ALTACH,AUSTRIA,24.FEB.21  - SOCCER - tipico Bundesliga, SCR Altach, press conference, presentation of the new head coach. Image shows head coach Damir Canadi (Altach). Photo: GEPA pictures/ Oliver Lerch

Rückkehrer Canadi: Altachs Architekt als Feuerwehrmann

von Martin Wallentich

Damir Canadi ist neuer Trainer des SCR Altach – und kehrt damit nach über vier Jahren an seine erfolgreichste Wirkungsstätte zurück. Der 50-Jährige soll das Vorarlberger Schlusslicht diesmal primär vor dem Abstieg retten (erste Spiel gegen den WAC, Sonntag ab 13.30 Uhr live auf Sky Sport Austria 3 – streame das Spiel mit dem SkyX-Traumpass) – und fügt seiner Trainerlaufbahn damit eine neue Herausforderung hinzu.

“Es geht nicht darum, dass ich nach Hause komme, sondern dass wir in die Spur finden”, empfand Canadi wenig Nostalgie bei seiner Präsentation am vergangenen Mittwoch. Weitaus euphorischer verabschiedete im Herbst 2016 der damalige Geschäftsführer Christoph Längle den Coach als “erfolgreichsten Trainer der Altacher Vereinsgeschichte”. Doch wie sehr sich die Situationen in kurzer Zeit verändern können, erfuhr der Rückkehrer anhand seiner letzten Stationen selbst.

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Nach dem vorzeitigen Ende seiner Spielerlaufbahn mit nur 31 Jahren startete Canadi seine Trainerlaufbahn bei unterklassigen Vereinen in Niederösterreich und Wien. Nach zwei Meistertitel in der Wiener Stadtilga wurde der damalige Zweitligist FC Lustenau 2011 auf ihn aufmerksam.

Schon in seiner ersten Saison gelang der Klassenerhalt, in der folgenden Spielzeit kämpfte sich der FC bis auf den fünften Rang vor, ehe ihn ein Lokalrivale abwerben konnte: Canadis erste Amtszeit in Altach nahm so im Januar 2013 ihren Anfang. Die 17 verbleibenden Saisonspiele begannen mit einem Remis gegen Austria Lustenau – und sollten mit nur einer Niederlage als Vizemeister enden.

In der darauffolgenden Saison starteten die Altacher unter ihrem “Baumeister” Canadi endgültig durch: Der SCR eröffnete die Erste-Liga-Spielzeit mit sieben Siegen aus den ersten acht Spielen, ein späterer Lauf von 13 Partien ohne Niederlage ließ früh wenig Zweifel am späteren Meisterstück aufkommen: Altach kürte sich mit 73 Punkten zum Aufsteiger und stellte alsbald auch in der Bundesliga die gegnerischen Teams vor Probleme.

 

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Die Premierensaison beendete Atlach auf dem dritten Tabellenplatz, mit einer kompakten Grundformation und einem schnellen Umschaltspiel konnte der nahmafteren Konkurrenz der Nerv gezogen werden. Als Belohnung daraus resultierte die Erste Europacup-Teilnahme der Altacher, welche erst im Play-off der Europa-League enden sollte.

“Modell Altach” scheitert in Hütteldorf

Nach dem achten Tabellenplatz am Ende der anschließenden Siason 2014/15 sollte das “System Canadi” eine Spielzeit später wieder vollends funktionieren: Nach vier Siegen zum Saisonstart trumpften die Altacher auch im anschließenden Herbst auf. Keines seiner letzten sechs Matches der ersten Altach-Ära ging verloren, Canadi hatte so einen großen Anteil am historischen Titel des Winterkönigs zum Jahresende 2016. Mit einem Puntkeschnitt von 1,71 trat er im Rheintal ab und durfte in diesen drei Jahren mehr Bundesliga-Siege feiern als alle zuvorigen SCR-Trainer zusammen.

Vor der Winterpause hatte sich Canadi bereits in neue Gefilde gewagt: Beim SK Rapid Wien trat er das Erbe von Mike Büskens an und sollte der offensiv ansprechenden aber taktisch ausbaufähig agierenden SCR-Elf neue Tugenden schenken. Der kurzfristige Umbau wurde nach anfänglicher Euphorie skeptisch betrachtet: Canadi führte die Dreierkette ein, zudem spielte Innenverteidiger Christoph Dibon neuerdings als Sechser im Mittelfeld.

Ein kurzes Hoch wurde ausgerechnet durch eine Niederlage gegen Altach beendet, folglich wurde vor allem der Umgang des Trainers mit den Rapid-Profis kritisch beäugt. Nach nur einem Sieg in zehn Spielen ging Canadis Zeit in Hütteldorf mit einr 0:3-Pleite gegen Ried krachend zu Ende. Aus dem erfolgreichsten Altach-Trainer war inerhalb weniger Monate der statistisch schlechteste Trainer des SK Rapid geworden.

