-Experten stufen die Sabres sowohl in der Atlantic Division als auch in der gesamten NHL ganz hinten ein. Die Jack Eichel Saga prophezeit die totale Implosion der Sabres, die das langjährige Team von Thomas Vanek weiter zurückwerfen könnte. Playoffs? Keine Chance.

Rasmus Dahlin. Bild: Imago

Detroit Red Wings: General Manager Steve Yzerman

Die Detroit Red Wings sind eines der erfolgreichsten Franchises der NHL-Historie. Zwischen 1991 und 2016 erreichte das Team aus Michigan jedes Jahr die Playoffs – eine Rekordmarke. Seitdem verpassten die Red Wings fünfmal in Folge die Post Season, das Franchise musste einen Umbruch einleiten. Klub-Legende Steve Yzerman übernahm 2019 den Posten als General Manager, er stellte zuvor den Stamm der Tampa Bay Lightning zusammen, die 2020 und 2021 den Stanley Cup gewannen. Nun erhoffen sich die Detroit-Fans eine ähnliche Entwicklung bei ihrer Mannschaft: mit dem Deutschen Moritz Seider, Lucas Raymond, Simon Edvinsson und Co. ist der Talente-Pool der Red Wings tief, dennoch müssen sich die jungen Spieler erst auf dem NHL-Level beweisen. Eine Rückkehr in die Playoffs scheint in dieser Saison fast unmöglich, immerhin gilt die Atlantic Division als die Stärkste der Liga. In ein paar Jahren könnte mit den Red Wings allerdings wieder zu rechnen sein.

Dylan Larkin. Bild: Imago

Florida Panthers: Jonathan Huberdeau und Aleksander Barkov

Die kleine Fanbase der Florida Panthers hatte in den letzten Jahrzehnten selten so viel Euphorie wie vor der Saison 2021/22. In der vergangenen Spielzeit scheiterte die Mannschaft um Kapitän Aleksander Barkov in den Playoffs denkbar knapp am großen Rivalen und späteren Sieger, den Tampa Bay Lightning. Mit Barkov und Jonathan Huberdeau haben die Panthers ein kongeniales Sturmduo in ihren Reihen, außerdem entwickelten sich Mackenzie Weegar und Carter Verhaeghe zu wertvollen Spielern. Aaron Ekblad sorgt zusammen mit Weegar für eine stabile Defensive, im Tor steht mit Sergei Bobrovsky ein erfahrener Mann. Der breite Kader der Panthers soll auch in Zukunft zusammengehalten werden, um erstmals in der Geschichte des Franchises langfristigen Erfolg nach Sunrise, Florida zu bringen. Die Panthers sollten in der bevorstehenden Spielzeit nicht unterschätzt werden, die meisten Experten glauben fest an eine erneute Playoff-Teilnahme.

Jonathan Huberdeau und Aleksander Barkov. Bild: Imago

Montreal Canadiens: Viel Ungewissheit – aber Momentum

Viele Fragezeichen gibt es seit diesem Sommer bei den Montreal Canadiens. Der Rekordmeister der NHL stand in der vergangenen Saison erstmals seit 1993 im Stanley-Cup-Endspiel. Das Team um Star-Goalie Carey Price und Abwehr-Maschine Shea Weber zog etwas überraschend ins Finale ein, musste sich den Tampa Bay Lightning aber deutlich geschlagen geben. Nach der erfolgreichen Saison verkündete Kapitän Shea Weber, dass er verletzungsbedingt für die komplette Spielzeit 2021/22 ausfallen wird. Carey Price erklärte vor wenigen Tagen, dass er wegen mentalen Problemen bis auf Weiteres ausfällt. Center Philip Danault verließ das Franchise in Richtung Los Angeles. Dennoch ist das Momentum bei den „Habs“ groß, immerhin hat man mit Cole Caufield und Nick Suzuki zwei vielversprechende Talente, Backup-Goalie Jake Allen ist ebenfalls sehr zuverlässig. Viele Spieler haben in der vergangenen Saison bewiesen, dass sie Großes leisten können, das sollte dem ganzen Team Auftrieb geben. Die Experten sind sich uneinig: in der dichten Atlantic Division müssen die Canadiens hart um eine erneute Playoff-Teilnahme kämpfen.

