Noch kein Gegentor: Spaniens Defensive soll auch gegen Belgien bestehen
Belgien steht im Viertelfinale vor einer schier unlösbaren Aufgabe. Im Verhindern von Gegentreffern ist Spanien schon weltmeisterlich.
In der breiten Brust von Thibaut Courtois schlagen zwei Herzen. „Spanien“, gesteht der Torwart von Real Madrid, „ist meine zweite Heimat“. Gut, ergänzt er, „ich würde nicht so weit gehen zu sagen, dass ich ein halber Spanier bin, aber es ist nah dran.“ Ganzer Spanier zu sein wäre auch etwas unpassend, denn: Am Freitag (21.00 MESZ) spielt der Belgier Courtois in Los Angeles gegen die zweite Heimat.
Courtois gegen Wahlheimat Spanien gefordert
„Es wird ein außergewöhnliches Spiel“, sagt Courtois – auch wenn er dann niemanden aus seinem Klub treffen wird: Kein Spieler von Real Madrid steht im Kader von Luis de la Fuente. Und damit auch klar ist, wie die Sympathien verteilt zu sein haben, warnte Courtois seinen Sohn Nicolás (9), Nachwuchstorwart bei Real und gebürtiger Spanier, mit einem Augenzwinkern: „Wenn er nicht für Belgien ist, kann er gleich nach Hause fahren.“
Wenn es stimmt, dass man mit Offensive Spiele gewinnt, aber mit Defensive Meisterschaften, werden Courtois und sein Sohn womöglich gemeinsam nach Hause fliegen müssen. Alle Welt, so scheint es, interessiert sich bei Spanien vor allem für Lamine Yamal, schwärmt ab und an für den Mittelfeldstrategen Rodri oder von der Präzision, mit der die Angriffe vortragen werden – übersieht dabei aber: Die Null steht. Und das ist kein Zufall.
Star-Stürmer fehlt
Die Spanier haben keinen Garanten für Tore, sie haben keinen Lionel Messi, Erling Haaland oder Harry Kane. Sie haben: Mikel Oyarzabal (4 Tore/1 Vorlage), der immerhin an fünf ihrer bislang nur neun Treffer beteiligt war. Dafür sind sie: Eine schier perfekt justierte Maschine, deren Präzisionsarbeit nicht auf die Ballkontrolle im Spielaufbau beschränkt ist. „Alle“, fordert de la Fuente, „müssen verteidigen, das fängt bei den Stürmern an.“
Es wird auch den Belgiern nicht entgangen sein, dass die Spanier noch kein Gegentor bekommen haben in ihren fünf WM-Spielen. Torhüter Unai Simón hält mittlerweile sogar den WM-Rekord für die längste Zeit ohne Gegentreffer: Er ist seit dem Sieg im Achtelfinale gegen Portugal (1:0) 609 Minuten unbezwungen. Der Keeper von Athletic Bilbao, in der Vergangenheit nicht unumstritten, von de la Fuente aber jederzeit gestützt, bekommt aber auch kaum etwas zu halten.
Defensive Stabilität als Erfolgsgarant
In den bisherigen fünf Spielen musste Simón gemäß der offiziellen FIFA-Statistik nur neun ernsthafte Paraden zeigen. „Wir sind defensiv sehr gut strukturiert“, sagt Joan Garciá, sein Stellvertreter vom FC Barcelona. Als letzte Instanz vor Simón dienen dafür Vereinskollege Aymeric Laporte (32) und der junge Pau Cubarsí vom FC Barcelona, der mit 19 Jahren immerhin schon 17 Länderspiele und 26 Partien in der Champions League absolviert hat.
Namen aber sind offensichtlich nur Schall und Rauch für de la Fuente, dessen Mannschaft „wie ein Uhrwerk“ funktioniert, wie Ralf Rangnick nach dem 0:3 seiner Österreicher in der ersten K.o.-Runde feststellte. Im Verhindern von Gegentreffern sind die Spanier schon weltmeisterlich.
