Die Disziplinarkammer der UEFA hat den türkischen Spieler Merih Demiral für zwei Spiele gesperrt

Offiziell: UEFA bestätigt Demiral-Sperre

Die Disziplinarkammer der UEFA hat den türkischen Spieler Merih Demiral für zwei Spiele gesperrt, weil er im Achtelfinale der Fußball-EM gegen Österreich den Gruß der rechtsextremen türkischen Bewegung „Graue Wölfe“ gezeigt hat.

Demiral, der beim 2:1 gegen das ÖFB-Team beide Tore erzielt hat, fehlt der Türkei damit im Viertelfinale gegen die Niederlande am Samstag und in einem möglichen Halbfinale.

Der Defensivspieler habe „die allgemeinen Verhaltensgrundsätze nicht eingehalten, die grundlegenden Regeln des guten Benehmens verletzt, Sportereignisse für Kundgebungen nicht-sportlicher Art genutzt und den Fußballsport in Verruf gebracht“, begründete die Europäische Fußball-Union (UEFA) ihre Entscheidung am Freitag.

Nach Wolfsgruß-Jubel: UEFA sperrt Türkeis Demiral

Demiral bestreitet geheime Botschaft

Der Wolfsgruß drückt in der Regel die Zugehörigkeit oder das Sympathisieren mit der türkischen rechtsextremen Ülkücü-Bewegung und ihrer Ideologie aus. Demiral hatte die Geste mit „Stolz und Freude“ gerechtfertigt und eine „versteckte Botschaft“ bestritten.

Der Fall ist mittlerweile ein Politikum. Die deutsche Innenministerin Nancy Faeser hatte die Geste inakzeptabel genannt. Die Türkei bestellte den deutschen Botschafter ein, Deutschland reagierte umgekehrt mit demselben diplomatischen Schritt. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte seinen Besuch für das Spiel gegen die Niederlande in Berlin an.

Nicht erste politische Debatte

Demiral stand schon einmal im Fokus einer politischen Debatte. Bei einem Spiel in Frankreich 2019 hatten viele türkische Nationalspieler mit dem Militärgruß salutiert, um damit die türkischen Streitkräfte zu unterstützen, die am Militäreinsatz gegen die Kurdenmiliz YPG in Nordsyrien beteiligt sind. Damals gab es einen kurzen Disput zwischen dem Verteidiger und Kaan Ayhan. Demiral soll seinen Mitspieler dazu animiert haben, ebenfalls zu salutieren.

Strafe für Bellingham steht ebenfalls fest

Jude Bellingham ist dagegen nach seiner obszönen Geste im EM-Achtelfinale gegen die Slowakei mit einer glimpflichen Strafe davongekommen. Der englische Nationalspieler muss 30.000 Euro bezahlen, zudem sprach die Europäische Fußball-Union UEFA eine Sperre von einem Spiel auf Bewährung gegen den Star von Real Madrid aus. Diese gelte ab sofort. Bellingham kann somit am Samstag (18.00 Uhr) im Viertelfinale gegen die Schweiz auflaufen, darf sich aber künftig keine Verfehlung mehr leisten.

Bellingham (21) hatte England im Achtelfinale mit einem spektakulären Treffer in die Verlängerung gerettet und anschließend auffällig vor der slowakischen Bank gejubelt. Der frühere Dortmunder schrieb später bei X, es habe sich um einen Scherz mit Freunden auf der Tribüne gehandelt.

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(APA) / Bild: Imago