Damir Canadi geht als statistisch schlechtester Rapid Wien Trainer aller Zeiten

Auf Nürnberg folgt die doppelte Rückkehr

Während seine Co-Trainer Goran Djuricin und Martin Bernhard bei Rapid ins erste Glied rückten, heuerte Canadi erst im Sommer 2017 wieder als Cheftraienr: Bei Atromitos Athen wagte er den Sprung ins Ausland und etablierte seine Vorstellungen rasch in der griechischen Super League. Der kleine Athener Verein verlor in den ersten 21 Pflichstpielen nur einmal, Atromitos beendete daraufhin die Saison als Vierter und qualifizierte sich für den Europacup. Dass diese Bestmarke kein Zufall war, bewies der Wiener Fußballehrer in der darauffolgenden Saison, als er die Griechen abermals auf den vierten Platz beförderte.

Mit einem noch besseren Punkteschnitt im Gepäck (1,76 Punkte pro Spiel) wagte sich Canadi an seine nächste Aufgabe: Der 1. FC Nürnberg setzte sich als Bundesliga-Absteiger den Wiederaufstieg zum Ziel. Auf sein FCN-Debüt im Rahmen eines Freundschaftspiels gegen Rapid folgte eine durchwachsene Bilanz zum Zweitliga-Start: Siege und Niederlagen wechselten einander ab.

Canadis Neuverpflichtungen, seine Forderung nach mehr “Dynamik” auf dem Feld und die häufigen Formationswechsel wurden zunehmend kritisiert. Nach fünf Pflichtspielen ohen Sieg endete im November 2019 seine Amtszeit in Deutschland. Canadi verließ Nürnberg auf Tabellenplatz elf – zwei Trainerwechsel später liegt der FCN derzeit nur auf Rang zwölf.

Rückkehrer Canadi soll SCR Altach in Liga halten

Sein Weg führte ihn zurück zu Atromitos, wo er ab Sommer 2020 die Mannschaft erneut stabilisierte, aber in zunehmende Meinungsverschiedenheiten mit dem Präsidium geriet. Dem Vereinspräsidenten wird ein geringes Interesse am sportlichen Geschehen nachgesagt, auch die Umstände aufgrudn der Corona-Pandemie erschwerten die Arbeitsbedingungen beim Athener Verein. Der nahezu logische Bruch folgte Anfang Februar, kurze Zeit später sollte das nächste Comeback perfekt sein: Als Altach-Coach folgt Canadi nun Alex Pastoor nach.

Abstiegskampf als neue Situation beim Stammverein

Beim SCR Altach wartet auf diesen eine konträre Aufgabe zu seinem ersten Engagement in Vorarlberg. Statt mit langfristiger Arbeit soll Canadi vorerst für rasche Stabilität sorgen. Mit 41 Gegentoren erhielt Altach in dieser Saison die zweitmeisten aller Teams, gleichzeitig sind nur 16 erzielte Tore Liga-Tiefstwert. Schwerwiegende Rückschläge, wie die Folgen des Ausgleich von Austria Wien, welcher in einer 1:5-Niederlage endete, muss Canadi wohl auf mentaler Ebene anpacken. Außerdem hat die Konkurrenz, vorrangig Ried und Admira im Winter prominent nachgerüstet.

“Es geht nicht darum, dass ich nach Hause komme, sondern dass wir in die Spur finden.”

Doch auch der SCR Altach hat neue Spieler erhalten. Zwar ist eine Verpflichtung möglicher Wunschspieler derzeit nicht möglich, mit CL-Finalist Neven Subotic, Ex-LASK-Prof Stefan Haudum, dem argentinischen Routinier Danilo Carando und Liefering-Leihgabe Csaba Bukta stehen Canadi dennoch neue spielerische Kräfte zur Verfügung.

Gleichzeitig kennt die Defensive um Kapitän Philipp Netzer und Jan Zwischenbrigger Canadis Anforderungen bestens. Goalie Martin Kobras zählt zudem zu den derzeit beständisgten Torhütern der Liga. Als Co-Trainer wird dem Neo-Coach außerdem der Spanier Manu Hervas zur Seite stehen.

Erste Reaktionen müssen wohl bereits gegen den Wolfsberger AC ersichtlich werden: Mit “mutigen Entscheidungen” will er die Wende herbeiführen und kann dabei zumindest auf eine positive Bilanz aus seiner ersten Altach-Zeit setzen: Die letzten zwei Duelle gegen die Kärntner konnte Altach unter Canadi gewinnen.

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Beitragsbild: GEPA.