Sky exklusiv || Rapid-Coach Stöger über Vision: „Ein Projekt, das durch die Decke gehen kann“
Die eine Ära endet, eine neue beginnt: Mit der Pressekonferenz am Montag rund um Peter Stöger wurde in Hütteldorf ein neuer Abschnitt eingeleitet. Im zweiten Teil des ausführlichen Sky-Interviews mit Sky-Reporter Eric Niederseer spricht der neue Rapid-Trainer über seine Ziele mit den Grün-Weißen, die Unruhen im Klub und die Kapitänsfrage.
„Apropos unterstützen: In den vergangenen Jahren waren die Unruhen im und um den Verein ein hemmender Faktor. Sie haben reichlich Erfahrung im Umgang mit Traditionsvereinen gesammelt. Wir definieren Sie dahingehend Ihre Rolle als Kommunikator im Verein?“
„Ich finde, man muss sich als Cheftrainer mit vielen Themen auseinandersetzen. Ich bin ein Freund davon, wenn ich schon in so einem Klub bin, dass ich mich auf Wunsch gerne auch in Dinge einbringe, die nicht in den ursprünglichen Kompetenzbereich eines Cheftrainers fallen. Wenn ich bei gewissen Dingen, wie Entwicklung in anderen Bereichen, auch mithelfen kann, dann bin ich dafür gerne zu haben. Ich würde jetzt nicht sagen‚ ‚Ich bin ein alter Sack‘, aber ich muss auch niemandem mehr irgendetwas beweisen.“
„Deswegen habe ich mich auch für diese Aufgabe entschieden, weil ich es als echtes Projekt sehe. Ich sehe ein Projekt, das durch die Decke gehen kann. Da gehört die Mannschaft dazu, gehört das Umfeld dazu, gehört der gesamte Klub mit seiner Community dazu. Und wenn ich mit meiner Erfahrung überall zum Erfolg beitragen kann, dann bringe ich diese gerne ein. Aber ich werde auch nicht der sein, der sich anmaßt, überall alles zu wissen. Für jeden, der meinen Rat und meine Unterstützung braucht, in welchen Bereichen auch immer, bin ich zu haben. Ich bin voll und komplett für den Verein da.“
Diskrepanz zwischen Heimstärke und Auswärtsschwäche: „Kann nicht unser Ansatz sein, dass wir nur im Allianz Stadion erfolgreich Fußball spielen“
„Sie waren vor einigen Jahren auch in einer anderen Funktion beim SK Rapid im Gespräch. Wie sehen Sie seitdem die Gesamtentwicklung des Vereins?“
„Die Entwicklung ist durchaus positiv. Der Kader hat sich verändert. Das hat man in bestimmten Phasen auch gesehen, wie man gespielt hat. Da haben wir sie bei Sky in der Analyse auch berechtigterweise abgefeiert, da war Vieles gut. Jedoch hat man es nicht geschafft, die ganze Saison so stabil zu sein, dass man wie viele andere Mannschaften um den Meistertitel mitspielt. Was möglich ist, hat man gesehen. Man hat aber nicht geschafft, das Potenzial über eine ganze Saison abzurufen. Man kann auf keiner Spitzenposition landen, wenn man auswärts nur zwei von 17 Spielen gewinnt. Es kann auch nicht unser Ansatz sein, dass wir nur im Allianz Stadion, mit dieser Fanbase und Unterstützung, erfolgreich Fußball spielen. Das kann nichts mit Fußball zu tun haben. Das sind dann wichtige Bereiche, die man analysieren und Hilfestellung geben muss.“
Wahrnehmung und Einschätzung als Erfolgskriterium: „Bei Symbiose aus Umfeld und Verein kann etwas Großes erreicht werden“
„Dieses enorme Streben des Umfelds nach dem 33. Titel hat sich in den vergangenen Jahren als kontraproduktiv erwiesen. Wie stehen Sie zu dem Thema, klare Ziele zu definieren?“
