Schweizer Start mit Sorgen ins EM-Heimturnier

Für Gastgeber Schweiz, Norwegen und Island kommt es zum Start der Frauen-Fußball-EM zu einem raschen Wiedersehen. Das Trio kämpft in der Gruppe A mit Finnland um die beiden Aufstiegsplätze, nachdem die drei Teams erst kürzlich in der Nations League aufeinandergetroffen waren. Island und Finnland eröffnen die 14. EM-Auflage am Mittwoch (18.00 Uhr) in Thun, mehr Blicke sind aber auf die Partie der Schweiz gegen Norwegen in Basel (21.00) gerichtet.

Auf das Veranstalterland wartet mit dem zweifachen Europameister gleich eine hohe Hürde. Nimmt man die Nations League als Maßstab, eine zu hohe. Am 25. Februar setzten sich Caroline Graham Hansen und Co. in Stavanger 2:1 durch, am 3. Juni folgte in Sion ein 1:0. Die Schweiz (2) beendete den Bewerb sieglos als Letzter und steigt in die B-Liga ab. Island (4) muss in die Relegation, Norwegen (8) fixierte als Zweiter hinter den makellosen Französinnen den Verbleib auf höchster Ebene.

Schweiz scheiterte immer früh

Aufgrund dieser mageren Ausbeute sieht sich die Schweizer Teamchefin Pia Sundhage vor dem Turnierstart mit Kritik konfrontiert. Die 65-Jährige hat in ihrer langen Karriere als Trainerin der USA, von Schweden und Brasilien schon viel gesehen. Die US-Amerikanerinnen führte sie zweimal zu Olympia-Gold. Europameisterin war die Schwedin bisher nur als Spielerin (1984). Von einem ähnlichen Husarenstück ist ihr Team aktuell weit entfernt. Die Eidgenössinnen scheiterten bei ihren beiden EM-Teilnahmen 2017 und 2022 vor der K.o.-Phase.

„Sie werden rauslaufen und uns alle überraschen, das hoffe ich“, sagte Sundhage. Der Platzierung in der Weltrangliste dürfe man nicht zu viel Beachtung schenken. „Es ist ein ganz spezielles Turnier, eine spezielle Chance für die Spielerinnen im eigenen Land. Die ganze Atmosphäre gibt uns sehr viel Energie.“ Ihr Team ist die Nummer 23 der Welt, Norwegen im Vergleich dazu 16. und Island 14. Nur Finnland als 26. steht in dieser Gruppe schlechter da.

Verteidigerinnen gehen aus

Der Start der Gastgeberinnen ist von personellen Sorgen in der Defensive begleitet. Zuletzt musste mit Ramona Bachmann auch die Abwehrchefin und designierte Leaderin Luana Bühler wegen Kniebeschwerden verletzt absagen. Die Tottenham-Legionärin fehlte auch schon bei der Generalprobe, bei der nach acht sieglosen Spielen mit einem 4:1 gegen Tschechien in einem Test endlich wieder einmal ein Erfolgserlebnis herausschaute.

Dennoch blicken die Schweizerinnen dem Auftaktspiel optimistisch entgegen. „Das wird das aufregendste und größte Spiel meiner bisherigen Karriere“, sagt Smilla Vallotto, die im Alter von vier Jahren in die Heimat der Mutter nach Stavanger ausgewandert ist. „Wir wollen ganz Europa zeigen, dass wir besser sind als sie.“

„Im Training fast gestorben“

Die Hitze dürfte ein Thema werden. „Im ersten Training bin ich fast gestorben“, berichtete die künftig für Wolfsburg spielende Vallotto. „Viele verbinden die Schweiz mit Bergen und Skifahren. Kolleginnen aus Finnland sagten, sie hätten nicht erwartet, dass es so heiß ist hier. Ich sagte: Willkommen in der Schweiz.“

Island wurde in der EM-Quali vor der ÖFB-Auswahl Zweiter. Gegen Finnland gab es bei großen Turnieren noch kein direktes Aufeinandertreffen, dafür aber drei Länderspiele, die allesamt mit einem finnischen Erfolg endeten. Der jüngste gelang im Juli 2023 in einem Test in Reykjavík mit 2:1. Für beide Teams ist es die fünfte EM-Teilnahme. Während Finnland beim Debüt 2005 im Halbfinale und vier Jahre später im Viertelfinale war, konnte Island auf EM-Ebene von 13 Partien erst eine gewinnen.

(APA)

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Beitragsbild: Imago