Schöttel spricht nach Grgic-Causa Klartext

Mit Leon Grgic ist dem Österreichischen Fußball-Bund (ÖFB) ein weiteres Talent abhanden gekommen – der Verband will die Bemühungen, junge Spielerinnen und Spieler mit Mehrfach-Staatsbürgerschaft frühzeitig an den Verband zu binden, verstärken.

Künftig sollen Perspektiven noch klarer aufgezeigt und sichergestellt werden, dass die umfassenden Investitionen in die Talenteförderung auch jenen zugutekommen, die sich langfristig für den rot-weiß-roten Weg entscheiden.

Deutliche Worte von ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel!

Schöttel: „Investitionen für Spieler mit rot-weiß-rotem Herzen“

Um frühzeitige Klarheit bei Perspektivspielern zu schaffen, setzt der ÖFB seit Ende 2024 auf eine noch engere Begleitung. Mit dem früheren ÖFB-Verteidiger Sebastian Prödl als Leiter der Nachwuchs-Nationalteams soll das Thema stärker fokussiert werden.

Peter Schöttel erklärte in einer Aussendung:

„Mit der Etablierung der Position von Sebastian Prödl als Leiter Nachwuchs-Nationalteams haben wir ein Zeichen gesetzt, diese sensiblen und strategisch wichtigen Themen noch intensiver und professioneller anzugehen. Die persönliche Entscheidung jedes Spielers ist natürlich zu respektieren. Es muss aber künftig unser Ziel sein, dass die hohen Investitionen des ÖFB in Talente denen zugutekommen, die sich auch emotional und mit voller Überzeugung für den österreichischen Weg entscheiden.“

ÖFB will Spieler „zurückholen“

Neben dem Verlust von heimischen Talenten möchte der ÖFB in Zukunft auch Spieler „zurückholen“. Der Verband will vermehrt beobachten, ob Spieler, die sich bereits für eine andere Nation entschieden haben, ihre Entscheidung teilweise überdenken und eine Rückkehr nach Österreich in Erwägung ziehen. Der ÖFB will diesen Prozess aktiv begleiten und gleichzeitig jene fördern, die sich früh klar bekennen.

„Der ÖFB wird seinen strategischen Weg konsequent weiterverfolgen – mit Fokus auf jene Spielerinnen und Spieler, die mit Überzeugung, Identifikation und Leidenschaft den rot-weiß-roten Weg mitgehen“, betonte Sebastian Prödl.

Das gelang in der jüngeren Vergangenheit etwa bei WAC-Youngster Erik Kojzek. Der gebürtige Slowene lebt seit rund sieben Jahren in Österreich, zog mit zwölf Jahren mit seiner Familie nach Kärnten, wo der 19-Jährige beim Wolfsberger AC die Jugend durchlief und in der vergangenen Saison zum Profi bei den Lavanttalern aufstieg. Der Angreifer wird in Zukunft für das ÖFB-Team auflaufen.

Causa Grgic erinnert an Jasic-Verbandswechsel

Der Fall Kojzek war in den letzten Jahren allerdings eher die Ausnahme.

2023 wurde bekannt, dass sich Adis Jasic gegen den ÖFB entschieden hat. Der ehemalige WAC-Kicker hat 25 Junioren-Länderspiele für Österreich bestritten und sich anschließend für Bosnien-Herzegowina entschieden. Ein A-Länderspiel hat der 22-Jährige bis heute nicht bestritten und könnte noch zum ÖFB zurückkehren.

Anfang 2025 ging dem Verband ein weiteres, vielversprechendes Talent durch die Lappen: Der 21-jährige Franjo Ivanovic entschied sich gegen eine Einberufung ins ÖFB-Team und hat mittlerweile vier A-Länderspiele für Kroatien bestritten. Ivanovic ist in Schwaz in Tirol geboren und ist österreichisch-kroatischer Doppelstaatsbürger. Allerdings lief der Mittelstürmer, der im Sommer für knapp 23 Millionen Euro von Union Saint-Gilloise zu Benfica Lissabon gewechselt ist, bereits in den Nachwuchs-Nationalmannschaften für Kroatien auf.

Mit Leon Grgic verliert der ÖFB nun ein weiteres, vielversprechendes Talent. Der 19-Jährige stand in der aktuellen Saison in allen fünf Pflichtspielen des SK Sturm in der Startelf. In der 1. Bundesliga-Runde beim LASK steuerte der gebürtige Steirer einen Treffer bei.

Leon Grgic (9.) erzielt das erste Tor der Bundesliga-Saison 2025/26

Auf Nationalteam-Ebene lief Grgic insgesamt 26 Mal für Österreich auf, zuletzt für die U19 im März 2025.

In Zukunft versucht der Angreifer unter kroatischer Flagge sein Glück…

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(Red./ÖFB)

Bild: GEPA