„Der Anspruch muss schon sein, dass wir vorne dabei sind. Wir reden jetzt vom internationalen Geschäft, wo wir uns quasi mit einer Mammutaufgabe im letzten Spiel noch irgendwie reingerettet haben. Das Ziel muss sein, dass wir uns in den Top Drei festsetzen sollten. Wir müssen dem, was rundherum möglich ist, in irgendeiner Form gerecht werden. Diese Mission 33 wird ja des Öfteren medial thematisiert, weil dieser Klub einfach wahnsinnig viel Potenzial hat. Du kannst mit dieser Unterstützung und dem qualitativ guten Kader sehr viel erreichen. Aber wichtig ist, dass diese Symbiose (zwischen Umfeld und Verein) funktioniert. Diese Einschätzung, von dem was realistisch ist und von dem, was abgeliefert wurde. Das ist manchmal vielleicht ein sehr gutes, mal ein durchschnittliches Spiel, das man auf seine Seite zieht. Und wenn diese Symbiose der Wahrnehmung, die die Leute bis hin zu den Medien im Idealfall haben, mit den Einschätzungen der sportlichen Führung einhergeht, dann kannst du was Großes erreichen.“
„Wenn man sieht, wie sich die Liga in den letzten zwei, drei Jahren verändert hat und wer alles im Titelkampf dabei ist, ob es Meisterschaften oder Cupsiege sind, dann möchte ich mit Rapid dabei sein, wenn sich die Chance bietet. Das ist unser Anspruch. Aber wir können nicht reingehen und sagen, dass wir die Liga aufmischen und es funktionieren wird. Dazu kommt die Punkteteilung hinzu. Das ist halt eine ganz eigene Systematik, bei der du im Frühjahr richtig punkten musst. Es ist ein bisschen komplexer und komplizierter geworden, aber vorne dabei sein wollen wir, klar.“
Internationale Ligaphase als Etappenziel – „Müssen schauen, dass wir lange dabei sind“
„Wie schwierig ist es, trotz des internationalen Wettbewerbs, die nationalen Ziele zu erreichen und die richtige Balance im Kader zu finden?“
„Der Zugang wird sein, dass wir die Qualifikationsduelle überstehen und in die Ligaphase kommen. Das ist unsere Zielsetzung. Dann hätte sich dieser ganze Wahnsinn am Ende der Saison auch wirklich rentiert. Das wird unser Zugang sein, dass wir das hinkriegen. Ich weiß nicht genau, was ich gesagt hätte, wenn wir die Qualifikation am Sonntag nicht geschafft hätten. Wahrscheinlich hätte ich irgendeine Floskel rausgehaut wie ‚da habe ich dann ganze Trainingswochen mehr oder so‘, aber ich kann damit wenig anfangen.“
„Ich freue mich immens, dass wir diese Spiele haben. Ich finde, für jeden österreichischen Verein ist es Prestige, ist es Renommee, wenn du international vertreten bist. Und das gilt auch für Rapid. Wir müssen schauen, dass wir wieder relativ weit kommen und lange dabei sind. Ich sehe es durchwegs positiv, dass diese Spiele auf uns zukommen und hätte logischerweise, wenn wir es nicht geschafft hätten, auch die wenigen, positiven Aspekte daraus mitgenommen.“
Stöger über den Kapitän: „… dann werden wir wieder den Seidl sehen, wie wir ihn schon gesehen haben“
„Abschließend möchte ich auf eine Personalie im Speziellen noch zu sprechen kommen: Matthias Seidl, der als sehr feinfühliger Spieler gilt. Wie sehen Sie seine Entwicklung, auch unter Berücksichtigung der neuen Kapitänsrolle?“
„Ich würde mal sagen, wenn er so ist, wie er mir beschrieben wird, als außergewöhnlich nett, sehr ehrgeizig, aber vielleicht auch sensibel, dann bin ich mir sicher, dass er bei mir gut aufgehoben ist. Und dann werden wir auch diesen Seidl wieder sehen, wie wir ihn schon gesehen haben. Ich bin fest davon überzeugt, dass er auch kommende Saison ein wichtiger Spieler für uns sein wird.“
„Vielen Dank für die gemeinsamen Jahre bei Sky und das ausführliche Gespräch. Und vor allem viel Erfolg für die neue Aufgabe.“
Best of Peter Stöger
+++ Hier findet ihr Teil eins des exklusiven Sky-Interviews mit Peter Stöger! +++
Bild: GEPA
