Nightrace-Slalom : Kann Feller liefern, findet Schwarz zurück?
Österreichs Slalom-Fahrer sind in der Nightrace-Statistik in den vergangenen Jahren leicht ins Hintertreffen geraten. 13 Siege haben Benjamin Raich, Marcel Hirscher usw. in 28 Schladming-Rennen ergattert, die ausländische Konkurrenz nach vier Erfolgen in Serie deren 15. Am Mittwoch (17.45/20.45 Uhr) geht es für Kitzbühel-Triumphator Manuel Feller und Co. also sozusagen um den Anschlusstreffer. Auch Marco Schwarz will endlich wieder kräftig mitreden.
Der Kärntner strahlte 2021 im Flutlicht als bisher letzter ÖSV-Läufer vom obersten Treppchen. Es war ein Sieg inmitten etlicher Podestränge des nun 30-Jährigen im Torlauf, sammelte er da im ersten Corona-Winter binnen sechs Wochen doch sieben Top-3-Platzierungen. Doch die Leichtigkeit des Allrounders zwischen den Kippstangen ist verflogen. Seit seinem Comeback Mitte Dezember 2024 infolge Ende 2023 inklusive Kreuzbandriss erlittener schwerer Knieverletzungen kam er nicht mehr in die Top fünf, in diesem Winter als Val d’Isere-Achter nur einmal in die Top 15.
„Dieser Sport kann so schön sein, aber auch hart und frustrierend“, schrieb er neben Gratulationen an Feller nach seinem Ausfall im zweiten Kitzbühel-Durchgang auf seinem Instagram-Account. „Ich werde alles dafür machen, dass ich meine Sachen beim Nightrace wieder beisammen habe.“ Er sei positiv eingestellt und vertraue darauf, dass er aus dem Strudel wieder herauskomme. „Kopf in den Sand stecken, das gibt es nicht“, gab Schwarz im Kitzbüheler Zielraum an. Immerhin ist er trotz seiner bescheidenen Saison-Statistik für den Olympia-Slalom gesetzt.
Flutlicht-Klassiker: Schladming als Highlight im Weltcup-Kalender
Schwarz auf der Suche nach dem Slalom-Schwung
Bis dahin sind für die Suche nach dem Slalom-Schwung noch knapp drei Wochen Zeit. „Seit meiner Verletzung bin ich da nicht mehr reingekommen. Ich habe das Vertrauen nicht, dass ich die Schwünge ziehe.“ Dabei sei er im Training bei den Teamkollegen dabei. „Aber im Rennen stehe ich oben und habe das Selbstvertrauen nicht, das man einfach braucht, dass man voll attackiert.“ Es seien Kleinigkeiten, die aber viel ausmachen. Freilich war Schwarz im Jänner auch in Super-G und Riesentorlauf noch nicht in den Top 15, nachdem er im Dezember da je ein Rennen gewonnen hat.
Feller kann da mit ganz anderem Selbstvertrauen in den Schladming-Slalom gehen. Hatten er und Fabio Gstrein im Vorjahr auf der Planai als Zweiter und Dritter hinter dem Norweger Timon Haugan den rot-weiß-roten Slalompodest-Bann in der WM-Saison gebrochen, war er es nun drei Tage davor in „Kitz“. Dass sich bei den Feiern danach mit dem Fanclub samt DJ der Sockel von der Goldenen Gams trennte, war für den 33-Jährigen zu verschmerzen. Und Feller will mehr. „Schladming fehlt uns noch“, merkte sein Servicemann Richard „Richie“ Weißenbacher schon in Kitzbühel an.
Die Voraussetzungen sind gut, denn die Form passt und die Planai liegt dem Tiroler. Im Vorjahr fehlten Feller zwei Zehntel auf den Sieg, 2022 als Dritter waren es 0,39 Sek. und im Jahr danach als Vierter 0,45 Sek. Auch Fünfter (2024) und Sechster (2017) war Feller beim steirischen Klassiker schon, ein Sieg würde also die Reihe komplettieren. Das begehrte Sieg-Doppel Kitz und Schladming hat zuletzt Linus Straßer vor zwei Jahren geschafft. Für den in der Obersteiermark auch 2022 siegreich gebliebenen Deutschen geht es am Mittwoch schon um den dritten Nightrace-Erfolg.
Kristoffersen um alleinige Nightrace-Spitzenposition
Rang drei nun in der Gamsstadt war für den 33-Jährigen ein Durchbruch, wie Schwarz hatte er im Saisonverlauf im Torlauf davor nicht mehr als einen achten Platz vorzuweisen. Gewinnt Straßer in Schladming erneut, würde er in der Sieg-Statistik des Nightrace zu Hirscher (2012,18,19) aufschließen. Vor sechs Jahren hat Henrik Kristoffersen (2014,16,17,20) Raich (1999,2001,04,07) mit vier Triumphen im oberen Ennstal eingeholt. Der Norweger ist neben Schwarz, Straßer, Haugan und dem Franzosen Clement Noel (2023) einer von fünf antretenden Schladming-Slalomsiegern.
Für die ebenso für Olympia nominierten Michael Matt und Fabio Gstrein bietet das Rennen die letzte rennmäßige Chance, stabiler in die Slalomspur zu kommen. Matt hatte in Wengen als Siebenter sein bestes Saisonergebnis, kam in Kitz aber nicht in den zweiten Lauf. Gstrein verpasste da als Elfter die Einstellung seines besten Abschneidens im Olympia-Winter um einen Rang, glänzte aber immerhin mit Bestzeit im zweiten Lauf. Auch im ÖSV-Anzug am Start werden Dominik Raschner, Johannes Strolz, Joshua Sturm, Simon Rueland und Adrian Pertl sein.
Sturm präsentierte sich zuletzt in Wengen und Kitzbühel mit Platzierungen in den Top 20 als Versprechen für die Slalom-Zukunft. In Schladming geht es für ihn im vierten Anlauf um seine erste Teilnahme am zweiten Lauf. „Ich bin gut in Form, habe ein gutes Gefühl auf dem Ski. Schladming kann kommen“, meinte der 24-Jährige. „Ich hoffe, dass es wieder eisig ist, da funktionieren die Ski gerade richtig gut.“ Diese Hoffnung sollte sich im seit Montag mit 22.500 Zuschauern ausverkauften Rennen erfüllen.
(APA) / Bild: Imago
