ÖFB-Legionär Klarer: „Rapid ist weiter mein Herzensverein“
Aus der Rapid-Jugend ging es mit 16 Jahren nach England, nun führt er in der englischen Championship seinen Verein als Kapitän auf das Feld: Christoph Klarer zählt bei Birmingham City zu den absoluten Leistungsträgern. Der 25-Jährige spricht im zweiten Teil des exklusiven Sky-Interviews über seine Erfahrungen im Vereinigten Königreich und seine Verbindung zum österreichischen Fußball.
Seit August trägt Klarer die Kapitänsbinde bei Birmingham City, aktuell Elfter in der zweitklassigen englischen Championship. „Es war eine Riesenehre, im Sommer diese Rolle zu bekommen“, so der Innenverteidiger.
Die erste Saison unter ihm als Kapitän bewertet Klarer insgesamt positiv: „Dieses Jahr ist für einen Aufsteiger sehr ordentlich.“ Mit der Niederlage gegen Derby County am vergangenen Wochenende ist das Rennen um den Aufstieg wohl vorbei: „Da sind wir jetzt zu weit weg“, so der Niederösterreicher. „Vor allem auswärts haben wir nicht so viele Punkte geholt, wie wir brauchen. Deswegen sind wir jetzt im Mittelfeld drinnen. Für einen Aufsteiger eine sehr ordentliche Saison, aber wir sind sehr ambitioniert. Für ganz oben wird es aber im Endeffekt heuer nicht reichen.“
46 Ligaspiele: Championship als härteste Karriere-Station
Mit 46 Saisonspielen hat die Championship mehr Pflichtspiele als jede andere Profi-Liga in Europa. „Das ist von Haus aus schon schwer, körperlich wie mental“, so Klarer. „Vor allem die Spielweise hier, ohne VAR, ist aus meiner Sicht einmalig. Hier sind einige Fouls und Spielaktionen dabei, die bei meinen vorigen Stationen nicht so durchgegangen wären.“
Für Klarer ist die Championship die bisher härteste Station seiner Karriere: „Die körperliche Belastung ist schon anders als in anderen Ländern. Wir spielen meistens zweimal die Woche, da ist das Volumen schon enorm. Man trainiert aber natürlich weniger, weil die Regeneration im Vordergrund steht. Aber es ist trotzdem körperlich das Schwerste, was ich bis jetzt hatte.“
Hasenhüttl „hat mir die Chance gegeben“
Klarer zog es bereits in jungen Jahren nach England. Aus dem Rapid-Nachwuchs ging es für den damals 16-Jährigen in die Jugend von Southampton. „Es war eine Chance, die ich wahrnehmen wollte“, blickt der Innenverteidiger zurück. „Mir war damals allerdings nicht bewusst, was das alles bedeutet, auch abseits des Platzes. Du bist weg von Familie und Freunden, was mit diesem Alter sehr schwer war. Aber die unfassbar gute fußballerische Ausbildung hat auch neben dem Sport mir persönlich extrem viel gebracht“, so der Niederösterreicher.
Unter dem österreichischen Trainer Ralph Hasenhüttl durfte Klarer dann schon früh mit den Profis trainieren. „Er hat mir die Chance gegeben. Ich durfte mit aufs Trainingslager fahren und oft mittrainieren. Da bin ich ihm sehr dankbar, es war sehr besonders, in den Profifußball reinschnuppern zu können“, so der Innenverteidiger. Für einen Pflichtspiel-Einsatz reichte es damals allerdings noch nicht: „Von der Qualität her war ich mit 17 Jahren einfach noch zu weit entfernt. Der Verein war damals in der Premier League und in der Europa League mit super Spielern. Ich war damals einfach nicht so weit. Ich musste weitere Zwischenschritte machen, um dorthin zu kommen, wo ich jetzt bin.“
Bei Birmingham ist NFL-Legende Tom Brady Miteigentümer. Auch wenn der 48-Jährige nicht dauerhaft präsent beim Verein ist, ist der Einfluss des einstigen Star-Quarterbacks deutlich spürbar. „Seine Mentalität, die er versucht in den Verein einzubringen, ist bei uns sehr präsent. Wir wissen alle, dass ein Tom Brady auch andere Verpflichtungen hat. Aber er hat seine Vertrauten im Verein, die auch dafür sorgen, dass seine Vorstellungen im Klub umgesetzt werden. Die helfen unseren Spielern und Physios dann schon auf den richtigen Weg zu kommen“, so Klarer.
Klarer über Rapid: „Druck ist immer da“
Den österreichischen Fußball und die ADMIRAL Bundesliga verfolgt der 25-Jährige so gut es geht: „Wenn es möglich ist, schaue ich sehr gerne. Mein Freundeskreis ist in Österreich und ich habe natürlich noch eine große Verbindung zur Heimat.
Seinen Jugendklub Rapid verfolgt Klarer immer noch ganz genau: „Rapid ist weiterhin mein Herzensverein. Ich habe sehr viele Jahre dort verbracht. Als Kind hat mich mein Vater mit zu den Spielen genommen. Diese Connection ist einfach noch da. Sie haben in den letzten Jahren unter ihren Möglichkeiten gespielt. In Österreich ist Rapid das non plus ultra, wenn es um Fans, Stimmung und Status geht.“
Nach einem durchwachsenen Herbst sind die Hütteldorfer in der Meistergruppe nun wieder in Form. „Grundsätzlich ist es der Anspruch von Rapid, Titel zu holen“, so Klarer über die Chancen der Grün-Weißen in der Meistergruppe. „Es ist sehr eng. Mit zwei Siegen ist es jetzt schnell nach oben gegangen. Aber das kann auch in die andere Richtung gehen. Die Qualität und Erfahrung ist da, da helfen Spieler wie ein Andreas Weimann natürlich sehr. Es ist möglich, dass sie den Titel holen. Aber es bringt auch nichts, von außen Druck zu machen. Druck ist bei Rapid immer da“, so der Innenverteidiger.
Rapid-Rückkehr? „Wäre eine schöne Station“
Auch wenn zumindest die mittelfristige Zukunft des 25-Jährigen in Birmingham liegt, könnte sich Klarer eine Rückkehr nach Wien Hütteldorf vorstellen: „Es wäre natürlich schön, wenn ich am Ende meiner Karriere nochmal dort spielen könnte. Das wäre nochmal eine schöne Station. Meine Familie ist noch dort und es gibt viele Verbindungen. Ich bin Rapid sehr dankbar, der Verein hat viel für meine Karriere getan. Aber in meiner aktuellen Situation ist es schwer, Versprechen abzugeben.“
Ein weiterer Ex-Klub von Klarer kämpft in der ADMIRAL 2. Liga gerade um den Aufstieg. Beim SKN St. Pölten gab Klarer 2020 sein Debüt im Profifußball. „Der Schritt vom Jugendspieler zum Profifußball ist der schwerste in der ganzen Entwicklung. Ich war damals schon sehr dankbar für die Chance, mich als junger Spieler in der Bundesliga beweisen zu dürfen. Ich glaube, mit den guten Leistungen habe ich auch einen Grundstein für meinen Weg im Ausland gelegt“, so der 25-Jährige.
Auf lange Sicht soll der SKN in die Bundesliga zurückkehren, sagt Klarer: „Das muss das langfristige Ziel sein. Sie haben ein tolles Stadion und super Trainingsbedingungen. Ich halte es absolut für möglich und wünsche dem SKN alles Gute dafür.“
Birmingham-Kapitän Klarer nicht im ÖFB-Kader: „Kein Rückschlag für mich“
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