Ohne Pöltl: Basketball-Nationalmannschaft startet in WM-Qualifikation

Ohne NBA-Center Jakob Pöltl startet für Österreichs Basketball-Nationalteam heute die WM-Qualifikation. Gleich zum Auftakt wartet mit Polen ein Gegner, der im September noch im EM-Viertelfinale stand.

Großereignisse hat sich Österreichs Basketball-Nationalteam seit Jahren nicht mehr im Kalender markiert: Eine WM blieb bislang unerreicht, eine EM-Teilnahme liegt mit 1977 in ferner Vergangenheit. Nach erfolgreich absolvierter Vorqualifikation geht es für die Österreicher nun in der Hauptrunde gegen Polen, Lettland und die Niederlande.

Österreich als „Underdog“ in Gruppe F

Laut der Webseite der FIBA, der International Basketball Federation, gilt Österreich als „Underdog“ der Gruppe F. Polen, allen voran aber Lettland, gehen als Favoriten ins Rennen. Beide Nationen haben bei der vergangenen EM überzeugt – „nicht umsonst“, wie Center Daniel Köppel sagt, der heute sein Comeback in der Nationalmannschaft feiert. Sowohl Polen als auch Lettland hätten „extrem viele erfahrene Spieler“ im Kader. Dennoch sieht Köppel die Duelle als Chance, sich zu präsentieren – individuell wie auch als Team.
Der Qualifikationsmodus sieht vor, dass die besten drei Teams aus jeder Gruppe in die nächste Phase aufsteigen. Nur auf die Spiele gegen die Niederlande, gegen die man zuletzt gewonnen hat, will man sich allerdings nicht fokussieren. „Wir wollen jedes Spiel gewinnen“, sagt Köppel, der bei den Oberwart Gunners unter Vertrag steht.

Vorqualifikation mit NBA-Power

Die erste Hürde hat das Team bereits genommen. In der Vorqualifikation ging es gegen Bulgarien und die Niederlande – Österreich, damals noch mit Jakob Pöltl im Kader, schaffte den Aufstieg. Weil in den USA die NBA-Saison in vollem Gange ist, fehlt der Toronto-Legionär nun aber.
Pöltl gilt durchaus als Aushängeschild des österreichischen Basketballs. „Im Sommer hast du gesehen, was er für einen Einfluss hat – nicht nur am Spielfeld, sondern auch publikumstechnisch: Er ist ein Magnet“, sagt der 2,12 Meter große Kärntner. Pöltls Fehlen müsse das Team jetzt kompensieren – jeder müsse ein Stück weit „upsteppen“, um die Lücke zu füllen.
Einige Nationen teilen Österreichs Schicksal und müssen aufgrund der laufenden Saison ebenfalls auf Athleten mit NBA-Erfahrung verzichten. „Bei uns fällt es natürlich mehr ins Gewicht als zum Beispiel bei Deutschland, die mehr EuroLeague-Spieler haben“, sagt Köppel. Angeführt wird das österreichische Team aber zumindest von einem ehemaligen Euroleague-Champion – Sylven Landesberg.

Frischer Wind mit neuem Trainer

Als neuer Headcoach der Nationalmannschaft feiert heute Aramis Naglic sein Debüt an der Seitenlinie der Österreicher. Der 60-Jährige war selbst Spieler und holte bei Olympia 1992 mit Kroatien Silber. Seit 2007 ist er als Trainer aktiv: In Österreich coachte er von 2021 bis 2023 den BC Vienna, aktuell betreut er Inter Bratislava. „Mit Aramis Naglic haben wir einen extrem erfahrenen Trainer, der auf Topniveau gespielt und gecoacht hat“, sagt Köppel. Dass ein Coach früher selbst Spieler war, bringe Vorteile: „Er hat das selbst durchlebt, weiß, was wir brauchen“.

Will man überhaupt zur WM?

Schon Ende September hieß es, dass das erklärte Verbandsziel nicht die WM 2027, sondern die EM 2029 sei. Österreichs Weg zur Europameisterschaft führt aber mehr oder weniger über die WM: Je länger man in der WM-Qualifikation im Rennen bleibt, desto später steigt man in jene für die EM ein.
Eine WM-Teilnahme hat man im Team aber nicht abgeschrieben. „Das ist nicht unsere Einstellung“, sagt Köppel wissend, dass es als „kleines Österreich“ alles andere als leicht wird. Er betont, dass das langfristige Ziel der Mannschaft darin liege, sich für ein Großevent – sei es WM oder EM – zu qualifizieren. Auch wenn eine Europameisterschaft realistischer erscheine, gehe es für das Team darum, in jeder Phase alles zu geben, um der Teilnahme an einem Großevent immer näherzukommen.

Alle Spiele zählen: WM-Qualifikations-Modus

In jedem Spiel alles zu geben, ist vor allem auch in diesem Qualifikations-Modus essenziell. In der First Round stehen für jedes Team der Vierergruppen sechs Partien auf dem Programm – drei zuhause und drei auswärts. Die besten drei Teams jeder Gruppe schaffen den Sprung in die zweite Qualifikationsrunde. Dabei werden die Ergebnisse aus der ersten Phase mitgenommen – jedes Spiel hat damit unmittelbare Bedeutung für die weitere WM-Qualifikation.

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Bild: IMAGO