Sammer rechnet mit deutschem Fußball ab
„Wir Deutschen sind, wie man an unserer Fußballgeschichte sieht, immer mannschaftlich geschlossen, robust und kompakt aufgetreten. Wir hatten Einzelspieler, die Genies waren; aber als Mannschaft waren wir eine Maschine. Heute sind wir noch maximal ein Maschinchen“, erklärte der 57-Jährige im kicker.
Der deutsche Fußball habe seine grundsätzliche Identität und damit wesentliche Stärken verloren, so Sammer. „Die Balance zwischen Innovation und Tradition, um unsere Identität zu bewahren, ist uns nicht geglückt. Bewusst provokativ stelle ich mir die Frage: Wofür steht der deutsche Fußball heute eigentlich? Ich kann es nicht erkennen.“
Und weiter: „Das Viertelfinale bei der EM 2024 wurde in der Öffentlichkeit verkauft wie ein Titel. Wir verkaufen also Durchschnitt als außergewöhnlich. Der deutsche Fußball muss wieder lernen, Durchschnitt nicht als Weltklasse zu verkaufen. Wir müssen bei unseren Beurteilungen auch differenzieren und kritisch-konstruktiv diskutieren und dürfen Ergebnisse nicht, nur damit es keine Unruhe gibt, künstlich beschönigen. Im Schönreden sind wir noch immer stärker als in der kritischen Analyse.“
„Wir sind im eigenen Land im Viertelfinale ausgeschieden“
So sei die Analyse nach dem Turnier beispielsweise „übertrieben positiv“ ausgefallen. „Es fehlte der Mut, bei unserem Maßstab zu sagen: Entschuldigung, wir sind im eigenen Land im Viertelfinale ausgeschieden, egal gegen wen.“
Seine Aufgabe bei Borussia Dortmund sieht Sammer indes noch nicht als vollendet an. „Ich liebe diesen Klub und wollte nicht gehen, als Borussia auf Platz elf stand. Jetzt sind wir Vierter. Ich will mithelfen, dass es weiter aufwärts geht“, sagte er, angesprochen auf seinen im Juni ausgelaufenen Vertrag als Berater beim BVB und ein neues Arbeitspapier bis 2027, das in Arbeit sei.
Bislang war Sammer als Berater der Geschäftsführung tätig. „Nach 2016 und dem Abschied von Bayern München habe ich die Grundsatzentscheidung getroffen, nicht mehr operativ tätig zu sein“, erklärte er.
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