Schneider im Exklusiv-Interview – Ein Blick in die Lustenauer Kristallkugel

Sportlich gibt es bei der SC Austria Lustenau derzeit wohl kaum einen Grund zur Beunruhigung. Als Führender der Qualifikationsgruppe und mit elf Punkten Vorsprung auf Tabellenschlusslicht SV Ried könnte die Lage bei den Verantwortlichen im Ländle in diesen Tagen wohl nicht entspannter sein.

Und dennoch gibt es beim Blick hinter die Kulissen des sportlichen Höhenfluges einige Fragezeichen und keinen Grund, sich auf den Lorbeeren des Erfolges auszuruhen. Sky Reporter Eric Niederseer blickte im Exklusiv-Interview mit Lustenaus Sportkoordinator Alexander Schneider über den Tellerrand hinaus und sprach über ein mögliches internationales Playoff, Parallelen zu Clermont, heiße Personalien und offene Baustellen für die kommende Saison.

Sky: „Lassen Sie uns mit der Aktualität der vergangenen Tage starten. War der Sieg am Wochenende in Innsbruck die halbe Miete im Hinblick auf den Ligaverbleib?“

Alexander Schneider: „Ob das jetzt die halbe Miete, ein Drittel oder zwei Drittel waren, kann ich nicht sagen. Aber ich würde die Meinung meines Trainers mittragen, dass der Sieg im direkten Duell gegen die WSG auswärts ein enorm großer Schritt war!“

Sky: „Klassenerhalt hin oder her, man kann bis dato sicherlich von einer mehr als gelungenen Saison sprechen. Hätten Sie sich vor Saisonbeginn erträumen können, dass Ihre Mannschaft so performed?“

Träumen soll erlaubt sein – Mit einer „spannenden Mannschaft“ auf bestem Wege zum Klassenerhalt

„Erträumt definitiv! Weil wir wussten, dass wir eine sehr spannende Mannschaft haben. Erwarten aber natürlich nicht. Ich habe immer wieder betont, dass ich es sofort unterschreiben würde, wenn wir am letzten Spieltag aufgrund eines Eigentores in der Liga bleiben würden. Wir wussten, dass auch negative Phasen kommen werden und sind auch da ruhig geblieben. Aber es war während der gesamten Saison nie so, dass uns der Grund nicht klar war, warum wir überhaupt Erfolg haben. Natürlich sind wir mehr als zufrieden mit dieser Saison“.

Sky: „Hinsichtlich Zielsetzung: Rein rechnerisch kann bereits in zwei Wochen der Ligaverbleib fixiert werden. Wird bei einem Klassenerhalt die Zielsetzung für den Rest der Saison nochmal nachjustiert?“

„Das ist eine Eventualität, die keinen direkten Auswuchs auf unsere interne Arbeit und Planung hat. Das ist reine Kommunikationssache nach außen. Unsere Philosophie und unsere Planung bleiben gleich. Den Weg sind wir auch in der zweiten Liga konsequent gegangen, den gehen wir auch jetzt weiter“.

Sky: „Dennoch möchte ich nochmals in dieselbe Kerbe stoßen: Wie ist generell Ihre Meinung zum internationalen Geschäft aus wirtschaftlicher Sicht, auch in Hinblick auf eine mögliche Doppelbelastung oder etwaige Kosten für ein Ausweichstadion?“

„Schöne Probleme“ erwünscht – Lustenau „will“ Europacup

„Ich habe bereits damals gesagt: Es ist mir egal, wenn man in der ersten Liga auf die Fresse bekommt. Denn: als Sportler strebe ich immer nach dem höchsten. Wenn ich Probleme bekomme, weil ich höher spiele, dann sind das schöne Probleme. Ich werde mich sicherlich nicht mit Händen und Füßen dagegen wehren, wenn man überperformed. In dieser Hinsicht sehe ich es anders als der Kollege Silberberger. Wir wollen so erfolgreich wie möglich sein. Ich sage sicherlich nicht: Wir spielen da nicht mit, weil das dann eine Doppelbelastung wäre“.

Sky: „Inwiefern würde der verfrühte Klassenerhalt, speziell was die auslaufenden Verträge am Saisonende betrifft, helfen?“

„Wir führen sowieso Gespräche und reden bei allen unseren Jungs. Was jedoch sicher ist: Ein Abstieg hätte riesengroße Auswirkungen. Dann wäre die Chance auf eine Verlängerung bei allen quasi bei null“.

Sky: „Nicht nur in Lustenau, sondern auch beim Kooperationsverein in der Ligue 1 wird derzeit erfolgreich gearbeitet. Clermont Foot ist bei sechs ausbleibenden Runden mit 14 Punkten Vorsprung auf die Abstiegsränge fast gerettet. Welchen Einfluss nimmt der verfrühte Klassenerhalt von Clermont auf Lustenaus Planungen für die kommende Saison?“

„Einen sehr großen. Es gibt das erste Mal seit drei Jahren diese Situation, dass beide Mannschaften womöglich relativ früh wissen, in welcher Liga sie kommende Saison spielen. In den vergangenen drei Jahren gab es nie die Situation, dass man vor dem letzten Spieltag irgendetwas planen konnte. Man kann sagen: In Clermont ist es fix, in Lustenau ist es noch nicht ganz fix. Wir hoffen natürlich, dass wir es vor dem letzten Spieltag schaffen. Aber natürlich hat es in jeglicher Hinsicht der Planung positive Auswirkungen“.

