Platz zehn im Saalbach-RTL reicht: Gut-Behrami holt Gesamtweltcup und kleine Kristallkugel
Lara Gut-Behrami steht zum zweiten Mal in ihrer Karriere als Gesamtweltcupsiegerin und zum ersten Mal als Gewinnerin der Riesentorlauf-Wertung fest. Der Schweizerin reichte am Sonntag beim Alpinski-Finale in Saalbach-Hinterglemm ein taktisch herausgefahrener zehnter Platz. Es siegte die Italienerin Federica Brignone, für die Österreicherinnen gab es mit Platz vier für Stephanie Brunner und fünf für Julia Scheib ein versöhnliches Ende dieser RTL-Saison.
Die 33-jährige Brignone hätte Gut-Behrami die kleine Kugel noch abluchsen können, da hätte die Eidgenossin aber nicht anschreiben, also in die Top 15 kommen dürfen. Zweite wurde die Neuseeländerin Alice Robinson (+1,36 Sek.), Dritte die Norwegerin Thea Louise Stjernesund (+1,67). „Der Sieg war mein Fokus für heute, ich habe alles gegeben. Ich hatte einen großen Fehler im zweiten, da dachte ich, das ist es. Aber ich habe noch einmal alles gegeben“, sagte Brignone nach ihrem 27. Weltcupsieg.
„Diese Kugel zu gewinnen, ist unglaublich. Sie bedeutet mir sehr viel, bei mir ging immer alles über den Riesentorlauf. Wenn ich wusste, ich bin da gut unterwegs, geht es auch in den anderen Disziplinen. Ich habe ersehnt, dass ich im Riesentorlauf irgendwann einmal in der Lage bin, um die Kugel mitzufahren“, erklärte die sichtlich erleichterte Gut-Behrami. Schnell fahren könne sie, aber sie habe am Sonntag clever fahren müssen. Und das auf Schneebedingungen, die ihr nicht so liegen.
Bereits auch die große Kugel in der Tasche zu haben, sei ein „wunderschönes Gefühl“. Die 32-Jährige kann sich nächste Woche auch noch die kleinen Kristalle in Abfahrt und Super-G sichern. „Das Ziel ist, gesund ins Ziel zu kommen. Ich werde mein Bestes geben. Wenn es klappt, wäre es wunderschön.“ In der Disziplinwertung schloss sie mit 21 Punkten Vorsprung auf Brignone ab, beste Österreicherin wurde Scheib als Zwölfte.
Brunner und Scheib in den Top 5
Brunner und Scheib verpassten knapp den ersten Podestrang für die ÖSV-Riesentorläuferinnen im Weltcup seit dem dritten Platz von Katharina Liensberger am 28. Dezember 2019 in Lienz. „Das Podium habe ich im ersten Durchgang liegen gelassen, im zweiten habe ich mir gesagt, ich habe nichts mehr zu verlieren. Ich bin rangegangen wie bei jedem Training, es ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, sagte Brunner, die Laufbestzeit aufgestellt hatte, gesamt aber 1,92 zurück lag. Sie sei happy, dass sie sich durchgeboxt und die Saison so abgeschlossen habe.
Feller nach erstem Slalom-Durchgang in Saalbach mit Podest-Chance
Scheib (+2,01) erklärte, dass sie im zweiten Durchgang unten nicht mehr so auf Zug gekommen sei. „Ich habe mir mehr vorgenommen, aber der fünfte Platz ist wirklich gut.“ Mit der Saison sei sie sehr zufrieden, fünfmal kam sie in die Top 10, zweimal wurde sie Fünfte. „Ich habe die Top 15 abgesichert, der Start ist dann in die nächste Saison schon anders, das nehme ich gern mit.“ Im Nationencup liegt das Frauen-Team aus Österreich mit 4.579 Punkten vor der Schweiz (4.536), die Führung will man in den Speedrennen nicht mehr hergeben.
Katharina Liensberger kam auf Rang 13. „Der zweite war viel mehr auf dem Limit, da war viel mehr Risiko dahinter, das nehme ich mit“, sagte die Vorarlbergerin. Franziska Gritsch blieb als 19. ohne Punkte. „Weiterarbeiten, dranbleiben, es kommt ja wieder eine Saison“, sagte Gritsch, die erst entscheiden wird, ob sie wie heuer ihren Weg mit Privattrainer weitergehen oder ins Team zurückkehren wird. Ricarda Haaser schied im zweiten Durchgang aus.
