Rapid in Mostar: Fußball in einer geteilten Stadt
Für den SK Rapid geht es heute sportlich nur noch um die Ehre. Nach der 0:1-Niederlage gegen Omonia Nikosia wurde das Aus der Hütteldorfer in der UEFA Conference League bereits letzte Woche besiegelt. Heute geht es für Rapid gegen den bosnischen Verein HŠK Zrinjski Mostar und damit in eine Stadt, die sowohl sportlich als auch gesellschaftlich geteilt ist.
Rapid steckt mitten in einer Krise: In den vergangenen acht Pflichtspielen gelang den Grün-Weißen kein einziger Sieg. In der laufenden Ligaphase der Conference League bildet man mit null Punkten gar das Tabellenschlusslicht. Auch vor dem heutigen Match ist damit schon fix, dass die Wiener nicht mehr in die K.o.-Phase aufsteigen können. Für Rapids letztes Spiel der Ligaphase geht es heute nach Mostar: Eine geteilte Stadt, in der die Rivalität zweier Vereine für ein aufgeheiztes Klima sorgt.
HIGHLIGHTS | SK Rapid – Omonia Nikosia | 5. Spieltag
Gründung – Verbot – Wiedergeburt
Rapids Gegner ist heute der Verein HŠK Zrinjski Mostar. Er wurde 1905 gegründet, was ihn zum ältesten noch existierenden Klub Bosniens macht. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde alle sportlichen Vereine verboten und Zrinjski damit eingestellt. Nach 1918 gelang dem Klub ein Aufschwung, sowohl in sportlicher Hinsicht als etwa im Bereich der Infrastruktur. Der Zweite Weltkrieg stoppte diese Entwicklung dann aber, 1945 wurde der Verein von den kommunistischen Behörden gänzlich verboten. Erst mit dem politischen Wandel Anfang der 1990er-Jahre begannen Bestrebungen zur Wiedergründung. 1992 wurde HŠK Zrinjski dann offiziell neu belebt.
Zrinjski nicht allein in Mostar
Die Stadt war im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 Schauplatz schwerer Kämpfe und kann seither als geteilte Stadt angesehen werden. Im Westen leben die katholischen Kroaten, im Osten muslimische Bosniaken. Eine Rivalität, die auch den Fußball in Mostar prägt. Während die Menschen im Westen als Anhänger des Rapid-Gegners gelten, kann der Osten als Fanbasis des rivalisierenden Klubs FK Velež bezeichnet werden. Treffen die beiden Vereine aufeinander, kommt es immer wieder zu schweren Ausschreitungen. Das „Mostarski derbi“ gilt als eines der hitzigsten Derbys im europäischen Fußball.
Rivalität überschattet den Sport
Im Jahr 2000 kam es zum ersten Derby in Mostar. Seither gelten die Begegnungen als besonders brisant. Von Platzstürmen bis hin zu gestohlenen Fahnen und Bannern, die feierlich in Flammen gesetzt werden, machen sich die rivalisierenden Fangruppen das Leben schwer. Die Feindseligkeit hat mittlerweile auch das Stadion verlassen und ist auf das „normale“ Leben übergeschwappt, denn immer wieder kommt es zu Straßenschlägereien und Überfällen. Bis heute sind Gästefans bei Derbys verboten.
Gestohlenes Material geht in Flammen auf
Das Medium 11 Freunde schreibt, dass etwa im April 2024 Ultras des FK Velež – der sogenannten Red Army – einem Zrinjski-Fan sämtliche Fahnen abgenommen haben, die er gerade von einem Auswärtsspiel zurückgebracht hat. Die Red Army feierte den Erfolg mit einer Straßenparty im Osten der Stadt. Kurz darauf kam die Antwort des Gegners: Material der Red Army, darunter Fahnen und Banner, wurden von Zrinjski-Ultras gestohlen. Beim Derby im darauffolgenden September verbrannten die Velež-Ultras dann die gestohlenen Gegenstände vom April.
11 Freunde berichtet zudem von einem Vorfall in diesem Jahr. Im Februar sollen vier Mitglieder der Red Army einen Zrinjski-Fan überfallen und brutal zusammengeschlagen haben. Der Mann wurde von den Ultras liegen gelassen, später kam er mit lebensbedrohlichen Verletzungen ins Krankenhaus. Beim Derby am nächsten Tag verbrannte die Zrinjski-Anhängerschaft sämtliches Material seines Feindes.
Krawalle bis nach Ottakring
Wie die Europameisterschaft 2008 zeigt, weitete sich diese Rivalität zum Teil auch auf Nationalmannschaften aus. Als Kroatien damals im Ernst-Happel-Stadion gegen die Türkei verlor, kam es in Mostar zu schweren Ausschreitungen zwischen enttäuschten Kroaten und Bosniaken, die den Triumpf der Türken feierten, wie die APA damals berichtet. Es gab dutzende Verletzte. Schon im Vorfeld des Spiels wurden verstärkte Sicherheitsmaßnahmen beschlossen. Über tausend Polizisten wurden in Alarmbereitschaft gesetzt, Straßen gesperrt, zudem wurden Vorkehrungen in Haftanstalten getroffen.
Auch in Wien, wo das Match stattfand, kam es – überwiegend in Ottakring – zu schweren Krawallen. Damals hieß es, dass kroatische Fans feiernde Türken attackierten. Von beiden Seiten wurde mit Flaschen und pyrotechnischen Gegenständen geworfen, es kam zu mehreren Festnahmen.
Bilder: Imago