Scheib will bei Olympia Favoritenrolle gerecht werden
Im vorletzten alpinen Frauenrennen bei den Olympischen Spielen in Italien greift Österreichs erfolgreichste Skiläuferin in diesem Winter an. Julia Scheib geht nach einer „für mich fast perfekten Saison bisher“ als eine der großen Favoritinnen in den Riesentorlauf am Sonntag (10.00 und 13.30 Uhr) in Cortina d’Ampezzo. Scheib ist mit vier Saisonsiegen angereist und greift im Idealfall nach einer historischen Medaille.
Die Steirerin hat in dieser Saison den Durchbruch zur Siegläuferin geschafft. Einen Stockerlplatz hatte sie davor im Weltcup, mit dem Sieg im Auftaktrennen in Sölden kam sie in einen Flow, in dem sie mit vier ersten und zwei zweiten Plätzen in sieben Weltcuprennen Beständigkeit auf höchstem Niveau bewies.
Zu viel Druck will sie sich bei ihrer Olympia-Premiere für das Rennen auf der Tofana aber nicht auferlegen. „Ich versuche, das Rennen so anzugehen wie jedes andere Rennen. Bei jedem Rennen, bei dem ich am Start stehe, will ich gewinnen. Mittlerweile weiß ich, was es dazu braucht. Ich hoffe, dass ich mich am Tag X auf diese Stärken verlassen kann“, erklärte Scheib.
Scheib „kann gut abschalten“
Dass mit ihrem Erfolgslauf Aufmerksamkeit und Erwartungshaltung gestiegen sind, hat die 27-Jährige gut im Griff. „Ich kann brutal gut abschalten. Ich bin nicht zu viel auf Social Media unterwegs, das tut mir schon sehr gut. Wir haben mit dem Team einen guten Plan, dass wir da die Balance halten. Das gelingt mir nicht schlecht. Ich genieße die Zeit sehr, generell genieße ich das Skifahren sehr“, erklärte Scheib. „Es ist cool, dass es sich in den Ergebnissen so widerspiegelt.“ Der Ausfall in Spindlermühle, dem letzten Riesentorlauf vor Olympia, war schnell abgehakt. Die Idee, eventuell auch im olympischen Super-G an den Start zu gehen, wurde ad acta gelegt.
Zählt sie die Erfolgsfaktoren auf, vergisst die Führende im Riesentorlauf-Weltcup auch das Betreuerteam nicht. „Wir haben sehr gute Trainer mit großer Erfahrung, das schätze ich heuer sehr. Die Funksprüche passen, man kann darauf vertrauen, das ist schon sehr wichtig in dem Sport“, betonte Scheib. Und als Glücksbringer hat sie Oskar. Ihr kleiner Hund war mit, als sie ihr Lieblingsrennen am Kronplatz gewonnen hat, da „hat er definitiv Glück gebracht“. Ihn mitzunehmen „ist nicht immer leicht, es gibt natürlich Vorschriften“, erzählt sie. Italien sei da aber unkomplizierter als Österreich.
Österreich fehlt noch Gold im Frauen-RTL
Der Frauen-Riesentorlauf ist der letzte weiße Fleck in der Erfolgsbilanz des ÖSV, der einzige Einzel-Bewerb noch ohne Olympia Gold. Am nächsten dran war Anna Fenninger (Veith), der 2014 in Sotschi nur 0,07 Sekunden fehlten. Scheib könnte also Historisches schaffen, sie weiß aber auch: „Es ist ein Rennen, bei dem jeder all-in geht.“
Und die Liste der Medaillenkandidatinnen ist lang. Dazu zählen die zweifache Saisonsiegerin Alica Robinson aus Neuseeland, die schwedische Titelverteidigerin Sara Hector, die Schweizerin Camille Rast sowie die US-Amerikanerinnen Mikaela Shiffrin und Paula Moltzan. Dazu kommt nun auch wieder die Italienerin Federica Brignone, die ihr überraschend frühes Comeback in Cortina schon mit Gold im Super-G gekrönt hat.
Die Erwartungshaltung bei den weiteren ÖSV-Läuferinnen ist bescheidener. Stephanie Brunner, Nina Astner und Lisa Hörhager haben in dieser Saison keinen Top-Ten-Platz erreicht, sie können nur überraschen. „Es geht nur um eins, zwei, drei. Vielleicht erleichtert mir das ein bisschen was, weil die letzten Rennen sind nicht so super gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hätte. Dass ich normal Ski fahre und nicht so verkrampft wie im Weltcup“, meinte Brunner.
(APA) / Bild: GEPA
