„Noch ein langer Weg“: Auftaktsieger Italien weicht Favoritenrolle aus

Mit einem für italienische Verhältnisse ungewohnten Offensivspektakel und einem 3:0 über die Türkei hat die „Squadra Azzurra“ am Freitag die Fußball-EM eindrucksvoll eröffnet. Trainer Mancini wollte aber (noch) nicht über die Titelchancen seiner Auswahl sprechen. „Es sind noch sechs Spiele. Das ist noch ein langer Weg, und es spielen starke Mannschaften mit“, sagte Mancini nach dem überzeugenden Erfolg, der die 15.948 Fans im Olympiastadion Rom mitgerissen hatte.

Das Stadio Olimpico hat viele historische Fußballabende erlebt – etwa das WM-Finale 1990 zwischen Argentinien und Deutschland (0:1). Am Freitag passierte in Rom wieder Historisches: Nie zuvor erzielten die Italiener in einem EM-Spiel drei Tore, nie zuvor gab es in einem EM-Auftaktspiel einen klareren Sieg, eine solche „Notte magica“. „Für uns war es wichtig, gut zu starten und eine starke Partie zu spielen“, lobte Mancini seine Mannschaft. Während einer Halbzeit war Italien gegen offensiv harmlose, aber defensiv gut stehende Türken vergebens angerannt, ehe ein Eigentor von Merih Demiral (53.) dem Heimteam als Türöffner diente.

Mancini: „Haben ein Lachen in die Gesichter aller Italiener gezaubert“

So wurde das Eröffnungsspiel nach der Pause zu einer Machtdemonstration Italiens. 28 Spiele in Serie ist das Team unter Mancini nun schon ungeschlagen, feierte nach der verpassten WM eine eindrucksvolle Rückkehr auf die große Fußball-Bühne. „Was für eine Show! Super-Start für Italien“, titelte die Zeitung „Tuttosport“. Linksverteidiger Leonardo Spinazzola sagte: „Wir waren uns unserer Stärke bewusst. Wir wissen, was wir zu tun haben. Am Ende ist es entscheidend, wie wir auf den Platz gehen.“

Mancini, der nach der verpassten WM 2018 übernahm, darf sich auf die Fahnen heften, den altbekannten Sicherheits-Ansatz zugunsten eines erfrischenden, schnellen Stils aufgegeben und ein viel aufregenderes Italien kreiert zu haben. Angesichts der Qualität von Offensivleuten wie Lorenzo Insigne, der in der 79. Minute traf, oder Ciro Immobile (66.), scheint alles andere auch Verschwendung zu sein.

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Gegen die defensiven Türken dauerte es freilich seine Zeit. „Wir haben gegen viele Teams gespielt, die es so gemacht haben wie die Türken heute“, sagte Mancini. „Sie schicken jeden nach hinten, geben dir wenig Platz und machen es dir schwer zu treffen. Aber die Burschen waren geduldig. Wir haben gewartet, weitergespielt, versucht, das Tor zu machen, und dann ist es gelungen. Die Burschen haben es wirklich gut gemacht.“

Bonucci: „So können wir es mit jedem Gegner aufnehmen“

Damit sind die Italiener in der ausgeglichenen Gruppe A mit der Schweiz und Wales schon nach dem Auftakt auf Kurs Achtelfinale. Darauf ausruhen wollen sich die Azzurri nicht: Am Samstagnachmittag startete in Florenz die Vorbereitung auf die nächste Partie gegen die Schweiz am Mittwoch in Rom. „Wir haben noch nichts erreicht“, mahnte der eingewechselte Giovanni di Lorenzo. „Jetzt müssen wir uns sofort erholen, gut regenerieren und ans nächste Spiel denken.“ Verteidiger Leonardo Bonucci urteilte: „Das war erst die erste Etappe eines sehr langen Weges.“ Zugleich kündigte er aber an: „Wenn wir so spielen, können wir es mit jedem Gegner aufnehmen.“

Spinazzola: „Wollen ein großartiges Turnier spielen“

Für die Türkei, die am Mittwoch in Baku gegen Wales zumindest eine Art von Heimvorteil genießt, könnte die EM schnell wieder vorbei sein. Großen Hoffnungen zum Trotz verlief der Abend für das Team von Coach Senol Günes ernüchternd. Keinen Schuss aufs Tor hatte man zu verzeichnen und auch die einzig aufs Verteidigen ausgelegte Taktik ging in der zweiten Halbzeit nicht mehr auf. „Ich bin nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Italien war klar besser als wir“ gab Günes zu, der für sein Team aber trotzdem noch alle Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale sieht: „Wir werden das abhaken und uns auf die beiden nächsten Spiele vorbereiten.“

(APA).

Beitragsbild: Imago.