Salzburg in Lissabon vor Wiedersehen mit dem „Rogerball“
Der Champions-League-Auftakt bei Benfica Lissabon ist für Salzburg nicht zuletzt eine Reise zu den Wurzeln des aktuellen Erfolgs. Mit Roger Schmidt steht bei den Portugiesen jener Mann an der Seitenlinie, der zwischen 2012 und 2014 die Pressingmaschine der Bullen anwarf und damit die Blaupause für das gut geölte Werkl des Serienmeisters entwarf. Seit Sommer 2022 sorgt der 56-Jährige auch in Lissabon mit seinem „Rogerball“ für Furore. Das Spiel am Mittwoch ab 20 Uhr live auf Sky Sport Austria 2 – streame alle Spiele der Königsklasse mit dem Sky X-Traumpass!
Als Nachfolger von Jorge Jesus bzw. Interimscoach Nelson Verissimo machte Schmidt Portugals Rekordmeister (38) erstmals seit 2019 wieder zum Champion, in einer CL-Gruppe mit Paris Saint-Germain (zweimal 1:1) und Juventus Turin (2:1 und 4:3) zum Gruppensieger und scheiterte im Viertelfinale erst am späteren Finalisten Inter Mailand. Aktuell ist Benfica mit 12 Punkten aus den ersten 5 Spielen in der Spitze der portugiesischen Liga vertreten. Der beeindruckende Punkteschnitt in 61 Pflichtspielen unter Schmidt: 2,48.
Bei seiner Präsentation war Schmidt im Sommer 2022 nur wenigen Fans ein Begriff – oder auch Spielern. „Ich kannte ihn vorher nicht“, erzählte der argentinische Weltmeister Nicolas Otamendi etwa. Umso schneller gewann Schmidt die Herzen der „Benfiquistas“. Er kombinierte seinen offensiven, pressingorientieren Umschaltkick mit der gepflegten Ballsicherheit Marke Benfica, die Tore fielen wie am Fließband ohne, dass sich die Defensive entblößte. Mit 16 Treffern netzten in der CL-Gruppenphase nur Liverpool, SSC Napoli und Bayern München öfter. Den Vertrag mit Schmidt hat der von Ex-Starspieler Rui Costa geführte Club bereits bis 2026 verlängert.
Roger Schmidt legte vor fast zehn Jahren den Grundstein für Salzburgs Pressingfußball
In Salzburg war der von Ralf Rangnick geholte Schmidt als spätstartender „No Name“ angetreten, der bei Paderborn (2. Liga) in der Saison davor erstmals im Profifußball trainierte. Der Auftakt in Salzburg ging mit dem CL-Quali-Aus gegen den luxemburgischen „Zwerg“ Düdelingen auf denkwürdige Art und Weise noch in die Hose, der Rest ist Geschichte. Bereits eineinhalb Jahre später ließen Schmidts Bullen mit dem beeindruckenden 3:0 in der Europa-League-Zwischenrunde bei Ajax Amsterdam aufhorchen, national ist seit 2014 ohnehin kein Kraut gegen Salzburg gewachsen. Auch wenn der „Rogerball“ von den folgenden Trainern in die eine oder andere Richtung abgewandelt wurde.
2014 verließ Schmidt die Mozartstädter Richtung Bayer Leverkusen, die Liaison endete im Frühjahr 2017 vorzeitig. Zu vogelwild agierte die Werkself letztlich, die Verantwortlichen zogen die Reißleine. Schmidt trat die „Flucht“ zu BJ Guoan nach China an und übernahm nach einem Jahr ohne Job 2020 PSV Eindhoven. Mit den Niederländern holte er zweimal den Vizemeistertitel und einmal den Cup und geriet auf den Radar von Benfica.
In Lissabon baute er die Mannschaft nach seinen Vorstellungen um und verzückte den Anhang mit 13 Siegen in den ersten 13 Pflichtspielen (Torverhältnis 35:6) auf Anhieb. Bei der Meisterfeier huldigten zehntausende Benfica-Fans dem Trainer, der sich nun jene Liebe abholt, die ihm in Deutschland verwehrt blieb. Bisher zumindest. Denn in der Heimat denkt man durchaus an ihn – zuletzt bei der Suche eines Nachfolgers von Hansi Flick.
„Ich bin komplett fokussiert auf das Hier und Jetzt“, erklärte Schmidt auf entsprechende Nachfragen freilich. Er habe noch etwas vor in Lissabon. Das könnte am Mittwoch auch Salzburg zu spüren bekommen, wenn die Truppe um die Weltmeister Angel di Maria und Otamendi ihren Triumphzug auf europäischer Bühne starten will.
(APA)/Bild: Imago