Nick Suzuki und Cole Caufield. Bild: Imago

Ottawa Senators: Die jungen Wilden

Die Ottawa Senators standen 2017 kurz vor dem Einzug ins Stanley-Cup-Finale, über die epische Performance von Ex-Kapitän Erik Karlsson wird noch heute in der ganzen NHL gesprochen. Seitdem durften die „Sens“ keine Playoff-Luft mehr schnuppern. Aufgrund von internen Problemen und den Abgängen von unzähligen Stars musste Ottawa 2018 einen Umbruch einleiten. Nach dem Weggang von Kapitän Karlsson war das Franchise am Boden, viele Fans waren enttäuscht von der Führungsriege. Mit vielen Draft-Picks stellten die Senators in den kommenden Jahren eine interessante Truppe zusammen: Brady Tkachuk, Thomas Chabot und der Deutsche Tim Stützle bilden den Kern der jungen Mannschaft. In der abgelaufenen Spielzeit war der nächste Entwicklungsschritt bei vielen Talenten erkennbar, eine Rückkehr in die Post Season scheint trotzdem zu früh zu kommen.

Der Deutsche Tim Stützle und Brady Tkachuk. Bild: Imago

Tampa Bay Lightning: Die jüngsten Erfolge

Das Franchise mit den wenigsten Sorgen sind zurzeit die Tampa Bay Lightning. Die „Bolts“ gewannen zwei Stanley-Cups in Folge und sind das gejagte Team der NHL. Die Startruppe um Nikita Kucherov, Victor Hedman, Steven Stamkos, Brayden Point und Andrei Vasilevsky konnte zusammengehalten werden, auch wenn die Abgänge einiger Komplementärspieler ausgeglichen werden müssen. Das Selbstvertrauen der Tampa-Akteure ist im Moment hoch, der Druck nimmt nach Back-to-Back-Erfolgen aber nicht ab. Tampa will zum ersten Mal seit den New York Islanders in den frühen 80er Jahren drei Cups in Serie gewinnen und eine Dynastie einleiten. Die Playoffs sollten für die „Bolts“ nur Formsache sein, nach den jüngsten Erfolgen wird das Team an den Leistungen in den Playoffs gemessen.

Die Tampa Bay Lightning feiern den Gewinn des Stanley Cups 2021. Bild: Imago

Toronto Maple Leafs: Auston Matthews

Einen größeren Druck als die Toronto Maple Leafs muss wohl kein anderes Franchise in der NHL ertragen. Die immense Medienpräsenz kombiniert mit der Stanley-Cup-Dürre seit 1967 sorgen für ein angespanntes Verhältnis. Die „Leafs“ mussten in den vergangenen Jahrzehnten dunkle Zeiten erleben, seit 2016 hat das Team mit Auston Matthews endlich wieder ein Aushängeschild. In den vergangenen fünf Jahren stand Toronto immer in den Playoffs, über die erste Runde kam das traditionelle Franchise aber nie hinaus. Die Zweifel an Matthews, Mitch Marner, John Tavares und William Nylander werden von Jahr zu Jahr größer – die „Leafs“ müssen endlich in der Post Season abliefern. In der abgelaufenen Spielzeit scheiterte Toronto in einer unwürdigen Art und Weise an den Rivalen aus Montreal – davor waren es häufig die Boston Bruins, die Toronto ins Tal der Tränen beförderten. Die größte Anhängerschaft der NHL wartet schon viel zu lange auf einen Stanley Cup, die talentierte Truppe um Auston Matthews soll in diesem Jahr alle Kritiker verstummen lassen. Dass die „Leafs“ Ende April keinen Playoff-Platz belegen, gilt als unwahrscheinlich. Die „richtige“ Saison beginnt für die Mannschaft erst mit dem Start der Playoffs.

Auston Matthews. Bild: Imago

NHL-Saisonvorschau Teil 3: Metropolitan Division

Bild: Imago