Der neue Rapid-Trainer Peter Stöger spricht im exklusiven Sky-Interview über seine neue Aufgabe und vieles mehr

Sky exklusiv || Stöger über Rapid-Job: „Das absolut Lässigste, was ich mir vorstellen kann“

Die eine Ära endet, eine neue beginnt: Mit der Pressekonferenz am Montag rund um Peter Stöger wurde in Hütteldorf ein neuer Abschnitt eingeleitet.

Ein Abschnitt, der im Erfolgsfall länger andauern soll, als die durchschnittliche Halbwertszeit eines Rapid-Trainers und die Vertragslaufzeit von zwei Jahren. Der neue Cheftrainer des SK Rapid und ehemalige Sky-Experte sprach nach seiner Vorstellung im ausführlichen Sky-Interview mit Eric Niederseer u.a. über sein Faible für bunte Brillen, gängiges Schubladendenken im modernen Fußballgeschäft und die ominöse Titelfrage. Hier Teil eins des umfassenden Interviews.

Sky: „Vorab eine Frage, die wohl die meisten interessiert: Ob Effzeh, BVB oder FAK, Sie waren immer ein Träger von Brillen in den jeweiligen Vereinsfarben. Wurde die grüne-weiße Brille bereits bestellt?“ 

Peter Stöger: „Ich hatte noch keine Zeit, eine zu besorgen. Aber alle Optiker des Landes sind aufgerufen, Ideen vorzulegen. Schauen wir mal, ob Vorschläge kommen.“

„Sie haben aus privaten Gründen eine 3 ½-jährige Pause im Trainergeschäft eingelegt. Wie hat sich das Geschäft in den letzten Jahren verändert und inwiefern haben auch Sie sich weiterentwickeln müssen?“

„Ich hatte das Glück, dass ich mich mit einigen Trainern im In- und Ausland austauschen konnte. Vom Gefühl her, ist das Trainergeschäft noch kurzlebiger geworden. Jede Saison wird die Zündschnur noch kürzer. Das mag mehrere Gründe haben, weil die Erwartungshaltung da und dort nicht mehr so im Einklang ist, wie es eigentlich sein sollte. Es werden immer mehr Entscheidungen getroffen, die keinen großen, strategischen Hintergrund haben, sondern rein aus der Emotion heraus gefällt werden. Was auch verständlich ist, weil der Druckpegel enorm hoch ist. Das Geschäft wird immer komplizierter, aber auch immer reizvoller. Die Entwicklung des Fußballs und im Speziellen der österreichischen Bundesliga sehe ich aber durchaus positiv.“

Zwischen „Einjahresgeschichte‘ und Rentenvertrag“ – Stöger will im Erfolgsfall gerne länger bei Rapid bleiben

„Sie haben es bereits angesprochen: Die Halbwertszeit von Trainern wird immer kürzer und liegt aus Hütteldorfer Sicht bei rund 1 ½ Jahren. Sie haben einen Zweijahresvertrag beim SK Rapid unterschrieben. Ist es klar, dass es nur diese zwei Jahre werden oder schließen Sie grundsätzlich nichts aus?“

Ehrlich gesagt hoffe ich schon, dass es so gut läuft, dass ich es länger mache. Ich bin damals auch nach Köln gegangen, wir haben etwas angestoßen und haben es lange und mit einer Entwicklung nach oben gut hinbekommen. Das heißt, wenn wir uns hier immer verbessern, könnte ich mir schon vorstellen, dass wir irgendwann an einem Punkt ankommen, an dem ich nochmal verlängere und dann nochmal verlängere. Ich habe aber keine Angst davor, was alles passieren kann. Wie lange ein Trainer im Amt ist, entscheiden sowieso die Erfolge, die Ergebnisse, wie du dich präsentierst, wie dich das Umfeld wahrnimmt, wie stimmig es ist und auch bleibt. Bei unseren Gesprächen kam logischerweise das Thema der Vertragsdauer auch auf. Für mich war das nebensächlich, ich hätte eine ‚Einjahresgeschichte‘ genauso unterschrieben.“