Trotz Zermatt-Frage: Weltcup-Kalender 2024/25 nimmt Form an
Die FIS nähert sich dem fertigen Ski-Weltcup-Kalender für die Saison 2024/25 mühsam an. „Wir müssen immer noch kleine Fragen klären, hauptsächlich im November wegen Zermatt“, sagte FIS-Generalsekretär Michel Vion in Saalbach-Hinterglemm. Beim ÖSV will man von einer Deadline Ende März wissen, bis zu der diesbezüglich die Entscheidung stehen soll. „In den nächsten Tagen, in der nächsten Woche müssen wir das entscheiden“, bestätigte Vion. Das Finale soll 2025 in den USA steigen.
„Wegen Zermatt müssen wir uns mit allen Stakeholdern an einen Tisch setzen und schauen, was passiert“, kündigte Vion entscheidende Gespräche an. Als Stakeholder nannte er die beteiligten Verbände aus der Schweiz und Italien, die Athleten, die Trainer, den TV-Rechtehalter und die Medien generell. Die grenzüberschreitende Abfahrt am Fuße des Matterhorns, zwischen den Orten Zermatt und Cervinia, sollte laut dem originalen Plan jährlich die Speed-Saison einläuten. Dazu kam es aber bisher in zwei Anläufen nicht. Sowohl auf Männer- als auch auf Frauen-Seite wurden alle Rennen wetterbedingt gecancelt.
„Zermatt/Cervinia ist ein innovatives, cooles Projekt, aber in unserer Sichtweise zum falschen Zeitpunkt. Es wäre vielleicht eine Möglichkeit, dieses als Speed-Finale jährlich zu veranstalten“, sagte ÖSV-Generalsekretär Christian Scherer. „Wir hoffen hier doch auf einen anderen Saisonstart, weil wir der Meinung sind, dass dieser Zeitpunkt extrem wichtig ist, um notwendige Speedtrainings zu absolvieren.“ Ein längerer Trainingsblock in Nordamerika sei dezidiert der Wunsch der Athletinnen und Athleten.
Fahrfehler verhindert perfekte Riesentorlauf-Saison für Odermatt
Direkt abhängig vom Zeitpunkt der Matterhorn-Rennen ist auch der allgemeine Weltcup-Start in Sölden. Dieser wurde 2023 bereits eine Woche nach hinten auf Ende Oktober verlegt. Der ÖSV würde für die Zukunft einen noch späteren Termin Anfang November präferieren.
Doch weil sich die Zermatt-Entscheidung so lange hinzieht, ist das für 2024 kaum mehr möglich, da die Ötztal-Gemeinde Sölden nicht mehr genügend Quartiere für den Weltcup-Tross garantieren könnte. Einen Saisonstart im November wird es somit wohl frühestens 2025 geben. „Aber das ist keine große Sache, ob wir Sölden Ende Oktober oder Anfang November haben“, sagte Vion.
Beim ÖSV drängt man auf Entscheidungen und einen finalen Kalender. Dem hielt Vion entgegen, dass es einen Zwei-Jahres-Entwurf für nächstes Jahr und 2025/26 gebe, der zu „85 bis 90 Prozent“ dem entspreche, was in der Realität kommen werde. Dieser sei allen nationalen Verbänden und Cheftrainern bekannt. „Also keine Panik, es ist alles unter Kontrolle“, betonte der Franzose. Für 2024/25 sei neben Zermatt/Cervinia nur noch der Ort des Weltcup-Finales zu klären. „Das sollte eigentlich in den USA stattfinden, aber ob in Aspen oder in Sun Valley, das muss noch ausdiskutiert werden“, meinte er. Offiziell soll der Kalender im Mai werden.
Bei einem anderen Thema sind die Vorstellungen von ÖSV und FIS quasi deckungsgleich. „Wir wollen mehr Technikrennen an Dienstag- und Mittwochabenden mit Flutlicht, so wie in Schladming, wie in Flachau. Wo wir nur einzelne Rennen haben, an einem Dienstag mit Start um 9.00 Uhr früh, haben wir gesehen, dass es nicht funktioniert“, erklärte Vion.
„Aus kommerzieller Sicht würden wir den Termin unter der Woche untertags nie machen“, sekundierte Scherer, der schon ein Projekt im Auge hat: „Ein Nacht-Riesentorlauf der Damen in Flachau wäre natürlich schon ein Thema. Auch, um die Aufbauten im Sinne der Nachhaltigkeit doppelt nutzen zu können.“
(APA)/Bild: GEPA