Nach neun Runden in der Bundesliga steht Ried auf Rang acht - Wolfgang Fiala und Lukas Brandl sprechen im Sky-Interview

Ried überzeugt auch dank Jugendarbeit: „Klares Zeichen für unseren Weg“

Nach neun gespielten Runden in der ADMIRAL Bundesliga steht die SV Ried mit elf Punkten auf Rang acht. Eine Zwischenbilanz mit der man beim Aufsteiger zufrieden ist, wie Geschäftsführer Sport Wolfgang Fiala und der technische Direktor Lukas Brandl im exklusiven Sky-Interview verraten.

„Ich denke, wir können insgesamt schon zufrieden sein, weil wir nach neun Spielen merken, dass wir absolut konkurrenzfähig sind. Und vor allem aber auch die Entwicklung in die richtige Richtung geht“, bilanziert Sportchef Fiala nach etwa einem Saisonviertel. „Ich glaube, wenn man nach neun Spielen als Aufsteiger mit drei Siegen und elf Punkten dasteht, dann kann man zufrieden sein.“

„Wir haben natürlich auch gemerkt, dass es in der Bundesliga etwas schwerer ist als in der zweiten Liga“, fügt Brandl hinzu. „Das ist auch logisch und ist irgendwo auch wichtig, dass es die Spieler auch merken, weil der Anspruch dadurch wieder steigt.“

Bereits drei Debüt-Awards

Über den Weg über junge Spieler aus den eigenen Reihen hat der technische Direktor der Rieder bereits im Sky-Interview vor der Saison gesprochen. Der Weg scheint sich auszuzahlen: Mit Fabian Rossdorfer und Joris Boguo, sowie zuvor auch Nicolas Bajlicz haben bereits drei Spieler in der laufenden Saison den Debüt-Award in der ADMIRAL Bundesliga erhalten.

„Darauf sind wir schon stolz. Auch wenn man sich die letzte U21-Nominierung anschaut, dann sieht man, dass das schon ein ganz klares Zeichen für unseren Weg ist“, so Brandl

In den aktuellen U21-Kader von Teamchef Peter Perchtold wurden die beiden Ried-Youngsters Jonas Mayer und Nicolas Bajlicz einberufen. Mit Peter Kiedl (Leihspieler von Sturm II) und Rossdorfer stehen zwei weitere auf Abruf bereit.

Mit einem Durchschnittsalter von 28,4 Jahren (durchschnittliches Alter der Startaufstellungen in den ersten neun Bundesliga-Runden) wirkt die Mannschaft jedenfalls deutlich älter als eine, die vermehrt auf junge Spieler setzt. „Das täuscht ein bisschen darüber hinweg, dass wir trotzdem immer wieder auf junge Spieler setzen. Beispielsweise Mayer macht eigentlich jedes Spiel. Er ist seit der U15 bei uns und ist eigentlich schon das dritte Jahr Stammspieler“, sagt Brandl.

„Ich glaube genau dieses Gerüst, dass wir in der Bundesliga die ein oder andere erfahrene Stütze haben, die den Jungen hilft und trotzdem immer wieder Junge reinkommen, das soll uns auszeichnen.“

Fiala ergänzt: „Durchschnittsalter ist für mich keine Kategorie. Es geht darum, junge Spieler einzusetzen und die tun sich natürlich leichter, wenn erfahrene Spieler danebenstehen. Dann können sie sich voll auf ihre Leistung konzentrieren. Wenn sie Stabilität neben sich haben, dann werden sie sich insgesamt einfacher tun.“

Akademie als zentraler Punkt in Ried

Bei der SV Ried fühlt man sich durch die positiven Entwicklungen im sportlichen Bereich im eigenen Weg bestätigt. Laut Brandl hat die eigene Akademie eine zentrale Rolle in diesem Weg eingenommen: „Wir sind ein kleiner Verein verglichen zu den anderen Bundesligisten und wir haben trotzdem eine eigene Akademie. Und wenn wir dann nicht großen Wert auf diese legen würden, dann müssen wir die Frage stellen, warum wir sie überhaupt haben. Für uns ist der Weg über junge Österreicher, die am besten aus der eigenen Akademie kommen, zentral.“

„Am Ende ist natürlich immer entscheidend, dass man eine Mannschaft am Platz hat, die auch in der Bundesliga standhalten kann. Das ist logisch. Aber da sind wir in der Pflicht, dass wir in der Akademie gut genug ausbilden und darüber reden wir jede Woche.“

Das Thema Österreicher-Topf hat in den vergangenen Wochen die ADMIRAL Bundesliga bewegt. Während Vereine wie Sturm Graz und der SK Rapid in der Vergangenheit auf diese Einnahmen gesetzt haben, zeichnet sich bei diesen Klubs nun eine Trendwende ab.