„Es ist dann eher die Frage gewesen, welches Signal man als Verein aussendet. Da ist ein Einjahresvertrag nicht unbedingt förderlich. Dann heißt es ‚Die sind sich gar nicht sicher‘. Und bei einem Dreijahresvertrag heißt es dann: ‚Der braucht ja einen Rentenvertrag‘. Beides stimmt nicht. Wir wollten die Arbeit so angehen, dass sie erfolgreich sein kann. Deswegen haben wir uns dann auf die zwei Jahre geeinigt. Ich habe keine anderen Überlegungen. Wenn ich andere Überlegungen hätte, dass ich nochmal einen Schritt ins Ausland machen und einen Klub als Bühne verwenden wollen würde, hätte ich das sowieso in der Vergangenheit machen können. Ich habe ja in der jüngeren Vergangenheit auch Angebote aus der deutschen Bundesliga gehabt. Aber ich möchte Rapid machen, weil es mich absolut reizt und weil es zu dem Zeitpunkt das absolut Lässigste ist, was ich mir vorstellen kann.“

Defensiver Spielstil und ‚Menschenfängerei‘ als Vorurteile? Stögers Meinung über gängiges Schubladendenken

„Wenn man zwischen den Zeilen der Aussagen der Vereinsverantwortlichen liest, wurde immer wieder Ihre menschliche Komponente als Kriterium bei der Trainerwahl betont. Überspitzt formuliert stellt sich mir die Frage: Ist es zu einfach, wenn man Sie nur auf das Schlagwort „Menschenfänger“ reduziert?“

„Ich beschäftige mich einfach gerne mit Menschen. Ich weiß jetzt nicht, ob man das dann als ‚Menschenfänger‘ bezeichnet. Es ist einfach mein Zugang, dass ich Spieler weiterentwickeln will. Ich will meine Spieler, über die Systematik und Spielanlage hinaus, begleiten. Ich habe einen Erfahrungsschatz gesammelt, den ich weitergeben möchte und der ihnen hilft. Die Schublade „Menschenfänger“ ist aber genauso falsch, wie der Fakt, dass ich da und dort lese, meine Spielidee wäre defensiv. Das finde ich beides witzig, das sind verschiedene Schubladen. Wenn man sich wirklich mit dem Fußball auseinandersetzt, dann weiß man, dass es das eine ohne dem anderen nicht geben wird.“

„Man muss sich auf die Menschen einlassen, man muss einen Fußballfachverstand haben und wissen, wie man es offensiv und defensiv anlegen kann. Man muss heutzutage sehr viele Bereiche abdecken, um ein erfolgreicher Cheftrainer zu sein. Und genau deswegen ist es auch wichtig, wie dein Staff aussieht. Vor allem, weil man alles zusammen alleine nicht mehr so umsetzen kann, wie es sein soll. Es wird komplexer und komplizierter. Ich weiß nicht, ob ich ein Menschenfänger bin, aber ich beschäftige mich einfach gerne mit Menschen und ihrer Entwicklung, sodass sie erfolgreichen Fußball spielen.“

„Wenn wir schon bei den vielschichtigen Anforderungen an einen heutigen Trainer sind: Inwiefern sollte das Thema Mentaltraining in ein modernes Trainerprofil einfließen?“ 

„Ich werde mir in diesem Bereich schnellstmöglich einen Überblick verschaffen, was wir in unseren eigenen Reihen haben. Ich bin ein Freund davon, Mannschaften oder einzelne Spieler zu begleiten, wenn sie das wollen. Es ist immer die Frage, was wird angenommen. Bei jeder Ausbildung, die ich gemacht habe, waren viele Dinge dabei, die mir geholfen haben und einige, die mich überhaupt nicht interessiert haben. Das Wichtigste ist, dass man relativ viel anbietet und sich jeder das rauspickt, was für ihn hilfreich ist. Es fehlen manchmal nur diese wenigen Prozente, die man anders rausholen kann, ob jemand wirklich erfolgreich ist oder eben nur gut. Bei dem einen ist es vielleicht mal eine mentale Unterstützung, bei dem anderen ein bisschen mehr Training im taktischen Bereich. Das ist genau diese individuelle Entwicklung, von der ich immer spreche. Jeder Spieler braucht etwas anderes, jeder Mensch hat seine Fähigkeiten, die man unterstützen und forcieren muss.“

+++ Teil zwei des exklusiven Sky-Interviews mit Peter Stöger lest ihr hier! +++

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Bild: GEPA