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Sky: „Lassen Sie uns nun ein über ein paar Personalien diskutieren. Ihr Trainer hat bestätigt, dass man, was die Leihspieler betrifft, bereits Gespräche geführt hat, wen man gerne behalten würde. Können Sie uns in einen Einblick in diese Gespräche gewähren?“

„Man ist natürlich in Gesprächen. Mit den drei Clermont-Jungs ist man sowieso in wöchentlichem Austausch, weil wir (Anm. d. Red.: Investor Core Sports Capital, der Anteile an SC Austria Lustenau sowie Clermont Foot 63 besitzt) sowieso beide Parteien abdecken. Wir handhaben es so, wie wir es auch bei unseren eigenen Vertragsspielern sehen. Bei den Leihspielern kommt jedoch eine zusätzliche Komponente ins Spiel. Nämlich, abgesehen von den Spielern und deren Beratern, ein zusätzlicher Verein. Was unsere Clermont-Spieler betrifft, blicken wir derzeit auf eine unterschiedliche Entwicklung zurück – teilweise sehr zufrieden, teilweise auch wegen Verletzungen mehr als unglücklich. Wie bei allen unseren Spielern muss man sagen: das sind junge Kerle bei uns. Sie kamen in ein neues Land, ein neues Umfeld. Man kann nicht erwarten, dass alles sofort funktioniert. Man muss hier ein bisschen von der Erwartungshaltung wegkommen, dass sie gleich vom ersten Tag weg die Qualität der Mannschaft auf eine andere Ebene heben. Die Bewertung muss man auf alle Fälle differenzierter sehen“.

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Sky: „Gehe ich Recht in der Annahme, speziell was Torben Rhein betrifft, dass es durch dessen langen, verletzungsbedingten Ausfall im Interesse aller Beteiligten wäre, wenn er noch ein Jahr in Lustenau dranhängen würde?“

„Wir hätten sicher nichts dagegen und fänden es gut. Aber hier muss man sagen: Der Junge hat auch eine Karriereplanung. Ich werde einen Teufel tun und Druck ausüben. Ich werde sicherlich nicht sagen, der Junge muss noch ein Jahr bei uns bleiben. Dafür ist das Vertrauen zwischen dem FC Bayern und uns, zwischen Torben und uns zu groß, dass man irgendjemanden in eine Richtung drängen will. Aus unserer Sicht wäre es natürlich wünschenswert, aber wir werden keinen unter Druck setzen“.

Interesse aus Bundesliga, Serie A und Ligue 1 – Bei Hugonet „stehen die Chancen am schlechtesten“

Sky: „Eine Personalie, die wohl viele Lustenauer Anhänger brennend interessiert, ist Jean Hugonet. Meines Wissens sind Teams aus der Ligue 1, der deutschen Bundesliga sowie der Serie A an ihm interessiert. Wie schwer würde ein Abgang wiegen?“

„Man muss realistisch sein, bei ihm stehen die Chancen am schlechtesten. Dennoch liegen sie nicht bei null. Natürlich hat sich Jean ins Rampenlicht gespielt. Wenn es stimmt, was sie sagen, ist es logisch, dass er überlegt. Jean hat sich immer vorbildlich verhalten und dem Verein sehr, sehr viel gegeben. Aber es gibt auch Punkte, die für Lustenau sprechen und das weiß auch Jean. Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen unseren Jungs den nächsten Schritt ermöglichen. Wir versuchen alles bzw. haben alles versucht. Es wird keine neuen Gespräche mehr geben. Jetzt ist es eine Entscheidung, die nur beim Spieler liegt. Die Chancen sind wahrscheinlich bei ihm am geringsten. Wenn er seine Entscheidung trifft, wird er es uns mitteilen. Und da er es uns noch nicht mitgeteilt hat, sind wir auch weiterhin ruhig. Natürlich würde es wehtun. Aber für den Fall, dass er weggeht, ist es auch hier unsere Aufgabe, unseren Weg weiterzugehen. Momentan sind wir noch nicht so weit, dass wir entscheiden können, wann und wohin die Spieler gehen“.

Sky: „Lassen Sie uns noch kurz in die Zukunft blicken: Betreffend nächster Saison, wie weit ist die Kaderplanung vorangeschritten?“

„Das hängt natürlich hauptsächlich mit den Spielern zusammen, die kommen und gehen. Natürlich sind wir bereits am screenen und führen erste Gespräche. Der Hauptfokus liegt hier eher auf der Offensive. Auch wenn Jean und Hakim das Team verlassen würden, haben wir defensiv wohl die größere Breite. Dennoch liegt der Fokus nahezu auf jeder Ebene“.

Schneider geht von eigenem Verbleib in Lustenau aus

Sky: „Abschließend möchte ich auch auf Ihre Personalie nochmal Bezug nehmen: Können Sie bestätigen, dass man Sie auch nächstes Jahr noch als Sportkoordinator von Austria Lustenau sieht?“

„Ich habe derzeit nichts Gegenteiliges gehört, dass ich auch nächste Saison hauptsächlich in Lustenau eingeteilt bin. Bei einem Abstieg wäre es zweifelhafter, aber wohl nicht bei Bundesligazugehörigkeit. Im Fußball weiß man jedoch nie. Ich plane im Moment jedoch nichts Anderes und andere Dinge sind für mich im Moment nicht relevant“.

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Bild: GEPA