„Aufgabe, etwas für den österreichischen Fußball zu tun“

„Für kleinere Klubs ist das natürlich eine sehr wichtige Einnahmequelle. Wenn Salzburg, Rapid und Sturm um Millionenbeträge Spieler verkaufen, werden ihnen die paar hunderttausend Euro aus dem Österreicher-Topf vermutlich nicht mehr so wichtig sein“, sagt Fiala zur Thematik.

„Der Sportchef der Rieder ergänzt: „Ich sehe unsere Arbeit als kleiner österreichischer Klub mit einer Akademie schon auch irgendwie darin, etwas für den österreichischen Fußball zu tun. Neben dem, dass man natürlich am Wochenende das Spiel gewinnen will. Und auf Basis dessen ist es für uns eine Selbstverständlichkeit, nicht nur junge Österreicher zu fördern, sondern auch speziell Spieler aus der eigenen Akademie vorzubringen.“

„Ich denke als Sportdirektor oder technischer Direktor sollte man natürlich vor allem an seinen Verein denken. Aber vor allem muss man auch daran denken, was dann etwas größer ist als das Wochenende, weil dafür hat man ja einen Trainer.“

Ex-Ried-Spieler Beganovic zeigt in der Liga auf

Auch, dass ein ehemaliger Akademiespieler der Rieder aktuell in der Bundesliga aufzeigt spricht für das Modell der Innviertler. Belmin Beganovic kickte seit der U15 bei Ried, steht seit vergangenem Sommer jedoch bei Ligakonkurrent Sturm Graz unter Vertrag.

Fiala zeigt sich begeistert von der Entwicklung des Offensivspielers: „Er hat mehrere ganz große Stärken. Herausragend ist zum Beispiel seine Schnelligkeit. Es spricht für ihn, dass er jetzt durch eine Zeit, wo auch mehr bei Sturm II war, diesen Schritt geht, sagt der Ried-Sportchef über den 21-Jährigen.

VIDEO-Highlights: Beganovic als Sturm-Schlüsselfigur beim Sieg in Altach

„Ich freue mich auch, dass er verletzungsfrei ist. Weil das war bei uns ein Stück weit noch ein Thema, dass er immer wieder muskulär etwas hatte. Er ist ein Spieler, der jedem Gegner wehtun kann und wenn er so weitermacht, wird er seinen Weg definitiv gehen.“

Auch in den kommenden Jahren darf man sich laut Brandl über sehr spannende Spieler aus der Rieder Akademie freuen. „Da geht es nicht nur um uns, sondern um den österreichischen Fußball an sich. Bei den beiden letzten Lehrgängen vom Jahrgang 2008 hatten wir insgesamt fünf Spieler dabei. Das ist für einen kleinen Verein wie Ried einfach eine sehr große Zahl.“

Zweite Mannschaft mit Potenzial

Auch die Wichtigkeit der Jungen Wikinger in der Regionalliga Mitte hob der technische Direktor hervor. Aktuell liegt die zweite Mannschaft der Rieder jedoch nur auf dem enttäuschenden 15. (und damit vorletzten) Tabellenplatz.

„Auf den ersten Blick ist es nicht gut, weil die Punkteausbeute schlecht ist. Wenn man sich aber anschaut, wie jung die Mannschaft da ist, dann ist das alles in einem anderen Licht. Fast die ganze Startelf wäre noch in der U18 spielberechtigt. Da macht vielleicht die fehlende Erfahrung noch einen Strich durch die Rechnung, auch wenn wir gut mithalten“, so Brandl.

„Gleichzeitig ist das aber eine extrem wertvolle Lernzeit für die Jungs. Wir gehen davon aus, dass sich dieses Blatt dann auch einmal wendet. Auf die Spieler aus dem Jahrgang 2008, wo einige schon in der Regionalliga spielen, darf man sich sehr freuen.“

Kein Traum von den Top sechs

Obwohl man aktuell nur einen Punkt Abstand auf den Tabellensechsten Altach hat, will man im Innviertel nicht von der Meistergruppe träumen: „Ich sage immer wieder und möchte da pessimistisch sein, aber ich denke, der Aufsteiger kann nur das Ziel haben, die Klasse zu halten. Das ist unser erstes Ziel, das ist auch erreichbar. „Wenn wir auch nächstes Jahr in der Bundesliga spielen, dann wird für uns, vieles an Arbeit auch ein bisschen einfacher. Und das ist unser großes Ziel für diese Saison“, so Fiala.

„Das zweite Ziel ist ein Prozessziel. Und zwar wollen wir unseren Stil in der Bundesliga durchsetzen und uns nicht vom Weg abbringen lassen. Ich bin mir sicher, dass wir das erreichen können.“

Werbung

Bilder: GEPA/SV Ried